Mey, A.: Die Wetterwarte Königsberg i. Pr.
in einzelnen Gegenden Europas und der europäischen Gewässer geherrscht hat,
auszufertigen. ;
Schließlich ist die Wetterwarte in der Lage, bei der Planung wirtschaft-
licher Anlagen, die von den Witterungsvorgängen (Wind, Niederschlagsmengen,
Temperaturen) abhängig sind, Gutachten über die mittleren klimatischen Ver-
hältnisse der Provinz zu geben. Die Ausnutzung des Windes für Krafterzeugung
ist z. B. ein wesentliches Wirtschaftsproblem. Der Techniker, der die Aufgabe
hat, Windmotoren zu schaffen, die schon bei geringen Windgeschwindigkeiten
gute Leistungen ergeben, stellt an den Meteorologen die Frage, ob die nutzbaren
Windgeschwindigkeiten — das sind jetzt schon alle Winde von mehr als vier
Sekundenmetern — in der fraglichen Gegend in ausreichendem Maße vorhanden
sind, um einen genügend stetigen Betrieb der Krafterzeugung zu gewährleisten,
er fragt, wie lang und wie häufig Stillenperioden sind, welches die mittleren und
größten Windgeschwindigkeiten sind, denn danach müssen sich die Ausmaße der
Anlage richten, um die beste Wirtschaftlichkeit zu erlangen. Für die Beant-
wortung solcher Fragen sind die an sich zahlreichen, aber auf Schätzung
beruhenden und nur dreimal am Tage gemachten Windbeobachtungen der Pro-
vinz leider nur in beschränktem Maße brauchbar. Anders lassen sich die fort-
laufenden Aufzeichnungen eines selbstschreibenden Windmessers auswerten, der
seit fast zwei Jahren bei der Wetterwarte aufgestellt ist, sie geben die mittlere
Windgeschwindigkeit für jede Stunde, Werte, die zur Beantwortung aller ein-
schlägigen Fragen wesentlich geeigneter sind.
5. Künftige Aufgaben. Infolge der finanziellen Nöte war es leider unmög-
lich, die nach dem Kriege im Ostseebad Cranz bei Königsberg eingerichtete
Drachenwarte in Betrieb zu erhalten, sie mußte schon im Jahre 1923 stillgelegt
und im Frühjahr 1924 aufgelöst werden. Die Aufgaben der Drachenwarte, so-
weit sie unmittelbar dem Flugverkehr zugute kommen, d.h. die Messungen der
Windverhältnisse in den höheren Luftschichten mittels Visierung von Pilot-
ballonen, werden bereits seit der Stilllegung der Drachenwarte von der Wetter-
warte weitergeführt. Es ist aber sehr wichtig, im nordöstlichen Deutschland
möglichst bald wieder Messungen von Luftdruck, Temperatur und Feuchtigkeits-
gehalt in der Höhe auszuführen, denn diese Angaben liefern uns erst ein Bild
der vertikalen Luftschichtungen, deren Kenntnis für die Sicherung der Wetter-
vorhersage nach den neueren Forschungen über die Entwicklung der Witterungs-
erscheinungen von großer Bedeutung ist. Die räumliche Verbindung der Wetter-
warte mit dem Flugplatze weist mit zwingender Kraft darauf hin, in absehbarer
Zeit regelmäßige meteorologische Flüge einzurichten, deren billige Durchführ-
barkeit bei dem heutigen Entwicklungsstande der Kleinflugzeuge wesentlich
näher gerückt erscheint. Die Wetterwarte hat die Meßinstrumente und die Apparate
zu deren Eichung und Prüfung von der Drachenwarte Cranz übernommen und
geht jetzt daran, Einrichtungen zu treffen, die es erlauben, zunächst unter frei-
williger Mitwirkung von auf dem Flugplatze stationierten Kleinflugzeugen
wenigstens gelegentliche Wetterflüge auszuführen, bis in günstigeren Zeiten der
Ausbau einer Wetterflugwarte sich wird ermöglichen lassen.
Die Notwendigkeit für die Wetterwarte, auch auf aerologischem Gebiete
möglichst leistungsfähig zu sein, zeigte sich besonders auch bei den Anforderungen,
die an sie anläßlich der beiden Küstensegelflug-Wettbewerbe in Rossitten 1923
und 1924 gestellt. wurden. Die Wetterwarte konnte auch schon bei diesen Ver-
anstaltungen Arbeiten durchführen, die der Erforschung der für den Segelflug
erforderlichen Aufwinde dienen. Der erste deutsche Kleinflugzeug-Wettbewerb,
der im Anschluß an die diesjährige Küstensegelflug-Veranstaltung stattfand,
erbrachte auch den Beweis, daß genaue Wertungen der Leistungsfähigkeit dieses
in aussichtsreichster Entwicklung stehenden Luftverkehrsmittels nur durchführbar
sind, wenn die physikalischen Verhältnisse der in Frage kommenden Luftschichten
genau bekannt sind, denn die Leistungen der Motore sind abhängig von der
Dichte der Luftschicht, in der das Flugzeug sich bewegt, und diese läßt sich nur
bei Kenntnis der vertikalen Druck-, Temperatur- und Feuchtigkeitsverteilung
genügend genau bestimmen.
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