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Full text: Jahresbericht 1962

Zur Meeresforschung 
- Seite 13 - 
umfaßt, die Ge Zeitenströme mit 15 bis 20 gleichzeitig ausliegenden, selbst 
registrierenden Meßgeräten in verschiedenen Tiefen jeweils für die Dauer 
von 2-3 Wochen gemessen. Die Ergebnisse werden in Form von Gezeitenstrom 
atlanten der Schiffahrt zur Verfügung gestellt sowie für Seehandbuchbeiträge, 
Auskünfte und Gutachten verwendet. Im Ozean treten die Gezeitenströme hinter 
den großen Meeresströmungen, wie etwa dem Nordatlantischen Strom, zurück. 
In diesem wurden z.B. von dem Vermessungs- und Forschungsschiff "Gauß" im 
Internationalen Geophysikalischen Jahr Geschwindigkeiten bis zu 4 kn gemes 
sen, die sich bei Ausnutzung oder Vermeidung auch auf die Reisegeschwindig 
keit moderner Schiffe und damit wirtschaftlich auswirken. Die Vorhersage die 
ser Strömungen ist wesentlich schwieriger als die von Gezeitenströmen. Aus 
ozeanographischen Untersuchungen ist bekannt, daß z.B. der Golfstrom stark 
pulsieren und mäandrieren kann und sich zwischen Stromfäden hoher Geschwin 
digkeit Wirbel und Gegenströmungen ausbilden. Das Naval Oceanographic Office, 
Washington, versucht seit einigen Jahren mittels des sogenannten "ship 
routing "-Verfahrens einen optimalen Reiseweg für Schiffe unter Berücksichti 
gung der Meeresströmungen und der zu erwartenden Wind- und Seegangsverhält- 
nisse vorherzusagen. Damit sind bereits gute Erfolge erzielt worden. Bei der 
Vorhersage von Wind, Seegang und Strömung ist die der Strömung noch bei wei 
tem am unsichersten. Zur Feststellung ihrer jeweiligen läge ist ein räumlich 
enges Beobachtungsnetz von auslegbaren und kurzfristig fernmeldenden Strom 
meßgeräten erforderlich. Geräte dieser Art sind entwickelt und werden zur 
Zeit in den USA erprobt. Solche verankerten ozeanographischen Stationen die 
nen nicht nur zur Messung der Oberflächenströmung, sondern auch zur Messung 
der Tiefenströme, der Luft- und Wassertemperatur, des Windes und anderer Pa 
rameter. Man schätzt, daß Schäden von Wirbelstürmen und Wellen durch ein der 
artiges Alarmnetz um zwei Drittel vermindert werden können. 
Die Oberflächenströmungen verfrachten jedoch nicht nur Schiffe, sondern 
auch Öl und andere Schiffsabfälle, die leichter als Wasser sind. Mit der Un 
tersuchung der Ausbreitung und Verfrachtung von.Ölrückständen auf See durch 
Strömungen und Wind hat sich das D.H.I. in den vergangenen Jahren wiederholt 
beschäftigt, um Unterlagen für Maßnahmen zur Bekämpfung der Ölverschmutzung 
bereitzustellen. Mehrere tausend Triftkarten wurden in verschiedenen Teilen 
der Nordsee unter verschiedenen Windverhältnissen ausgebracht und ihr Reise 
weg bis zu ihrer Antriebsstelle elektronisch nachgerechnet. Es ergab sich, 
daß die Öltrift vorwiegend unter Einfluß des Windes erfolgt und den Strömun 
gen nur untergeordnete Bedeutung zukommt. Die Triftgeschwindigkeit beträgt
	        
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