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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

Hafen von Snaroen bei Christiania. 
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aus einem Lotsenfakrzeuge einen Lotsen. Die einmastigen Lotsenboote hier* 
selbst sind leicht zu erkennen au einem rothen Kleide, welches sie in dem sonst 
weifsen Grofssegel haben. Da ich mit den dortigen Verhältnissen nicht bekannt 
war und mich mit dem Lotsen weder in der deutschen noch in der englischen 
Sprache verständigen konnte, so übergab ich demselben die Führung meines 
Schiffes, ohne mit ihm vorher etwas über das zu zahlende Lotsgeld festgestellt 
zu haben. Nachdem uns der Lotse nach Dröbak, der Endstation seines Bezirks, 
gebracht hatte, verliefs er das Schiff und ein anderer Lotse kam an seine Stelle. 
Um diese Zeit wehte eine frische südwestliche Briese, bei schönem Wetter. 
Auf meine Mittheilung, dafs das Schiff nach Snaroen bestimmt sei, erklärte mil 
der Lotse, nicht im Stande zu sein, dasselbe unter Segel dorthin zu bringen; 
worauf ich ihm verständlich zu machen suchte (auch dieser Lotse verstand weder 
Deutsch noch Englisch), dafs das seine Sache sei. Eine halbe Stunde später 
versuchte der Lotse, mich zu veranlassen, zunächst nach der Rhede von Christiania 
zu segeln, indem er mittheilte, dafs ich dort meinen Ballast kostenfrei löschen 
könnte. Auf diesen Vorschlag ging ich ein mit dem Bemerken, den Lotsen für 
alle aus demselben mir etwa erwachsenden Auslagen verantwortlich machen zu 
wollen, und ankerte um 10 Uhr Abends auf der Aufsenrhede von Christiania. 
Das Löschen des Sandballastes ging hier freilich, entsprechend der Behauptung 
des Lotsen, kostenfrei und auch rasch vor sich; aber jetzt war ich genötbigt 
um nach Snaroen zurück zu gelangen, einen andern Lotsen, sowie einen Schlepp 
dampfer zu nehmen, und hatte nach Uebereinkommen dem ersteren 10, dem 
letzteren ‘25 Kronen zu zahlen. 
Mit den Kapitänen der Schleppdampfer läfst sich leicht eine Ver 
ständigung erzielen und ist der Schlepplohn im Allgemeinen nickt hoch. Auch 
die Lotsen lassen sich darauf ein, ohne Distanzgeld zu erhalten, schon weit 
uufserhalb der FoVcler-lnsel an Bord zu kommen. Oberhalb dieser Insel aber 
wird der Lotsendienst gewöhnlich nach einem Tarif bezahlt. Laut Order des 
Oberlotsenkommandeurs in Christiania ist jeder Lotse verpflichtet, so lange an 
Bord zu bleiben, bis er das Schiff an seinen Ladeplatz gebracht hat, ohne hier 
für eine Extravergütung beanspruchen zu können. Diese Thatsacbc ist mir von 
meinem Ablader, Herrn D. Fürst, mit dem Wunsche mitgetheilt, für das ße- 
kanntwerden derselben unter meinen Berufsgenossen Sorge tragen zu wollen. 
Die Ansegelung des Christiania Fjords bietet bei sichtigem Wetter keinerlei 
Schwierigkeiten; nur hat mau die westliche Strömung zu berücksichtigen, welche 
nach Aussage der Lotsen stets längs der Südküste von Norwegen setzen soll. 
Bei einem Gegenwinde kann man den Christiania Fjord bis Langgrund gut auf 
kreuzen. Auch sind auf dieser Strecke einige gute Ankerplätze vorhanden. 
Das Laden ging in Snaroen vortrefflich. Die Schiffe liegen theils längs 
des Landes, theils sind sie vom und hinten vertäut, und zwar im letzten Falle 
entweder mit dem Bug oder mit dem Heek nach dem Lande, je nachdem ihre 
Holzpforte sich vorn oder hinten am Schiffe befindet. „Pacific“ wurde, für 
Melbourne bestimmt, mit 182 Standart gehobelten Brettern und 50 Tonnen Stcin- 
ballast beladen, und obwohl das Schiff im Allgemeinen nicht als rank bezeichnet 
werden darf, war es mit dieser Ladung doch kaum steif genug. 
Das Zollwesen wird in Christiania streng gehandhabt. Noch bevor wir 
mit dem Schiffe Dröbak erreicht hatten, kam ein Zollbeamter an Bord, der 
scharf darauf achtete, dafs nichts vom Proviant ans Land gebracht wurde, und 
bis zur Aufsenrhede von Christiania an Bord blieb, woselbst am folgenden 
Morgen der gröfste Theit des Proviants, selbst der Kartoffeln, unter Siegel ver 
schlossen wurde. Für das Auflegen des Siegels und die Ueberwächuug der 
Verstauung des Proviants in einer Kammer durch einen Zollbeamten mufste 
ich 1,60 Kronen entrichten. Der Beamte, welcher das Schiff von Dröbak bis 
Christiania begleitete, erhielt 7 Kronen als Tage- und Reisegeld. Während 
unseres Aufenthaltes in Snaroen war ich genötbigt, zweimal einen Zollbeamten 
an Bord zu nehmen, um uns Lebensmittel herausgeben zu lassen. Für jede Tour 
erhielt der Beamte eine Gebühr von 4,88 Kronen. Zum Schutz gegen eine 
mögliche Einschleppung des Kartoffelkäfers mufsten die zum Verbrauch heraus- 
gegebenen Kartoffeln mit kochendem Wasser begossen werden. 
Anfser den schon angeführten Auslagen hatte „Pacificeine Bark yqu 
461 Registertonnen, in Christiania noch die folgenden Unkosten:
	        
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