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Full text: Jahresbericht 1969

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24. Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1969 
wasser mit 12 t Arsen, jährlich 25000 m 3 Schweinegülle, jährlich 3000 m 3 Abwasser 
mit 4 Prozent Natriumsulfid, 6 Prozent Natronlauge, 3 Prozent Merkaptan und 
1 Prozent Phenol, mehrmals im Jahr 20 t Parathion („E 605“), monatlich 1500 t 
ausgefaulter Klärschlamm, monatlich 1000 t Eisenvitriol. In den angefertigten Gut 
achten wurde die Frage beantwortet, ob, an welcher Stelle und unter welchen 
Bedingungen die Abfallstoffe ins Meer eingebracht werden dürfen. Für einige 
Gutachten waren umfangreiche Laborversuche erforderlich. 
Arbeiten auf See — Das bei Nordenham an der Wesermündung errichtete Titan 
dioxid-Werk hat im Mai 1969 die Produktion aufgenommen. Die Abfälle dieses 
Werkes werden mit Spezial-Tankschiffen in ein 12 bis 17 Seemeilen nordwestlich 
von Helgoland gelegenes Gebiet transportiert und dort in das Schraubenwasser 
der Tankschiffe eingeleitet. Es handelt sich um täglich 1800 t Abwässer mit 
10 Gew.-Prozent Schwefelsäure und 14 Gew.-Prozent Eisensulfat. Um festzustel 
len, ob durch die Abwässer irgendwelche Schäden im Meer entstehen können, 
wurden mit dem VFS „Gauß“ zwei Fahrten unternommen, und zwar die erste im 
Mai, die zweite im Oktober/November 1969. Die wichtigsten Ergebnisse dieser 
Fahrten sind: 
1. Die Primärverdünnung der Abwässer im Schraubenwasser der Säuretanker lag 
bei 1:1000. 
2. Die Sekundärverdünnung des Schraubenwasser mit unverschmutztem Seewas 
ser verlief in den ersten Stunden nach dem Ablassen recht schnell. Nach etwa 
zwei Stunden war der Faktor der Sekundärverdünnung ungefähr gleich 10. 
3. Säurekonzentration und Eisengehalt waren im Schraubenwasser gegenüber 
dem unverschmutzten Seewasser stark erhöht. Dagegen lag der Sauerstoff- 
Gehalt nur wenig unter dem Normalwert. 
4. Erst einige Stunden nach dem Einbringen erreichten die inzwischen stark ver 
dünnten Abwässer den Meeresboden. 
5. Im Versenkungsgebiet befand sich eine bestimmte Menge Eisenhydroxid in 
Schwebe. 5V2 Monate nach Beginn der Versenkungs-Aktion war das Gebiet 
mit merklich erhöhter Eisenkonzentration im Wasser etwa 200 Quadratmeilen 
groß. Zu diesem Zeitpunkt betrug die höchste Eisenkonzentration des Wassers 
im Versenkungsgebiet ca. 500 ag Fe/I, d. i. etwa das 25fache des normalen 
Wertes. 
6. Im Meeresboden des Versenkungsgebietes konnte bisher nur eine geringe Er 
höhung der Eisen-Konzentration festgestellt werden. 
Bei den Untersuchungen wurden Geräte und Verfahren angewendet, die zum Teil 
im DHI neu entwickelt worden waren. So konnte beispielsweise die Säurekonzen 
tration unmittelbar über dem Meeresboden bei etwa 28 m Wassertiefe mit einem 
speziell dafür gebauten „pH-Pegel“ über längere Zeit kontinuierlich registriert 
werden. Für die Bestimmung der Eisen-Konzentration im Versenkungsgebiet wurde 
ein besonders einfaches Verfahren entwickelt, das den Verhältnissen in einem 
primitiven Bordlaboratorium angepaßt ist. 
Der für das Jahr 1969 vorgesehene Beginn einer systematischen Überwachung 
der Deutschen Bucht und der westlichen Ostsee auf besonders gefährliche Schad 
stoffe (z. B. Quecksilber, Blei, DDT und andere Pestizide sowie Phenole, Kohlen 
wasserstoffe, Detergentien usw.) mußte wegen des akuten Mangels an Personal 
und Geräten bis auf weiteres verschoben werden. 
Die vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) eingesetzte „Working 
Group on Pollution of the Baltic“ hat einen Bericht über den derzeitigen Stand
	        
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