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24, Jahresbericht des Deutschen Hydrographischen Instituts 1969
d) Auswertung der Messungen von 1969
Die Berechnung der Spektren begann schon während der Messungen. Eine große
Zahl von (skalaren) Energiespektren des Seegangs lag Ende des Jahres bereits
aufgezeichnet vor. Allerdings lassen sich die 1969 angefallenen riesigen Daten
mengen mit den bisher benutzten Rechenanlagen (TR 4) und Programmsystemen
nicht alle in ausreichend kurzen Zeiträumen verarbeiten. Es wurde daher be
schlossen, den Großrechner des Deutschen Rechenzentrums in Darmstadt mit zu
benutzen. Auf diesem Rechner läßt sich ein in Amerika speziell für Zeitserien
analysis entwickeltes Programmsystem „BOMM" verwenden. Mit Hilfe dieser Pro
grammsprache wurde in sehr kurzer Zeit ein Programm für die Berechnung des
Richtungsspektrums des Seegangs erstellt und erfolgreich getestet. Jedoch müs
sen die auf Lochstreifen vorliegenden Daten auf Magnetband umgespeichert wer
den.
Die Verarbeitung aller 1968 und 1969 gewonnenen Seegangsregistrierungen für
Richtungsspektren wird wahrscheinlich bis Mitte 1970 andauern.
Die vorhandenen Digitalisierungsanlagen sollen von Lochstreifen auf Magnet
bandregistrierung umgestellt werden.
3. Meeresphysik und -technologie
a) Allgemeine Entwicklung
Die rasch weiter fortschreitende technische Entwicklung auf allen Gebieten brachte
auch für die Meeresforschungstechnik in ständig zunehmendem Umfang die Be
handlung neuer Probleme, die Prüfung neuer Verfahren und die Entwicklung neuer
Methoden mit sich. Immer mehr wird dabei das Referat zu einer Art zentraler Aus-
kunfts- und Beratungsstelle, nicht nur für die eigenen Meeresforschungsaufgaben,
sondern auch für andere deutsche und ausländische Stellen, insbesondere auch
für zahlreiche Firmen. Bei deutschen Firmen konnte ein zunehmendes Interesse
festgestellt werden, sich an technischen Aufgaben der Meeresforschung und
-nutzung zu beteiligen. Dabei waren die Bestrebungen zwar überwiegend darauf
gerichtet, staatliche Aufträge oder Zuschüsse zu erhalten, vereinzelt aber began
nen Firmen auch schon Entwicklungen aus eigener Initiative und finanzierten sie
selbst.
Diese Beratungen und Diskussionen über eine Unzahl von Detailfragen nahmen
den weitaus größten Teil der Arbeitszeit des Referenten in Anspruch. Es war
daher zu begrüßen, daß im Berichtsjahr endlich eine lange beantragte und erwar
tete Stelle für einen zusätzlichen Physiker zugewiesen wurde.
b) Arbeiten an Bord der Forschungsschiffe
Die zweiwöchige Forschungsfahrt mit VFS „Gauß“ zu einer regionalen Unter
suchung der mittleren Nordsee (vgl. Abschnitt 1, Seite 33 ff.) wurde durch „Delphin“-
Schleppmessungen sowie durch Bathysondenmessungen unterstützt. Während
beim „Delphin“ eine neue Isothermenregistriervorrichtung benutzt wurde, die sich
gegenüber der früheren durch bessere Störungs- und Wartungsfreiheit auszeich
nete, waren die Bathysondenmessungen zugleich die erste Erprobung dieser für
das DHl aus Förderungsmitteln des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft
beschafften Anlage.