Geophysik und Astronomie
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an die Radarleitzentrale Cuxhaven übermittelt. Diese Einrichtung hat sich während
der Perioden mit besonders niedrigen Wasserständen gut bewährt. Der Auskunfts
dienst für den Hamburger Raum wird bei Sturmfluten wesentlich entlastet durch
den Fernsprechansagedienst der Deutschen Bundespost (Rufnummer Hamburg
11 55). Der Geophysikalische Beratungsdienst der Bundeswehr sowie die Wetter
ämter Bremen und Schleswig erhielten wie vereinbart fernschriftlich Warnungen
und Vorhersagen.
b) Besondere Arbeiten
Halbmonatige Hochseepegel-Beobachtungen an 9 Meßstellen der Deutschen Bucht
ergänzten die bisher gewonnenen Beobachtungsreihen. Vom Hydrographischen
Dienst der Niederlande gingen Beobachtungen von 41 weiteren Stationen der
westlich anschließenden Gebiete ein. Insgesamt lagen damit bis Ende des Jahres
Gezeitenbeobachtungen von 152 Positionen der Nordsee südlich von 56° vor,
größtenteils waren sie auch reduziert, harmonisch analysiert, und die wichtigsten
nonharmonischen Grundwerte bestimmt.
Anschließend sollen für die Deutsche Bucht planquadratweise mittlere Spring- und
Nipptidenkurven bestimmt werden. Mittels dieser Kurven wird es künftig bei der
Seevermessung möglich sein, die Lotungen genauer zu beschicken, als es nach
den Aufzeichnungen der Küstenpegel sowie der Hochwasser-Zeitunterschiede und
dem Verhältnis der Springtidenhübe allein möglich ist. Das wurde insbesondere
bei der Aufgabe erprobt, während der Seegangsuntersuchungen der Abteilung
Meereskunde für 4 Meßstellen in See stündliche Wasserstände über drei Wochen
vorauszuberechnen.
An Hand der Wasserstandsbeobachtungen, die dem Windstau- und Sturmflut
warndienst von der Ostküste Großbritanniens durch den britischen Storm Surge
Warning Service zugingen, ließen sich Fernwellen, die von außen in die Nordsee
eindringen, und freie Schwingungen unterscheiden. Die Untersuchungen werden
fortgesetzt.
Anläßlich der Erkundigung einer Reederei wurde nach 126jährigen Beobachtungen
von Cuxhaven ermittelt, wie häufig stark erniedrigte Niedrigwasser Vorkommen.
Niedrigwasser von 0,75 m und mehr unter dem mittleren Niedrigwasser treten
z. B. am häufigsten im Januar, und zwar bis zu achtmal hintereinander, auf.
2. Navigationsverfahren
Das Nautische Jahrbuch 1970 erschien Mitte des Jahres in einer Auflage von
4200 Exemplaren. Die Druckvorlage für den Jahrgang 1971 war am Jahresende
fertiggestellt. Vom Jahrgang 1973 an soll die Druckvorlage des Nautischen Jahr
buchs vollautomatisch von der Rechenanlage hergesteilt werden. Die dazu erfor
derlichen Unterlagen werden das U.S. Naval Observatory, Washington, D.C., das
Nautical Almanac Office, Herstmonceux, und das Astronomische Recheninstitut,
Heidelberg, in maschinenlesbarer Form zur Verfügung stellen. Für den Fischerei-
Almanach wurden Sonnen- und Mondephemeriden umgerechnet, für den Gezeiten
kalender, die Wetterkarten des Seewetteramts und weiterer Wetterämter sowie
Tageszeitung und Kalender die Auf- und Untergangszeiten von Sonne und Mond
ermittelt. Zahlreiche Stellen erhielten auf Anfrage Auskünfte über die Stellung der
Sonne bzw. des Mondes und über Helligkeitsverhältnisse. — Wie in den Vorjahren