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Full text: Jahresbericht 1962

Zur Meeresforschung 
- Seite 17 - 
genaue Angaben über die Bodentemperaturen angefordert, die bisher nur unzu 
reichend beobachtet worden sind. 
Mit der Verwertung der mechanischen Energie von Wellen und Gezeiten ist 
in einigen Ländern ebenfalls bereits begonnen worden. Unabhängig davon, in 
welcher Art die einzelnen Wirtschaftszweige aus dem Meere Butzen ziehen,im 
mer sind die Kenntnisse der dynamischen Vorgänge und der chemisch-physika 
lischen Verhältnisse in einem Seegebiet die Voraussetzung für einen Erfolg 
ihrer Bemühungen. 
Bas Meer als Abfallgrube - Baß alle Meeresforscher das Meer frei von Ab 
fällen halten möchten, steht außer Zweifel, doch wird zunehmend deutlicher, 
daß dies ein Wunsch bleibt. Bie fortschreitende Industrialisierung der Län 
der bringt erhöhte Abfälle mit sich, für die die Unterbringungsmöglichkei 
ten an Land immer knapper werden. Bie Ableitung flüssiger Abfälle in Flüsse 
und Binnengewässer ist gesetzlich beschränkt. So wenden sich die Blicke der 
Industrie verständlicherweise immer stärker auf das Meer. Giftstoffe, Säuren 
und andere gefährliche Abfälle werden schon heute in beträchtlichen Mengen 
dem Meer zugeleitet. Bas B.H.I. hat in Gutachten und Stellungnahmen immer 
wieder auf die Gefahren hingewiesen, die dem pflanzlichen und tierischen 
Leben im Meer durch ein unkontrolliertes Einbringen solcher Abfälle entste 
hen. 
Eine Sonderstellung nehmen die radioaktiven Abfälle.ein, die heute bereits 
in erheblichem Umfang dem Meer zugeleitet werden und deren langfristige Aus 
wirkungen auf den Biozyklus im Meer noch in keiner Weise zu übersehen sind. 
Bie Gefahr liegt hier in der Anreicherung der Isotope durch Organismen. Wir 
können auch nicht schätzungsweise angeben, welcher Anteil der Abfallstoffe 
auf diese Weise im Laufe der Zeit über die Hahrungskette zurückkommt. Fragen 
des Transportes und der Anreicherung radioaktiver Abfallstoffe gehören des 
halb zu dem wichtigsten Gegenwartsproblem der Meeresforschung. Bas B.H.I. 
ist vom Bund mit der Überwachung des Meerwassers auf radioaktive Beimengungen 
beauftragt und hat in den letzten Jahren umfangreiche Untersuchungen über 
Vermischungsvorgänge in der Nordsee sowie über den derzeitigen Aktivitäts 
pegel im Wasser und am Meeresboden der deutschen Küstengebiete durchgeführt. 
Biese Untersuchungen müssen verstärkt weitergeführt und auf die deutschen Fi 
schereigebiete im Bordatlantik ausgedehnt werden. Infolge der wachsenden Nut 
zung der Atomenergie wird auch die deutsche Industrie in absehbarer Zeit ge 
zwungen sein, Spaltprodukte geringer Aktivität im Meer abzulagern. Hierfür 
geeignete Gebiete müssen mit großer Sorgfalt ausgesucht und laufend überwacht
	        
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