Jahresbericht Nr. 20/1965
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Schlämmanalyse außer der normalen Tonfraktion eine sehr feine Trübe übrig
blieb, die auch durch längeres Zentrifugieren bei etwa 4 000 U/Min, nicht
aus dem Wasser niedergeschlagen werden konnte. Bei einer Gesamttonfraktion
von 30$ liegt der Anteil dieser "Zentrifugentrübe" zwischen 4$ und 12$,
bezogen auf die Trockeneinwaage.
Im Berichtsjahr wurden Untersuchungen über den Anteil an amorpher Kie
selsäure in den Schlicken der Ostsee begonnen. Die mikroskopische Unter
suchung im Phasenkontrast ergab, daß in einzelnen Kernabschnitten Diato
meenschalen sehr stark angereichert sind. Diese Untersuchungen sind des
halb von besonderem Interesse, weil die amorphe Kieselsäure viel Wasser
adsorptiv bindet und hierdurch die physikalischen Eigenschaften der Sedi
mente stark beeinflußt werden.
Das aus der Deutschen Bucht vorliegende Material zur Bearbeitung der
Ökologie der benthonischen Foraminiferen ist aufbereitet. Die Untersuchun
gen werden fortgesetzt an Proben, die durch FPS "Anton Dohrn" im Herbst
1965 im nördlichen Teil des Europäischen Nordmeeres gewonnen worden sind.
6. Meereis
Der Winter 1964/65 an den Küsten der Bundesrepublik muß zur Kategorie
der mäßigen Eiswinter gerechnet werden. An der Nordseeküste wurde gerade
die Eissumme zwischen einem eisarmen und einem mäßigen Winter erreicht,
d.h, daß Eis nur in den inneren und mittleren Wattgebieten auftrat und die
großen Nordseezuflüsse nur schwaches Eis führten. An den Küsten der west
lichen Ostsee dagegen kam der Winter 1964/65 in bezug auf das Eis an den
Zentralwert heran. Es gab in der Ostsee seit 1896 fast ebenso viele eis-
reichere wie eisärmere Winter als es der Winter 1964/65 war. In der west
lichen Ostsee kam Eis nur in den Buchten und Förden vor, die See blieb
eisfrei. Der modernen Schiffahrt bieten Eiswinter dieser Art fast keine
Behinderungen.
Mit der Ausgabe der schriftlichen Eisberichte wurde am 30. Nov. 1964
begonnen, der letzte Bericht erschien am 21. Mai 1965. Innerhalb dieses
Zeitraumes wurden 119 Eisberichte und 44 Eisübersichtskarten veröffent
licht. Die Auflagezahl betrug 340 Stück. Es wurden 129 mündliche Eisaus
künfte gegeben und 9 schriftliche Gutachten ausgearbeitet.
Der Austausch von Eismeldungen mit den anderen Nord- und Ostseestaaten
über Funk und Fernschreiben verlief, wie in den Vorjahren, ohne Störungen.
Dem Deutschen Wetterdienst sei für die Fuhkaufnahme der Eismeldungen über
die Gewässer um Neufundland und Grönland auch an dieser Stelle besonders
gedankt.