Geophysik und Astronomie
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GEOPHYSIK USD ASTRONOMIE
1. Gezeiten
a) Laufende Arbeiten und Veröffentlichungen - Die 'Gezeitentafeln für
das Jahr 1966", Band I: Europäische Gewässer, Band II: Atlantischer und
Indischer Ozean, Westküste Südamerikas, erschienen im August bzw, Juli.
Im Band I wurde der Teil III (Harmonische Gezeitenkonstanten) weggelassen,
der Teil I (Ausführliche Vorausberechnungen) um die Angaben für die Bezugs
orte Terschelling, St. Malo, Leith und Avonmouth erweitert. Der Band II
ist erweitert um Angaben für die Westküste Südamerikas mit den Bezugsorten
Balboa, Callao, Valparaiso und Puerto Montt. Die Kalender der "Hoch- und
Niedrigwasserzeiten für die Deutsche Bucht und deren Flußgebiete, 1966",
Gesamtausgabe und vier Teilausgaben, kamen im November 1965 heraus. Etwa
50 Privatverlage erwarben das Recht, Gezeitenvorausberechnungen in Tages
zeitungen und Kalendern abzudrucken. Die Druckvorlagen für die Gezeiten
tafeln 1967 waren am Jahresende zur Hälfte fertiggestellt.
Für die Pegel bei und oberhalb von Hamburg wurden die nonharmonischen
Gezeitengrundwerte neu bestimmt; aus ihnen folgen die im Teil II der Ge
zeitentafeln verzeichneten Gezeitenunterschiede. Insgesamt wurden 232 meist
über ein Jahr reichende Reihen beobachteter Hoch- und Niedrigwasserhöhen
oder -intervalle bearbeitet und aus 107 dieser Reihen die halbmonatlichen
(von der Mondphase oder genauer von der Kulminationszeit des Mondes abhän
gigen) Ungleichheiten durch Fourier-Analyse ermittelt.
Bei solchen Bearbeitungen ist es nötig, Beobachtungswerte, die vom Wet
ter stark gestört sind, vor der Analyse zu berichtigen oder zu eliminieren.
Das gilt besonders für die Pegel der sehr .seichten deutschen Gewässer. Es
wurden zulässige Streuungsgrenzen ermittelt, unter denen die halbmonatli
chen Ungleichheiten und die Gezeitengrundwerte sich möglichst unbeeinträch
tigt ergeben, und der Rechengang so angeordnet ist, daß er vollautomatisch
auf der Rechenanlage durchgeführt werden kann. Diese Methode eignet sich
besonders, um für ganze Flußgebiete die Grundwerte aller Pegel aus Diffe
renzen gegen einen Bezugspegel zu gewinnen; z.Z. wird das Verfahren an den
Pegeln der unteren Elbe erprobt.
Für neun Pegelorte sind die mittleren Spring- und Nipptidenkurven ermit
telt worden. Mit der Gezeitenrechenmaschine II wurden ausländische Aufträge,
die Gezeitenvorausberechnungen für Ekaterinskaja 1967 und Vorausberechnun
gen astronomischer Schwerestörungen für deutsche Stationen und für Fernan
do de Noronha ausgeführt, wo während der "Atlantischen Expedition 1965,
Meteor" gravimetrische Messungen vorgenommen wurden.