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Full text : Jahresbericht 1967

E.  Engelenburg,  C.  I.:  Aerodynamische  Theorie  der  Gewitter.

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Die  so  regelmässige  Form  der  die  Gewitter  begleitenden  Depressionen  zeigt  sich  namentlich  in  denjenigen
Karten,  die  sich  auf  die  tieferen  Schichten  der  Atmosphäre  beziehen.“
Aus  diesen  und  den  übrigen  Aeusserungen  Ferrarrs  geht  hervor,  wie  er  die  kleinen  Depressionen
als  in  der  That  in  gewissen  Augenblicken  vorhanden  erachtet  und  wie  er  diese  als  den  eigentlichen  Sitz
des  Gewitters  betrachtet.  Unseres  Erachtens  sind  die  tiefen  Barometerstände  nie  zur  selben  Zeit  über  das
ellipseförmige  Terrain  anwesend,  wie  die  gänzliche  Abwesenheit  eines  konvergirenden  Windsystems,  wie
schwach  denn  auch,  anzeigt.
Die  sogenannte  Gewitter-Depression  ist  nur  scheinbar  als  solche  vorhanden,  es  ist  die  von  dem  Wirbel
verursachte  und  ihm  unmittelbar  vorangehende  Luftverdünnung,  welche  stellenweise  wie  ein  schmales  Band
einigen  Wirbeltheilen  voranschreitet,  und  indem  dieses  Band  sich  in  der  Breiterichtung  des  Gewitters
erst  verlängert  und  dann  wieder  eiuschrumpft,  beschreibt  es  während  des  Fortschreitens  eine  ellipseförmige
Kurve,  welche  eine  elliptische  Depression  verursachen  würde,  wenn  nicht  diese  Druckvertheilung  sofort  von
der  Wirbelung  verstört  würde.  Die  von  dem  Wirbel  verursachte  Druckstufe  bleibt  jedoch  kurze  Zeit  vorhanden, ­
  sie  geht  erst  allmählich  bei  dem  Weiterziehen  des  Wirbels  verloren.  Der  höhere  Druck  ist  also
gleichzeitig  über  der  vom  Gewitter  durchzogenen  Gegend  bemerkbar,  und  zwar  in  Folge  beschriebenen  Anwachsens, ­
  Zerplatzens  und  Abnahme  der  Wirbelung  über  einem  linsenförmigen  Terrain.  Die  plötzliche
Temperatur-  und  Feuchtigkeits-Aenderung  ist  über  die  ganze  Länge  des  Wirbels  vorhanden,  und  müssen
auch  diese  wie  die  Druckänderung  stellenweise  an  dem  Wirbel  grösser  sein,  wo  die  Wirbel-Intensität  intentiver
  ist,  und  weil  letztere  allmählich  wächst  und  ziemlich  schnell  sich  vermindert,  sind  auch  hinter  dem
Wirbel  linsenförmige  Gegenden  grösserer  Temperatur-Erniedrigung  und  grösserer  Feuchtigkeitsumschläge
vorhanden,  zusammenfallend  mit  dem  ähnlich  gestalteten  Druckterrain.
Die  kräftigsten  und  auffallendsten  der  hier  besprochenen  Erscheinungen  waren  anfangs  bekannt  unter
dem  Satze:  Mit  dem  Losbrechen  des  Gewitters  steigt  plötzlich  der  Luftdruck  und  fällt  die  Temperatur;  mit
anderen  Worten  sagt  von  Bezold:'")  „Der  vordere  Band  des  Gewitters  scheidet  ein  Gebiet  höheren
Druckes  scharf  von  einem  solchen  niedrigeren  Druckes  und  ebenso  ein  Gebiet  niedrigerer  Temperatur  von
einem  solchen  mit  höherer.“
Ferrari 92 )  stellte  anfangs  als  Resultat  seiner  Untersuchungen  den  Satz  auf:  „Jedes  Gewitter  ist
immer  mit  einer  barometrischen,  hygrometrischen  und  thermischen  Depression  verbunden;  es  befindet  sich
immer  in  dem  hinteren  Theile  der  zwei  ersten  und  in  dem  vorderen  der  dritten.  Alle  drei  Depressionen,
besonders  aber  die  beiden  letzteren  sind  mit  betreffenden  Maxima  im  Zusammenhang,  welche  hinter  der
barometrischen  und  hygrometrischen  Depression  und  vor  der  thermometrischen  gelegen  sind.“
Später 83 )  setzte  Ferrari  noch  die  elliptische  Gestalt  und  den  senkrechten  Stand  zur  Gewitterrichtung
dieser  Depressionen  hinzu.
Im  Anschluss  an  die  hier  vorgeführte  Wirbeltheorie  wäre  es  besser,  statt  letzterer  von  Bezold’s
Resultat  folgenden  Zusatz  zu  geben.  In  jedem  Gewitter  sind  Isochronen  vorhanden,  hinter  welchen  lokal
an  einer  oder,  bei  grösseren  Frontbreiten,  an  mehreren  Stellen  eine  linsenförmige,  noch  grössere  Temperatur-Depression
  vorkommt,  dessen  grosse  Achse  senkrecht  zur  Bewegungsrichtung  steht;  es  fallen  diese  Terrains
mit  ähnlich  gestalteten  zusammen,  wo  Luftdruck  und  relative  Feuchtigkeit  grösser  sind  als  in  der  Umgebung.
Diese  Isochronen  würden  an  denselben  Stellen,  jedoch  an  ihrer  Vorderseite,  Gegenden  von  linsenförmiger
Gestalt  andeuten,  wo  jedoch  die  Temperatur  höher,  der  Luftdruck  und  die  relative  Feuchtigkeit  niedriger
als  in  der  Umgebung  ist,  wenn  nicht  diese  dem  herannahenden  Wirbel  vorangehenden  Erscheinungen  unmittelbar ­
  von  dem  überziehenden  Wirbel  in  den  entgegengesetzten  übergeführt  worden  wären.
Einige  Momentbilder  des  Gewitters,  auf  der  Erde  projizirt,  können  an  ihrer  Hinterseite  von  diesen
linsenförmigen  Gegenden  begleitet  sein.  Vorne  sind  die  Erscheinungen  nur  in  einem  in  der  Frontlichtung
ziemlich  breiten,  in  der  Bewegungsrichtung  jedoch  wenig  tiefen  Strich  vorhanden.
Der  Sitz  der  ganzen  Erscheinung  ist  der  horizontale  Wirbel  in  geringer  Höhe  über  der  Erdoberfläche,
hier  müssen  also  die  Luftdruck-  und  Temperatur-Aenderungen  am  grössten  sein.  Diese  aus  unserer  Theorie
unmittelbar  horvorgeliende  Folgerung  ist  thatsächlich  von  Ferrari  bewiesen. 94 )  Er  hat  das  Verdienst,  mit
Hilfe  der  Beobachtungen  von  den  österreichischen,  schweizerischen  und  italienischen  Alpenstationen  im  Zusammenhänge ­
  mit  denen  aus  dem  Po-Thale  das  hier  besprochene  Gesetz,  welches  nur  für  die  Erdoberfläche
gültig  war,  auch  für  höhere  Schichten  nachgewiesen  zu  haben.
            
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