Eingänge von meteorologischen Journalen etc., April 1884.
Während der Zeit, in welcher „Hedwig“ die erforderliche Länge zurück-
legte, erreichte sie als südlichsten Punkt am 18. Juli 44° S-Br in 60° O-Lg.
Die angetroffenen Winde waren meist westliche und nördliche, doch wurden
auch Ostwinde beobachtet. Unter den im Ganzen nicht häufigen und schweren
Stürmen, welche die Fahrt beunruhigten, waren die am 19. und am 21. Juli
wehenden die heftigsten. Während beider Stürme blitzte es, beide begannen
aus hoch nördlicher Richtung und endeten aus W. Während des ersteren, der
unweit 44° S-Br in 62° O-Lg wehte, erreichte der Luftdruck einen niedrigsten
Stand von 742,3 mm; dagegen wurde während der Dauer des zweiten in der
Nähe von 42,5° S-Br und 71° O-Lg ein tiefster Barometerstand von 750 mm
abgelesen. Am 24. Juli, 22 Tage später als westliche Länge verlassen worden
war, erreichte „Hedwig“ in 41,3° S-Br den Meridian von 80° Ost. Auf dem
Wege zum Passatgebiet wurden zubächst ebenfalls meist westliche und nördliche
Winde angetroffen, bei denen sich ein befriedigend rascher Fortschritt erzielen
liefs. Unweit 31,5° S-Br nahm der Wind südwestliche Richtung an, und indem
er sich dann während der nächsten Tage weiter nach links veränderte, entstand
aus ihm schliefslich der Passat, ohne dafs vorher irgend eine Störung eintrat.
In etwa 27,8° S-Br und 104° O-Lg; wo die Windrichtung am 2. August eine
südöstliche wurde, schien die polare Passatgrenze zu liegen. Von dem his
nach 9° S-Br hin recht kräftig und beständig wehenden Passat wurde die Bark
bis zum 10. August zur Sunda-Strafse geführt. Um zu derselben von 50° N-Br
her zu gelangen, waren 99 Tage erforderlich gewesen. Auf dem letzten Reise-
abschnitt hatte sie: 30° S-Br in 102,5° O-Lg am 1. August, 20° S-Br in 105,5°
O-Lg am 4. August und 10° S-Br in 105,5° O-Lg am 7. August geschnitten.
Am 9. November, als das von Pasoeroean am 27. Oktober in See ge-
gangene, nach einem englischen Orderhafen bestimmte Schiff sich in 10,5° S-Br
und 113° O-Lg befand, begann man an Bord desselben wieder mit der Führung
des meteorologischen Journals. Der dort damals wehende frische SE-Passat
begünstigte dio Reise zunächst für längere Zeit. Südlich von 21° S-Br verlor
derselbe seine Stärke, und in geringer Entfernung von 25° S-Br und 67° O-Lg
lag am 27. November die polare Passatgrenze. Als dort der ganz schwach
gewordene Wind sich nach NE veränderte, zeigte das Barometer auf einen
Stand von 763,0 mm. Unweit 21,5° S-Br in 78,5° O-Lg war ein höchster Stand
von 767,0 mm beobachtet worden. Südlich vom Passatgebiet vollendete der Wind
mehrere unregelmäfsig verlaufende Drehungen nach links, während welcher sich
derselbe nur für kurze Zeit im westlichen Halbkreise hielt. In geringer Ent-
fernung von 365° S-Br in 22,5° O-Lg veränderte sich der Wind am 19. De-
zember von SE nach S, und indem derselbe am nächsten Tage auffrischte,
überschritt „Hedwig“ bei ihm die Länge der Kapstadt. Am 22. und 23. De-
zember erlebte die Bark unweit 35,5° S-Br in 17,5° O-Lg den ersten Sturm.
Derselbe wehte aus westlicher und nordwestlicher Richtung und war von einem
niedrigsten Barometerstande von 750,6 mm begleitet. Von dem sich am 26. De-
zember einstellenden frischen Südwinde wurde „Hedwig“ bis zum 28. Dezember
zu dem in 7,8° O-Lg überschrittenen Parallel von 30° S geführt. . Ks waren
dann 18 Tage verflossen, seit man dieselbe Breite im Indischen Ocean verlassen
hatte. Während der Fahrt über dieses Meer war: 20° S-Br in 83,5° 0-Lg am
19. November und 30° S-Br in 44,5° O-Lg am 10. Dezember, wie 90° O-Lg
in 18,2° S-Br am 17. November, 60° O-Lg in 27,4° S-Br am 2. Dezember und
30° O-Lg in 33,7° S-Br am 16. Dezember gekreuzt worden. ;
Aus dem kräftigen Südwinde, bei welchem „Hedwig“ 30° S-Br wieder
überschritt, entwickelte sich einen Tag später der SE-Passat, ohne dafs vorher
Störung irgend welcher Art beobachtet wurde. Unweit 29° S-Br, wo der Wind
südöstliche Richtung annahm, zeigte das Barometer auf einen höchsten Stand
von 768,2 mm. Von dem später nur in mäfsiger Stärke wehenden SE-Passat
wurde „Hedwig“ bis zum 17. Januar 1883 zu der in 22° W-Lg überschrittenen
Linie geführt. Um zu derselben von 30° S-Br zu gelangen, waren 20 Tage
erforderlich gewesen, Während derselben hatte man: 20° S-Br in 3,2° W-Lg
am 4. Januar und 10° S-Br in 12,7° W-Lg am 10. Januar gekreuzt. Am
6. Januar hatte sich die Bark in Sicht von St. Helena und am 11. Januar im
Sieht von Ascension befunden.
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