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Heuer Präsident des DHI
heute hier anwesend ist.
loh habe allen Anlaß dankbar dafür zu sein, daß nach dem Kriege der
Deutsche Wetterdienst mir Arbeits- und Entwicklungsmöglichkeiten bot. Wenn
mich heute etwas mit Wehmut erfüllt, dann ist es die Tatsache, daß ich aus
diesem wohlorganisierten und von kollegialem Geist getragenen Dienst aus-
scheiden muß.
Sie, verehrter Herr Bundesminister, haben mir ein neues verantwortungs
volles Amt übertragen, und ich danke Ihnen für das Vertrauen, das Sie da
durch in mich gesetzt haben. Ich werde alle meine Kräfte nutzen, um dieses
Vertrauen nicht zu enttäuschen. Die Arbeit des Deutschen Hydrographischen
Instituts ist gleichermaßen gekennzeichnet durch eine stolze Tradition und
große Aufgaben in Gegenwart und Zukunft.
Es ist heute - fast auf den Tag genau - 100 Jahre her, daß auf der vom
Dreien Deutschen Hochstift für Wissenschaft, Künste und Allgemeine Bildung
einberufenen "Ersten Versammlung Deutscher Heister und Dreunde der Erdkun
de" Dr. Georg Heumayer den Vorschlag machte, eine Deutsche Seewarte als
zentrales Institut für die physikalischen Wissenschaften vom Meere zu grün
den. Wir wissen, daß dieser Gedanke nicht schnell verwirklicht werden konn
te. Drei Jahre (1868) später kam durch die Initiative der Handelskammern
in Hamburg und Bremen eine Teillösung, die "Norddeutsche Seewarte", zu
stande und erst 10 Jahre danach erstand hier in Hamburg eine "Deutsche
Seewarte" als Reichsinstitut mit Dr. Neumayer als erstem Direktor. Die wei
tere Entwicklung der Seewarte im Dienste der Schiffahrt war - trotz mancher
organisatorischer Veränderungen - so erfolgreich, daß dieses Institut auch
heute noch, obwohl es im Jahre 1946 aufhörte zu existieren, im In- und Aus
lande unvergessen ist. Das Deutsche Hydrographische Institut hat an diese
Tradition anknüpfen können und dazu beigetragen, daß diese Wertschätzung
deutscher ozeanographischer Arbeit erhalten geblieben ist. Ich habe dies
in den USA wiederholt mit Stolz und Preude feststellen können. Wir sind
aber nicht nur treue Verwalter eines großen Erbes! Vor uns liegen große
Aufgaben!
Die wissenschaftlichen Probleme der Meereskunde sind so zahlreich und
gewaltig, daß wir trotz aller Anstrengungen der Ozeanographie bisher nur
sehr unvollkommene Kenntnis von den Naturvorgängen im Meere haben.
Wir erleben ferner zur Zeit eine technologische Revolution, von der
auch die Wissenschaft vom Meere betroffen wird. Auch bei ihr gilt es, alle
Routinedienste, insbesondere das Sammeln und Auswerten von Naturbeobachtun
gen zu automatisieren, damit Kräfte frei werden für die vor uns liegenden
wichtigen Aufgaben der synoptischen Analyse und quantitativen Prognose der