Zur Meeresforschung
- Seite 13 -
umfaßt, die Ge Zeitenströme mit 15 bis 20 gleichzeitig ausliegenden, selbst
registrierenden Meßgeräten in verschiedenen Tiefen jeweils für die Dauer
von 2-3 Wochen gemessen. Die Ergebnisse werden in Form von Gezeitenstrom
atlanten der Schiffahrt zur Verfügung gestellt sowie für Seehandbuchbeiträge,
Auskünfte und Gutachten verwendet. Im Ozean treten die Gezeitenströme hinter
den großen Meeresströmungen, wie etwa dem Nordatlantischen Strom, zurück.
In diesem wurden z.B. von dem Vermessungs- und Forschungsschiff "Gauß" im
Internationalen Geophysikalischen Jahr Geschwindigkeiten bis zu 4 kn gemes
sen, die sich bei Ausnutzung oder Vermeidung auch auf die Reisegeschwindig
keit moderner Schiffe und damit wirtschaftlich auswirken. Die Vorhersage die
ser Strömungen ist wesentlich schwieriger als die von Gezeitenströmen. Aus
ozeanographischen Untersuchungen ist bekannt, daß z.B. der Golfstrom stark
pulsieren und mäandrieren kann und sich zwischen Stromfäden hoher Geschwin
digkeit Wirbel und Gegenströmungen ausbilden. Das Naval Oceanographic Office,
Washington, versucht seit einigen Jahren mittels des sogenannten "ship
routing "-Verfahrens einen optimalen Reiseweg für Schiffe unter Berücksichti
gung der Meeresströmungen und der zu erwartenden Wind- und Seegangsverhält-
nisse vorherzusagen. Damit sind bereits gute Erfolge erzielt worden. Bei der
Vorhersage von Wind, Seegang und Strömung ist die der Strömung noch bei wei
tem am unsichersten. Zur Feststellung ihrer jeweiligen läge ist ein räumlich
enges Beobachtungsnetz von auslegbaren und kurzfristig fernmeldenden Strom
meßgeräten erforderlich. Geräte dieser Art sind entwickelt und werden zur
Zeit in den USA erprobt. Solche verankerten ozeanographischen Stationen die
nen nicht nur zur Messung der Oberflächenströmung, sondern auch zur Messung
der Tiefenströme, der Luft- und Wassertemperatur, des Windes und anderer Pa
rameter. Man schätzt, daß Schäden von Wirbelstürmen und Wellen durch ein der
artiges Alarmnetz um zwei Drittel vermindert werden können.
Die Oberflächenströmungen verfrachten jedoch nicht nur Schiffe, sondern
auch Öl und andere Schiffsabfälle, die leichter als Wasser sind. Mit der Un
tersuchung der Ausbreitung und Verfrachtung von.Ölrückständen auf See durch
Strömungen und Wind hat sich das D.H.I. in den vergangenen Jahren wiederholt
beschäftigt, um Unterlagen für Maßnahmen zur Bekämpfung der Ölverschmutzung
bereitzustellen. Mehrere tausend Triftkarten wurden in verschiedenen Teilen
der Nordsee unter verschiedenen Windverhältnissen ausgebracht und ihr Reise
weg bis zu ihrer Antriebsstelle elektronisch nachgerechnet. Es ergab sich,
daß die Öltrift vorwiegend unter Einfluß des Windes erfolgt und den Strömun
gen nur untergeordnete Bedeutung zukommt. Die Triftgeschwindigkeit beträgt