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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1898.
J. van Bebber, Die Wettervorhersage.
Eine gemeinverständliche praktische Anleitung zur Wettervorhersage auf Grund-
lage der Zeitungs-Wetterkarten und Zeitungs-Wetterberichte für alle Berufsarten.
— Im Auftrage der Direktion der Deutschen Seewarte bearbeitet von Prof.
Dr. W. J. van Bebber, Abtheilungsvorsteher der Deutschen Seewarte. Mit
zahlreichen Beispielen und 125 Abbildungen. Zweite verbesserte und vermehrte
Auflage, Stuttgart, Verlag von Ferd., Enke. 1898. gr. 8%. 215 Seiten.
Nachdem der Verfasser in der Einleitung eine kurze Uebersicht über die
geschichtliche Entwickelung der wissenschaftlichen Wetterkunde von der klimato-
logischen Periode bis zu der der synoptischen Meteorologie und Wettertelegraphie
gegeben und das europäisch-kontinentale, das britische und nordamerikanische
wettertelegraphische System besprochen hat, behandelt er seinen Gegenstand, im
Anschlufs an den Wetierdienst der Seewarte, in folgenden acht Abschnitten:
L. Das wettertelegraphische Material und seine Verwerthung.
II. Grundlage der Wettervorhersage im Allgemeinen.
III. Gebiete mit hohem Luftdruck (Maxima, Hochdruckgebiete oder auch
weiterhin kurz „H“).
IV. Gebiete mit niedrigem Luftdruck (Minima, Depressionen, Tiefdruck-
gebiete, auch „1“),
V. Betrachtung der Einzelerscheinungen (nach Zugstrafsen der „T“).
VI. Anleitung zur Aufstellung von Wettervorhersagen auf Grundlage der
Wetterkarten. Dazu Tabellen.
VII. Die Beurtheilung des Wetters auf mehrere Tage voraus. (Zum ersten
Male behandelt in dieser zweiten Auflage.)
VIII. Die Berücksichtigung örtlicher Beobachtungen.
In I erfahren wir, dals der Seewarte täglich von 105 Stationen wetter-
telegraphisches Material zugeht, wir lernen ferner, wie solche Telegramme aus-
sehen, und was sie Alles enthalten. Die äufsersten Stationen sind; Valencia in
Irland und Charkow in Mittelrussland, Bodö innerhalb des Polarkreises und
Athen. Sturmwarnungen werden an den deutschen Küsten, je nach Bedarf, an
111 Signalstellen gezeigt. Als Lücken in den berichtenden ausländischen Stationen
sind (nach Fig .1, Seite 14) noch zu bezeichnen: die Westküste der Pyrenäen-Halb-
insel, im Anschlufs daran die Azoren, ferner im Nordwesten die Farör und Island.
Umfassende Eisberichte von den deutschen Küsten erscheinen ebenfalls in den
Wetterberichten der Deutschen Seewarte. Ueber die Verbreitung der Wetter-
karten giebt eine Bemerkung (Seite 22 Fufsnote) Aufschlufs, wonach beispiels-
weise durch Vermittelung des Berliner Wetterbureaus, eines Privatunternehmens,
täglich weit über !/4 Million Wetterkarten, die auf den Berichten der Deutschen
Seewarte beruhen, zur Veröffentlichung kommen. Auf Seite 20 bis 22 wird an
einem Beispiel gezeigt, dafs ein abgekürzter, nur 28 Stationen umfassender
Zeitungs- Wetterbericht mit ganz unwesentlichen Abweichungen eine für praktische
Zwecke ebenso genaue Wetterkarte zu zeichnen gestattet, wie die auf voll-
ständigerem Material beruhenden Karten der Deutschen Seewarte. Hierin liegt
ein Hinweis auf die Möglichkeit einer Vereinfachung der jetzigen international
vereinbarten Witterungstelegramme, wie sie vorher (Seite 15 ff.) mitgetheilt sind.
In II werden die barometrischen Hoch- und Tiefdruckgebiete kurz be-
handelt, das barische Windgesetz, das Wetter beim Vorübergange von Depressionen,
ihre fünf Hauptzugsstrafsen, die Abhängigkeit der Bahnen der „T“ von der
Druck- und Wärmevertheilung. Beim ersten Hinweis (Seite 38) auf sekundäre
Bildungen in Fig. 2 (Seite 20) wäre es vielleicht einfacher, den Leser, der sie
noch nicht kennt, unmittelbar auf die Biegungen der Isobare 760 auf der Strecke
Helder— Wiesbaden—Bamberg hinzuweisen. Da die Tabelle (Seite 44) und der
Text nur fünf Zugstrafßsen unterscheiden, die in VI, Fig. 95 bis 106 (Seite 152 ff.)
dargestellt sind, wäre im Interesse der leichteren Uebersicht für Anfänger viel-
leicht ein Verzicht auf die etwas überladenen Fig. 10 und 11 (Seite 40, 41) unter
Hinweis auf die späteren Figuren zweckmäßig.