Probleme des deutschen Seekartenwerkes
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Ausblick
Aus den bisherigen Ausführungen ist ersichtlich, wie sich das deutsche
Seekartenwesen entwickelt hat und vor welchen Problemen es zur Zeit steht.
Eine äußerst wichtige Rolle spielte und spielt hierbei das XHB in Monaco
als Koordinator und Austauschzentrale von Informationen. Eine große Aufgabe
gilt es jedoch noch zu lösen: Das Welt-Seekartenwerk, das die Ozeane, die
Küsten und die Häfen bis in ihre fernsten Winkel einheitlich erfaßt und
darstellt.
Seit dem Beginn der nationalen Seekartenwerke hat jedes Land sein See
kartenwerk in dem Umfang aufgebaut, der für seine nationale Schiffahrt
notwendig war. Die USA als das Land mit der größten Schiffstonnage verfü
gen über ein weltweites Seekartenwerk. England liegt hinsichtlich der
Tonnage und dem Umfang des Seekartenwerkes an zweiter Stelle, gefolgt von
Frankreich, Japan, Deutschland, wobei hier schon die Tonnage mit dem Um
fang des Seekartenwerkes nicht mehr harmoniert.
Die Seekartenwerke der einzelnen Länder haben sich also geschichtlich
entwickelt nach einem nationalen Bedarf; man mußte früher auf dem See
kartensektor autark sein. In der heutigen Zeit der verstärkten internatio
nalen Zusammenarbeit könnte viel Doppelarbeit vermieden werden, wenn von
einem bestimmten Gebiet der Ozeane nicht mehrere nationale, sondern
eine internationale Seekarte und zwar von der Nation, die die Original
vermessung ausgeführt hat, herausgegeben würde. Allerdings spricht gegen
diese Regelung z.Zt. noch die Tatsache, daß das metrische System und das
Baden-Euß-System der USA, Großbritanniens und Kanadas nebeneinander existie
ren. Großbritannien will im Jahre 1971 das metrische System einführen,und
es besteht die Hoffnung, daß auch die USA und Kanada einmal zum metrischen
System übergehen werden.
Das Ziel, das vorläufig noch wie ein schwer erreichbarer Gipfel vor uns
liegt, ist das Welt-Seekartenwerk, in dem jede Nation einen ganz bestimm
ten regional abgegrenzten Bezirk zu bearbeiten hat, 'in dem der betreffen
de hydrographische Dienst für die Vermessung und die Seekartenherstellung
nach einheitlichen Richtlinien zuständig ist. Dieses Welt-Seekartenwerk
würde weniger als 5 000 verschiedene Seekarten umfassen, statt der jetzt
vorhandenen 17 000 nationalen Seekarten. Wenn man diese beiden Zahlen
gegenüberstellt, muß man zu der Überzeugung kommen, daß es sich hierbei
um eine wichtige und lohnende Aufgabe handelt.
Um die Diskussion über dieses Thema in Gang zu bringen, soll auf der
nächsten hydrographischen Konferenz in Monaco von Erankreich ein erster
Schritt in Richtung auf eine Internationalisierung der Seekartenwerke