Zur Meeresforschung
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genaue Angaben über die Bodentemperaturen angefordert, die bisher nur unzu
reichend beobachtet worden sind.
Mit der Verwertung der mechanischen Energie von Wellen und Gezeiten ist
in einigen Ländern ebenfalls bereits begonnen worden. Unabhängig davon, in
welcher Art die einzelnen Wirtschaftszweige aus dem Meere Butzen ziehen,im
mer sind die Kenntnisse der dynamischen Vorgänge und der chemisch-physika
lischen Verhältnisse in einem Seegebiet die Voraussetzung für einen Erfolg
ihrer Bemühungen.
Bas Meer als Abfallgrube - Baß alle Meeresforscher das Meer frei von Ab
fällen halten möchten, steht außer Zweifel, doch wird zunehmend deutlicher,
daß dies ein Wunsch bleibt. Bie fortschreitende Industrialisierung der Län
der bringt erhöhte Abfälle mit sich, für die die Unterbringungsmöglichkei
ten an Land immer knapper werden. Bie Ableitung flüssiger Abfälle in Flüsse
und Binnengewässer ist gesetzlich beschränkt. So wenden sich die Blicke der
Industrie verständlicherweise immer stärker auf das Meer. Giftstoffe, Säuren
und andere gefährliche Abfälle werden schon heute in beträchtlichen Mengen
dem Meer zugeleitet. Bas B.H.I. hat in Gutachten und Stellungnahmen immer
wieder auf die Gefahren hingewiesen, die dem pflanzlichen und tierischen
Leben im Meer durch ein unkontrolliertes Einbringen solcher Abfälle entste
hen.
Eine Sonderstellung nehmen die radioaktiven Abfälle.ein, die heute bereits
in erheblichem Umfang dem Meer zugeleitet werden und deren langfristige Aus
wirkungen auf den Biozyklus im Meer noch in keiner Weise zu übersehen sind.
Bie Gefahr liegt hier in der Anreicherung der Isotope durch Organismen. Wir
können auch nicht schätzungsweise angeben, welcher Anteil der Abfallstoffe
auf diese Weise im Laufe der Zeit über die Hahrungskette zurückkommt. Fragen
des Transportes und der Anreicherung radioaktiver Abfallstoffe gehören des
halb zu dem wichtigsten Gegenwartsproblem der Meeresforschung. Bas B.H.I.
ist vom Bund mit der Überwachung des Meerwassers auf radioaktive Beimengungen
beauftragt und hat in den letzten Jahren umfangreiche Untersuchungen über
Vermischungsvorgänge in der Nordsee sowie über den derzeitigen Aktivitäts
pegel im Wasser und am Meeresboden der deutschen Küstengebiete durchgeführt.
Biese Untersuchungen müssen verstärkt weitergeführt und auf die deutschen Fi
schereigebiete im Bordatlantik ausgedehnt werden. Infolge der wachsenden Nut
zung der Atomenergie wird auch die deutsche Industrie in absehbarer Zeit ge
zwungen sein, Spaltprodukte geringer Aktivität im Meer abzulagern. Hierfür
geeignete Gebiete müssen mit großer Sorgfalt ausgesucht und laufend überwacht