Neuere Veröffentlichungen.
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Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben.
Assmann, R.: Die Winde Deutschlands. Bearbeitet im Auftrage der Motor-
luftschiff-Studiengesellschaft-Berlin, 4° 61 S. Mit 13 Tafeln u, 1 Karte.
Braunschweig 1910. Vieweg & Sohn. Preis 5 M.
Das vorliegende Windwerk ist den Anforderungen der heutigen Zeit der Luftschiffahrt ent-
sprossen, Seine Grundlagen bilden die durchschnittlich 20jährigen Windbeobachtungen an.49 deutschen
Stationen, einschließlich 11 Höhenorten, und die Ergebnisse der täglichen Beobachtungen des Königl,
Preuß. Aeronautischen Observatoriums aus der freien Atmosphäre der Jahre 1903 bis 1908.
Zahlreiche Tabellen und übersichtliche Diagramme werden für die Richtung, für die Ge-
schwindigkeit nach Schnellenwerten von 0 bis 2, 2 bis 5, 5 bis 10, 10 bis 15 und mehr als 15 m p. Sek.
und für die Geschwindigkeit in den einzelnen Richtungen nach Jahreszeiten und Jahr sowohl für die
unteren als für die oberen Luftschichten zusammengestellt und einer eingehenden Kritik unterworfen,
Für die Luftschiffahrt erweist es sich aber aus den Ergebnissen vor allem als notwendig, daß wir in
Zukunft noch weit mehr Gewicht auf die Güte und Zahl der Beobachtungen und. Registrierungen des
Windes besonders in Höhen von einigen 100 m über dem Erdboden legen müssen, als bisher.
Das gesamte verarbeitete Material für die Geschwindigkeit beruht auf Schätzungen nach der
Beaufortskala, die in Meter p. Sek. umgerechnet sind. Da ist es natürlich, wie Assmann hervorhebt,
daß persönliche Fehler und Eigenheiten des Beobachters und seines Standpunkts wie auch des Beob-
achtungsortes mitsprechen, Am wenigsten ratsam scheint es jedoch, Windschätzungen nach den unteren
Wolken von Laien vornehmen zu lassen (S. 1), da es nicht einmal für einen geübten Aerologen, der
täglich Drachenaufstiege leitet, möglich ist, aus den Wolken die Windgeschwindigkeit stets richtig zu
erkennen, In den Mittelwerten einer größeren Anzahl von Stationen werden ja einzelne Fehler aus-
geglichen doch bleiben die Resultate da noch unsicher wo nur zwei Beobachtungsstationen für einen
größeren Bezirk vorliegen, wie auf Tab. 2 für Südost-, Ost-, West-, Nordost- und das nördliche Mittel-
Deutschland. Für die kartographische Darstellung, der Windgeschwindigkeit in Isanemonen, wie man
die Linien gleicher Geschwindigkeit nennt und von denen uns Assmann (S. 3) ein sehr willkommenes
ste Bad für Deutschland gibt, wird auch eine drei- bis vierfache Anzahl von Stationen von großem
orteil sein.
Auf persönliche Fehler ist es beispielsweise zurückzuführen, wenn (S. 21) Posen mit 12.6%,
Sturmtagen, gegen Celle mit nur 0.6 und Helgoland mit nur 4%, aufgeführt sind oder Rügenwalder-
münde mit nur 5.4% gegen Hela mit 18.6%. Solche Vergleiche können leicht zu unrichtigen An-
schauungen führen, In Celle sind die Windstärkeschätzungen auffallend niedrig; die Geschwindigkeit
von 0 bis 2 m p. Sek. überwiegt dort für alle 8 Windrichtungen, wie die lehrreichen »charakterlosen«
Spezialtabellen S. 31 bis 33 zeigen, Bei keinem andern Ort ist dies der Fall. In dem Celle am
nächsten gelegenen Hamburg, das den mittleren Verhältnissen annähernd entspricht, finden wir durch-
weg die Geschwindigkeit von 2 bis 5 m p. Sek. am häufigsten vertreten. Auch gegen das ihm nahe
gelegene Schwerin weicht Celle stark ab, Dort sind 50%, aller Winde zwischen 0 und 5m, hier
93.6%,, während in Freiburg i. S. gar nur 40.8%, mit dieser Geschwindigkeit wehen. Freiburg zeigt
uns auch, wie verschieden die Beobachter an demselben Ort geschätzt haben (S. 23): 1886 bis 1905
wehten 50.8%% der Winde zwischen 0 und 5m p. Sek., 1876 bis 1905 nur 40.2%,, so daß 1876 bis 1885
nur 22%, der Winde zwischen 0 und 5m beobachtet sein können. Es fragt sich, ob man so stark
abweichende Beobachtungen wie die von Freiburg 1876 bis 1885 zur Mittelbildung mitbenutzen soll.
Der von Assmann (S. 18) für sämtliche Stationen berechnete »Mittlere Windweg für
100 Sek.« ist z. B. in Celle nur halb so groß wie in Schwerin und Freiburg mit 288 m gegen 555 m
und 592 m, oder in der sonst üblichen Weise gesprochen: Die mittlere Windgeschwindigkeit beträgt
2,9 gegen 5.6 und 5.9 m p. Sek. Zur Berechnung der Windwege wird angenommen, daß die mittlere
Geschwindigkeit der Beobachtungen zwischen 0 und 5m 2.5 m p. Sek, ist, der zwischen 5 und 10 m
7.5 m p. Sek. Offenbar liegt hierin eine gewisse Vereinfachung; es muß nämlich der so berechnete
mittlere Windweg zu groß ausfallen, da die Zahl der Fälle z. B. zwischen 5 und 6m weit größer
ist, als die zwischen 9 und 10 m, entsprechend 10 bis 11m häufiger vorkommt als 14 bis 15 m.
Aus den angegebenen Prozenten der Häufigkeit (S. 18) 71.8 für O0 bis 5 m, 21.0 für 5 bis 10 m,
5.8 für 10 bis 15m und 1.4 für > 15 m läßt sich das wahre Mittel der Windgeschwindigkeit annähernd
verechnen. Für das Intervall O0 bis 5 m liegt es etwas über 2.5 m, da nach Tab. 1 968mal 0 bis 2 m
und 1777mal 2 bis 5 m beobachtet ist; man erhält so statt 2.5, 7.5, 12.5 etwa 2.6, 6.8, 11.9, so daß
der mittlere Windweg aller Stationen 423 m, also etwas kleiner ist als der von Assmann berechnete
Weg von 434 m, Im übrigen‘ scheinen die hier aus den Stärkeschätzungen erhaltenen Windwege
kleiner zu sein, als die Mittel aus den Registrierungen in Meter p. Sek. ergeben würden. Es liegt
das offenbar daran, daß vor allem für die häufigsten Windstärken 2 und 3 der einfacheren Einteilung
nach Schnellenwerten halber 2 bis 5 m p. Sek., im Mittel also 3.5 m gerechnet sind, während man
sonst für diese Stärken im Mittel etwa 4m annimmt, Aus diesem Grunde müssen die mittleren
Windwege (Tab. 2) trotz der zu hohen vereinfachten Mittel (2.5, 7.5 und 12.5) etwas zu niedrig
erscheinen.
Was die Windrichtung betrifft, so sehen wir aus den Zahlen der Tab. 6 das Vorherrschen
der westlichen Winde in Deutschland, insbesondere des SW mit 19.5%, gegen 12%, im Mittel; ein
sekundäres Maximum zeigt der NO mit 10.4%,. Im Frühjahr ist dieser Wind an der Ostseeküste