Hafen von Snaroen bei Christiania.
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aus einem Lotsenfakrzeuge einen Lotsen. Die einmastigen Lotsenboote hier*
selbst sind leicht zu erkennen au einem rothen Kleide, welches sie in dem sonst
weifsen Grofssegel haben. Da ich mit den dortigen Verhältnissen nicht bekannt
war und mich mit dem Lotsen weder in der deutschen noch in der englischen
Sprache verständigen konnte, so übergab ich demselben die Führung meines
Schiffes, ohne mit ihm vorher etwas über das zu zahlende Lotsgeld festgestellt
zu haben. Nachdem uns der Lotse nach Dröbak, der Endstation seines Bezirks,
gebracht hatte, verliefs er das Schiff und ein anderer Lotse kam an seine Stelle.
Um diese Zeit wehte eine frische südwestliche Briese, bei schönem Wetter.
Auf meine Mittheilung, dafs das Schiff nach Snaroen bestimmt sei, erklärte mil
der Lotse, nicht im Stande zu sein, dasselbe unter Segel dorthin zu bringen;
worauf ich ihm verständlich zu machen suchte (auch dieser Lotse verstand weder
Deutsch noch Englisch), dafs das seine Sache sei. Eine halbe Stunde später
versuchte der Lotse, mich zu veranlassen, zunächst nach der Rhede von Christiania
zu segeln, indem er mittheilte, dafs ich dort meinen Ballast kostenfrei löschen
könnte. Auf diesen Vorschlag ging ich ein mit dem Bemerken, den Lotsen für
alle aus demselben mir etwa erwachsenden Auslagen verantwortlich machen zu
wollen, und ankerte um 10 Uhr Abends auf der Aufsenrhede von Christiania.
Das Löschen des Sandballastes ging hier freilich, entsprechend der Behauptung
des Lotsen, kostenfrei und auch rasch vor sich; aber jetzt war ich genötbigt
um nach Snaroen zurück zu gelangen, einen andern Lotsen, sowie einen Schlepp
dampfer zu nehmen, und hatte nach Uebereinkommen dem ersteren 10, dem
letzteren ‘25 Kronen zu zahlen.
Mit den Kapitänen der Schleppdampfer läfst sich leicht eine Ver
ständigung erzielen und ist der Schlepplohn im Allgemeinen nickt hoch. Auch
die Lotsen lassen sich darauf ein, ohne Distanzgeld zu erhalten, schon weit
uufserhalb der FoVcler-lnsel an Bord zu kommen. Oberhalb dieser Insel aber
wird der Lotsendienst gewöhnlich nach einem Tarif bezahlt. Laut Order des
Oberlotsenkommandeurs in Christiania ist jeder Lotse verpflichtet, so lange an
Bord zu bleiben, bis er das Schiff an seinen Ladeplatz gebracht hat, ohne hier
für eine Extravergütung beanspruchen zu können. Diese Thatsacbc ist mir von
meinem Ablader, Herrn D. Fürst, mit dem Wunsche mitgetheilt, für das ße-
kanntwerden derselben unter meinen Berufsgenossen Sorge tragen zu wollen.
Die Ansegelung des Christiania Fjords bietet bei sichtigem Wetter keinerlei
Schwierigkeiten; nur hat mau die westliche Strömung zu berücksichtigen, welche
nach Aussage der Lotsen stets längs der Südküste von Norwegen setzen soll.
Bei einem Gegenwinde kann man den Christiania Fjord bis Langgrund gut auf
kreuzen. Auch sind auf dieser Strecke einige gute Ankerplätze vorhanden.
Das Laden ging in Snaroen vortrefflich. Die Schiffe liegen theils längs
des Landes, theils sind sie vom und hinten vertäut, und zwar im letzten Falle
entweder mit dem Bug oder mit dem Heek nach dem Lande, je nachdem ihre
Holzpforte sich vorn oder hinten am Schiffe befindet. „Pacific“ wurde, für
Melbourne bestimmt, mit 182 Standart gehobelten Brettern und 50 Tonnen Stcin-
ballast beladen, und obwohl das Schiff im Allgemeinen nicht als rank bezeichnet
werden darf, war es mit dieser Ladung doch kaum steif genug.
Das Zollwesen wird in Christiania streng gehandhabt. Noch bevor wir
mit dem Schiffe Dröbak erreicht hatten, kam ein Zollbeamter an Bord, der
scharf darauf achtete, dafs nichts vom Proviant ans Land gebracht wurde, und
bis zur Aufsenrhede von Christiania an Bord blieb, woselbst am folgenden
Morgen der gröfste Theit des Proviants, selbst der Kartoffeln, unter Siegel ver
schlossen wurde. Für das Auflegen des Siegels und die Ueberwächuug der
Verstauung des Proviants in einer Kammer durch einen Zollbeamten mufste
ich 1,60 Kronen entrichten. Der Beamte, welcher das Schiff von Dröbak bis
Christiania begleitete, erhielt 7 Kronen als Tage- und Reisegeld. Während
unseres Aufenthaltes in Snaroen war ich genötbigt, zweimal einen Zollbeamten
an Bord zu nehmen, um uns Lebensmittel herausgeben zu lassen. Für jede Tour
erhielt der Beamte eine Gebühr von 4,88 Kronen. Zum Schutz gegen eine
mögliche Einschleppung des Kartoffelkäfers mufsten die zum Verbrauch heraus-
gegebenen Kartoffeln mit kochendem Wasser begossen werden.
Anfser den schon angeführten Auslagen hatte „Pacificeine Bark yqu
461 Registertonnen, in Christiania noch die folgenden Unkosten: