Jahresbericht Nr. 22/196?
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von besonders änderungsanfälligen Details möglichst frei zu halten, was vor
allem dann angebracht ist, wenn solche Details auch aus der Seekarte, dem
Leuchtfeuerverzeichnis oder dem Nautischen Funkdienst zu ersehen sind.
Das Quellenmaterial für die Abfassung' der Seebüclier fallt zum größten
Teil in fremdsprachigen Büchern und Zeitschriften an, so daß alle Sachbear
beiter der Nautischen Abteilung Kenntnisse in mehreren Fremdsprachen besit
zen müssen, um die Texte lesen zu können. Außer den Veröffentlichungen von
rund 50 hydrographischen Diensten, die dem DHI im internationalen Tauschver
kehr zugehen, wird für die Bearbeitung unserer Seebücher auch ausländische
Fachliteratur ausgewertet, die von der Bibliothek des DHI zur Verfügung ge
stellt wird. Eine besondere Erwähnung verdienen schließlich die Berichte von
deutschen Schiffen über beobachtete Veränderungen in Fahrwassern und Häfen,
an Seezeichen, beim Lotsdienst u.s.w., die oft vor den amtlichen Benachrich
tigungen eintreffen und von besonderem Wert sind, wenn sie die Küsten jun
ger Entwicklungsländer betreffen, deren hydrographische Dienste noch nicht
sehr leistungsfähig sind. Auf Grund des guten Kontaktes, den die Nautische
Abteilung mit den Schiffsleitungen und Reedereien pflegt, gehen jährlich
etwa 900 solcher Berichte ein, von denen die meisten von deutschen Handels
schiffen, einige aber auch von der Bundesmarine, von der Hochseefischerei
und von seegehenden Jachten kommen.
Für die redaktionelle Bearbeitung der Seebücher benötigt die Nautische
Abteilung Fachkräfte, die als eine wichtige Voraussetzung für ihre Tätig
keit nautische Erfahrungen mitbringen müssen, die sie in verantwortlicher
Stellung an Bord erworben haben. Darüberhinaus aber benötigen sie ein über
durchschnittliches nautisches Fachwissen, das etwa dem der nautischen Lehrer
an den Seefahrtschulen entsprechen sollte, dazu die Kenntnis mehrerer Fremd
sprachen und vor allem Sicherheit und Gewandtheit im schriftlichen Gebrauch
der deutschen Sprache. Letzteres erscheint deshalb wichtig, weil die Seebü
cher und die "Nachrichten für Seefahrer" nicht nur an Bord unserer Schiffe
benutzt werden, sondern im internationalen Austausch auch zu den hydrogra
phischen Ämtern vieler fremder Staaten gehen; sie werden.dort ausgewertet
und legen gleichzeitig Zeugnis ab für die zivilisatorische Arbeit, die in
deutscher Sprache auf nautisch-hydrographischem Gebiet geleistet wird.
Um das Seebücherwerk in seinem gegenwärtigen Umfang auf dem erforderli
chen Niveau fortzuführen und den sich wandelnden Bedürfnissen der Schiff
fahrt anzupassen, reicht der Personalbestand der Nautischen Abteilung nicht
aus. Das wurde erneut am 23* September 1966 auf der 22. Sitzung des Aus
schusses des Seeverkehrsbeirates für die Angelegenheiten des DHI festge
stellt und in einer Entschließung zum Ausdruck gebracht, die folgenderinaßen
endet: