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Full text: Jahresbericht 1965

Geophysik und Astronomie 
- Seite 71 
hisher nicht vor; diese Zeiten werden nämlich für den Nautical Almanac 
interpolatorisch bei der Berechnung der stündlichen Fundamentalephemeride 
gewonnen. Da es erwünscht ist, die Durchgangszeiten mit einer für die Ge 
zeitenvorausberechnung hinreichenden Genauigkeit wesentlich früher zu be 
sitzen, als die Fundamentalephemeride erhältlich ist, wurde eine empiri 
sche Darstellungsformel durch Analyse der Nautical-Almanac-Werte abgelei 
tet. Sie umfaßt 65 periodische Glieder, von denen einige künftig auch in 
die Darstellung der Hoch- und Niedrigwasser-Intervalle übernommen werden. 
Die Formel gibt die Almanac-Werte der Jahre 1900-1918, 1925-1943 und 1950- 
1968 mit einem mittleren Fehler von 0,08 Minuten und einem Maximalfehler 
von 0,4 Minuten wieder, der in jeder der 3 Perioden einmal auftritt. 
Die halbautomatische Anlage, mit der sich stündliche Wasserstände aus 
den Pegelbogen ablesen und gleichzeitig in Lochkarten übertragen lassen, 
wurde fertiggestellt. 
Seit mehreren Jahren beobachten die Forschungs- und Vermessungsschiffe 
des DHI bei Fahrt auf den Revieren regelmäßig die Lage der Fahrwasserton 
nen. Die Beobachtungen aus dem Elbegebiet wurden in einer Kartei gesammelt 
und stellen eine wertvolle Information über die Gezeitenströme dar. Für 
die übrigen Gebiete sollen die Beobachtungen in entsprechender Weise bear 
beitet werden. 
Es ist beabsichtigt, die aus Gezeiten und Windstau durch nichtlineare 
Superposition resultierende Wasserstandsänderung in einem umfassenden An 
satz darzustellen. Zur Vorbereitung wurden aus den Lochkarten des See 
wetteramts bisher die erforderlichen Daten für die Jahre 1957-62 übernom 
men, soweit nötig und möglich ergänzt, auf ein einheitliches Maßsystem um 
gerechnet und entsprechend dem neuen Zweck umgeordnet. 
c) Windstau- und Sturmflutwarndienst - Wie bisher wurde der Dienst unter 
wetterkundlicher Beratung durch den Deutschen Wetterdienst, Seewetteramt 
Hamburg, und unter Beteiligung mehrerer Wissenschaftler der Abteilung Mee 
reskunde durchgeführt. Der Norddeutsche Rundfunk Hamburg und der West 
deutsche Rundfunk Köln verbreiten regelmäßig die Vorhersage der Hochwasser 
stände an der deutschen Nordseeküste, bei Emden, Bremen und Hamburg auf der 
Mittelwelle anschließend an die Nachrichtensendungen um 08.55 Uhr und um 
21.30 Uhr. Radio Bremen bringt auf Mittel- und Ultrakurzwelle die Vorher 
sagen anschließend an die Nachrichtensendungen um 08.30 Uhr und 22.00 Uhr. 
Im Berichtsjahr traten Sturmfluten häufiger als im Mittel ein, besonders 
in den Monaten Oktober bis Dezember; die Sturmflut am 2.11.65 (Abb. 4) war die 
höchste seit der Katastrophenflut vom 16./17.2.62 und zählt zu den 15 
höchsten Sturmfluten, die seit 1841 vorgekommen sind. Im Jahre 1965 wurde 
über den Rundfunk 37mal "Sturmflutwarnung" und 4mal "Warnung an die Schiff-
	        
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