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II. ZUE MEERESFORSCHUNS
Im Deutschen Hydrographischen Institut nimmt die Abteilung "Meereskunde"
einen Teil der nationalen und internationalen Aufgaben der Bundesrepublik
auf dem Gebiet der Meeresforschung wahr. Über dieses Arbeitsgebiet sind recht
unterschiedliche Vorstellungen auch bei Berufsgruppen anzutreffen, die seit
langem eng mit dem Meere verbunden sind. Es ist verständlich, daß z.B. Han
delsschiffs- oder Fischdampfer-Kapitäne die Meereskunde in erster Linie nach
dem Beitrag beurteilen, den sie zur Förderung ihres Berufszweiges leistet.
Dieser Beitrag ist gewiß nicht gering. Trotzdem wird diese Betrachtungsweise
der rasch wachsenden Bedeutung der Meeresforschung nicht mehr gerecht. In zahl
reichen Veröffentlichungen und Denkschriften des In- und Auslandes kommt in
den letzten Jahren immer deutlicher das Interesse zum Ausdruck, das auch andere,
bisher den Problemen des Meeres fernerstehende Gruppen der menschlichen Ge
sellschaft dem Meere und seiner Erforschung entgegenbringen. Dem Wort "Atom
zeitalter" ist deshalb von einem Politiker der USA bereits der Begriff "Zeit
alter des Meeres" zur Seite gestellt worden. Diese Entwicklung zeichnete sich
für einen aufmerksamen Beobachter, auch wenn er kein Fachmann ist, seit langem
ab. Bei der rasch zunehmenden Bevölkerungszahl der Erde und dem Nahrungs-,
Raum- und Sicherheitsbedürfnis der Menschen richten sich die Blicke aller um
Lösung unserer Zivilisationsprobleme bemühten Menschen immer mehr auf die 71$
unserer Erdoberfläche, die noch weitgehend unerforscht und ungenutzt sind.
Die Probleme der modernen Meeresforschung sollen hier an wenigen Beispielen
aus Seeverkehr und Fischerei, aus Wissenschaft und Landesverteidigung, aus
Wirtschaft und Technik aufgezeigt und damit der Rahmen angegeben werden, in
dem sich auch die meereskundliche Tätigkeit des Deutschen Hydrographischen In
stituts vollzieht.
Das Meer als Verkehrsweg - Die Schiffahrt ist sicher die älteste und zur
Zeit noch intensivste "Nutzung des Meeres". Sie hat selbst durch die Messung
von Besteckversetzungen die Unterlagen bereitgestellt, auf denen noch heute
die großen Strömungskarten der Ozeane beruhen. Die Kenntnis der Oberflächen
ströme, ihrer zeitlichen und räumlichen Veränderungen, sowie ihrer Abhängig
keit vom Wind sind für die Sicherheit und Wirtschaftlichkeit der Schiffahrt
auch im Zeitalter der maschinengetriebenen Schiffe noch notwendig. In der
Nordsee herrschen die Gezeitenströme vor, die infolge ihrer Periodizität und
Abhängigkeit vom Mondstand verhältnismäßig gut vorhergesagt werden können,
wenn ihre Amplituden und Phasen bekannt sind. Zu diesem Zweck werden vom D.H.I.
in einem langjährigen Meßprogramm, das die gesamte Nordsee und den Skagerrak