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Full text: Jahresbericht 1966

Probleme des deutschen Seekartenwerkes 
Seite 21 
Ausblick 
Aus den bisherigen Ausführungen ist ersichtlich, wie sich das deutsche 
Seekartenwesen entwickelt hat und vor welchen Problemen es zur Zeit steht. 
Eine äußerst wichtige Rolle spielte und spielt hierbei das XHB in Monaco 
als Koordinator und Austauschzentrale von Informationen. Eine große Aufgabe 
gilt es jedoch noch zu lösen: Das Welt-Seekartenwerk, das die Ozeane, die 
Küsten und die Häfen bis in ihre fernsten Winkel einheitlich erfaßt und 
darstellt. 
Seit dem Beginn der nationalen Seekartenwerke hat jedes Land sein See 
kartenwerk in dem Umfang aufgebaut, der für seine nationale Schiffahrt 
notwendig war. Die USA als das Land mit der größten Schiffstonnage verfü 
gen über ein weltweites Seekartenwerk. England liegt hinsichtlich der 
Tonnage und dem Umfang des Seekartenwerkes an zweiter Stelle, gefolgt von 
Frankreich, Japan, Deutschland, wobei hier schon die Tonnage mit dem Um 
fang des Seekartenwerkes nicht mehr harmoniert. 
Die Seekartenwerke der einzelnen Länder haben sich also geschichtlich 
entwickelt nach einem nationalen Bedarf; man mußte früher auf dem See 
kartensektor autark sein. In der heutigen Zeit der verstärkten internatio 
nalen Zusammenarbeit könnte viel Doppelarbeit vermieden werden, wenn von 
einem bestimmten Gebiet der Ozeane nicht mehrere nationale, sondern 
eine internationale Seekarte und zwar von der Nation, die die Original 
vermessung ausgeführt hat, herausgegeben würde. Allerdings spricht gegen 
diese Regelung z.Zt. noch die Tatsache, daß das metrische System und das 
Baden-Euß-System der USA, Großbritanniens und Kanadas nebeneinander existie 
ren. Großbritannien will im Jahre 1971 das metrische System einführen,und 
es besteht die Hoffnung, daß auch die USA und Kanada einmal zum metrischen 
System übergehen werden. 
Das Ziel, das vorläufig noch wie ein schwer erreichbarer Gipfel vor uns 
liegt, ist das Welt-Seekartenwerk, in dem jede Nation einen ganz bestimm 
ten regional abgegrenzten Bezirk zu bearbeiten hat, 'in dem der betreffen 
de hydrographische Dienst für die Vermessung und die Seekartenherstellung 
nach einheitlichen Richtlinien zuständig ist. Dieses Welt-Seekartenwerk 
würde weniger als 5 000 verschiedene Seekarten umfassen, statt der jetzt 
vorhandenen 17 000 nationalen Seekarten. Wenn man diese beiden Zahlen 
gegenüberstellt, muß man zu der Überzeugung kommen, daß es sich hierbei 
um eine wichtige und lohnende Aufgabe handelt. 
Um die Diskussion über dieses Thema in Gang zu bringen, soll auf der 
nächsten hydrographischen Konferenz in Monaco von Erankreich ein erster 
Schritt in Richtung auf eine Internationalisierung der Seekartenwerke
	        
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