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Volltext : Wasserstandsvorhersage mittels neuronaler Netze (BSH-Berichte, Nr. 15)

lassen  sich  wiederum  parallel  verschalten  [Ramacher  92].  Die  mikroelektronische  Realisierung ­
  von  neuronalen  Netzen  unterliegt  aber  gewissen  kommunikativen  Einschränkungen.
Abhilfe  können  optische  Elemente  schaffen.  Die  vielversprechendsten  Elemente  sind  Hologramme ­
  [Abu-Mostafa  et  al.  91].
3.2.  Eigenschaften  und  Fähigkeiten
Neuronale  Netze  besitzen  eine  gewisse  Verwandtschaft  mit  statistischen  Vorhersagemodellen
(Kap.2.3).  Genauso  wie  sie  können  sie  Zeitreihen  von  gemessenen  Daten  verarbeiten.  Die
Verarbeitung  geschieht  aber  nach  ganz  anderen  Prinzipien,  die  in  diesem  Abschnitt  erläutert
werden  sollen.  Neuronale  Netze  eignen  sich  nicht  nur  für  Vorhersagezwecke.  Allgemein
können  die  Anwendungsmöglichkeiten  in  Abhängigkeit  von  vier  Fähigkeiten  der  Netze
betrachtet  werden  [Grau  91].
An  erster  Stelle  steht  die  Fähigkeit  zur  Generalisierung.  D.h.  die  Netze  sind  fähig,  auf
neue  Daten  hin  zu  extrapolieren.  Die  Netze  können  als  ein  Assoziativgedächtnis  angesehen
werden,  das  fähig  ist,  Muster  zu  vervollständigen  [Efltsch  et  al.  91a],  [Kohonen  89].  Der
Zugriff  erfolgt  über  einen  Schlüssel  -  das  Eingangsmuster  -  und  nicht  über  eine  Adresse  wie
bei  herkömmlichem  Computerspeicher.  Zweitens  können  die  Netze  Funktionen  approximieren, ­
  d.h.  den  realen  Verlauf  einer  Größe  nachbilden  [Blum  et  al.  91].  Dafür  werden  häufig
Splines  verwendet,  an  deren  Stelle  auch  neuronale  Netze  verwendbar  sind.  Drittens  können
sie  klassifizieren.  Ein  Klassifikator  weist  ein  Eingabemuster  einer  Klasse  zu.  Ein  typisches
Beispiel  ist  die  Erkennung  von  Ziffern.  Hier  stellt  eine  Bildmatrix  das  Muster  dar,  und  der
Klassifikator  bestimmt,  welche  Ziffer  vorliegt  [Brause  91].  Auf  die  unterschiedliche  Verwendung ­
  des  Begriffs  "Klassifikation"  im  Vergleich  mit  Kap.2.2.2  wird  später  eingegangen
werden  (Kap.3.5.1  und  3.6).  Viertens  können  die  Netze  die  Dimension  von  Räumen  reduzieren. ­
  Z.B.  kann  ein  höherdimensionaler  Eingangsraum  auf  einen  zweidimensionalen  Ausgangsraum ­
  abgebildet  werden  [Ritter  et  al.  92].  Dies  bewirkt  eine  Verdichtung  bzw.  Kompression
der  Information.  Die  vier  Fähigkeiten  sind  eng  miteinander  gekoppelt.  Die  Anwendung  von
Netzen  z.B.  auf  die  Vorhersage  kann  als  Problem  der  Klassifikation  oder  auch  der  Mustervervollständigung ­
  angesehen  werden.  Die  meisten  neuronalen  Netze,  die  als  Klassifikatoren
eingesetzt  werden,  können  durch  sechs  Attribute  bzw.  Eigenschaften  charakterisiert  werden:
parallel,  adaptiv,  induktiv,  verteilt,  nichtlinear  und  noise-robust  (widerstandsfähig  gegen
Rauschen)  [Rodrigues  et  al.  92].
In  Kap.3.1  klang  bereits  an,  daß  sich  neuronale  Netze  beim  Einsatz  von  Parallelrechnern
erheblich  effizienter  nutzen  lassen.  Die  Modellneuronen  agieren  parallel,  d.h.  zur  gleichen
Zeit,  während  sie  untereinander  Informationen  austauschen.  Daher  könnten  sie  theoretisch
jeweils  einem  Prozessor  zugewiesen  werden.  In  der  Praxis  müssen  aber  Kompromisse
geschlossen  werden,  da  meistens  mehr  Neuronen  verwendet  werden  als  Prozessoren  zur  Verfügung ­
  stehen  [Guimaraes  92].
Neuronale  Netze  müssen  "trainiert"  bzw.  "angelernt"  werden.  Das  Lernen  erfolgt  in  einer
Reihe  von  Schritten,  die  aufeinander  aufbauen.  Dabei  wird  von  einer  Unkenntnis  des  zu
lernenden  Sachverhalts  (des  Lernstoffs)  ausgegangen.  Die  Unkenntnis  wird  durch  einen
zufällig  gewählten  Anfangszustand  dargestellt.  Während  des  Lernens  wird  das  Netz  allmählich ­
  an  den  Lernstoff  herangeführt.  Diese  Vorgehensweise  wird  in  der  Pädagogik  mit
induktiv,  d.h.  hinführend  bezeichnet.  Sie  steht  im  Gegensatz  zur  deduktiven,  d.h.  wegführenden ­
  Wissensvermittlung,  in  der  zuerst  der  gesamte  Lernstoff  auf  einmal  präsentiert  und  dann
erst  erklärt  wird.  Der  Lernstoff  besteht  aus  speziell  vorbereiteten  Daten,  denen  eine  gewisse
Struktur  innewohnt.  Während  des  Lernens  passen  sich  die  neuronalen  Netze  an  diese  Struktur
            
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