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Full text: Jahresbericht 1964

- Seite 41 
Seeverkehrsbeirat 
Reg. Dir. Sora, berichtete über die Fortschritte der Gezeitenvorausbe 
rechnung und über weitere Arbeiten auf dem Gebiet der Gezeiten. Die Gezei 
ten der deutschen Gewässer sind wegen der geringen Tiefen der Hordsee und 
der Deutschen Bucht stark verzerrt. Die heute verbreitetste Berechnungs 
methode, das harmonische Verfahren nach Kelvin-Ferrel-Darwin aus der zwei 
ten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, wird unter solchen Umständen unbrauch 
bar, weil sie die Ermittlung und Zusammensetzung von mehreren hundert har 
monischen Tiden verlangen würde. Das Verfahren beruht auf einer kontinuier 
lichen Vorausberechnung des gesamten Gezeitenverlaufs, aus dem dann erst 
z.B. die Hoch- und Hiedrigwasserangaben entnommen werden, die in den Ge 
zeitentafeln erscheinen. Das erklärt, warum die Methode von Bubbock (1831), 
die auf einer Statistik der Hoch- und Hiedrigwasser beruht und über eine 
bestimmte Grenze hinaus nicht verbessert werden kann, dennoch von 1874 
bis 1952 Verwendung fand. Das mathematische Prinzip, das dem harmonischen 
Verfahren zugrunde liegt, läßt jedoch mannigfache Anwendungsweise zu, nicht 
nur die klassische. So ist es beim DH1 gelungen, zunächst die Hooh- und 
Niedrigwasserzeiten und -höhen einzeln durch neuartige harmonische Seihen 
darzustellen und dadurch die Genauigkeit der Vorausberechnung zu verdrei 
fachen. Schließlich konnten auch Zwischenpunkte in dieser Weise dargestellt 
und damit konnte zum ersten Mal ein ausreichendes Bild von dem Verlauf der 
Gezeiten gewonnen werden. Das ist besonders wichtig für den Windstau- und 
Sturmflutwarndienst, der sich beim Verfolgen der Wasserstände nicht bloß 
auf das Beobachten der Hoch- und Niedrigwasser beschränken kann, ln das 
Zusammenwirken von Windstau und Gezeiten, die einander nicht unverändert 
überlagern, werden so ganz neuartige Einblicke möglich. - Gemäß einem Be 
schluß der Kommission der Nordseehydrographen befassen sich die hydrogra 
phischen Dienste der Anliegerstaaten unter deutscher Federführung mit einem 
auf 5 Jahre befristeten Programm zur Erarbeitung neuer Gezeitenkarten der 
Hordsee, die einerseits durch ausreichende Beobachtungen gestützt und 
andererseits theoretisch einwandfrei begründet sein sollen. 
2. 20. Sitzung 
Die 20. Sitzung fand am 20.10.1964 an Bord des FS "Meteor" in Hamburg 
statt. 
Präsident Dr. Zwiebler begrüßte die Mitglieder des Ausschusses in der 
Messe der "Meteor" und eröffnete die Sitzung zur festgesetzten Zeit. An 
schließend referierte er über FS "Meteor", ausgehend von der Vorgeschichte 
des neuen Schiffes und dem Vertrag zwischen der Deutschen Forschungsge 
meinschaft und dem DHI, der besagt, daß "Meteor" vom DHI bereedert und bei 
den Partnern je zur Hälfte der Einsatzzeit zur Verfügung stehen wird. Er 
schilderte Inhalt und Aufgabe der Meeresforschung und gab Daten für den
	        
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