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Full text: Jahresbericht 1965

- Seite 23 - 
Heuer Präsident des DHI 
heute hier anwesend ist. 
loh habe allen Anlaß dankbar dafür zu sein, daß nach dem Kriege der 
Deutsche Wetterdienst mir Arbeits- und Entwicklungsmöglichkeiten bot. Wenn 
mich heute etwas mit Wehmut erfüllt, dann ist es die Tatsache, daß ich aus 
diesem wohlorganisierten und von kollegialem Geist getragenen Dienst aus- 
scheiden muß. 
Sie, verehrter Herr Bundesminister, haben mir ein neues verantwortungs 
volles Amt übertragen, und ich danke Ihnen für das Vertrauen, das Sie da 
durch in mich gesetzt haben. Ich werde alle meine Kräfte nutzen, um dieses 
Vertrauen nicht zu enttäuschen. Die Arbeit des Deutschen Hydrographischen 
Instituts ist gleichermaßen gekennzeichnet durch eine stolze Tradition und 
große Aufgaben in Gegenwart und Zukunft. 
Es ist heute - fast auf den Tag genau - 100 Jahre her, daß auf der vom 
Dreien Deutschen Hochstift für Wissenschaft, Künste und Allgemeine Bildung 
einberufenen "Ersten Versammlung Deutscher Heister und Dreunde der Erdkun 
de" Dr. Georg Heumayer den Vorschlag machte, eine Deutsche Seewarte als 
zentrales Institut für die physikalischen Wissenschaften vom Meere zu grün 
den. Wir wissen, daß dieser Gedanke nicht schnell verwirklicht werden konn 
te. Drei Jahre (1868) später kam durch die Initiative der Handelskammern 
in Hamburg und Bremen eine Teillösung, die "Norddeutsche Seewarte", zu 
stande und erst 10 Jahre danach erstand hier in Hamburg eine "Deutsche 
Seewarte" als Reichsinstitut mit Dr. Neumayer als erstem Direktor. Die wei 
tere Entwicklung der Seewarte im Dienste der Schiffahrt war - trotz mancher 
organisatorischer Veränderungen - so erfolgreich, daß dieses Institut auch 
heute noch, obwohl es im Jahre 1946 aufhörte zu existieren, im In- und Aus 
lande unvergessen ist. Das Deutsche Hydrographische Institut hat an diese 
Tradition anknüpfen können und dazu beigetragen, daß diese Wertschätzung 
deutscher ozeanographischer Arbeit erhalten geblieben ist. Ich habe dies 
in den USA wiederholt mit Stolz und Preude feststellen können. Wir sind 
aber nicht nur treue Verwalter eines großen Erbes! Vor uns liegen große 
Aufgaben! 
Die wissenschaftlichen Probleme der Meereskunde sind so zahlreich und 
gewaltig, daß wir trotz aller Anstrengungen der Ozeanographie bisher nur 
sehr unvollkommene Kenntnis von den Naturvorgängen im Meere haben. 
Wir erleben ferner zur Zeit eine technologische Revolution, von der 
auch die Wissenschaft vom Meere betroffen wird. Auch bei ihr gilt es, alle 
Routinedienste, insbesondere das Sammeln und Auswerten von Naturbeobachtun 
gen zu automatisieren, damit Kräfte frei werden für die vor uns liegenden 
wichtigen Aufgaben der synoptischen Analyse und quantitativen Prognose der
	        
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