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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

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Nordstürme an der deutschen Östseeküste. 
An den in einiger Entfernung von dem eigentlichen Centrum der De- 
pression südlich und südwestlich von derselben gelegenen Stationen des nord- 
deutschen Binnenlandes sind bis zum Nachmittag des 12. die Winde nur frisch, 
aber bei dem weiteren Fortschreiten des Minimums erreichen sie gegen Abend 
einen stürmischen Grad. Es ist dies Letztere eine Folge der starken Zunahme 
des Luftdruckes über dem westlichen Deutschland, welche in der Zeit vom 
Nachmittag des 12. bis Morgen des 13. statthat. 
Als die nähere Umgebung des Phänomens, ja sogar das Sturmgebiet 
selbst betreffend verdienen wohl die sehr geringen Luftdruckänderungen über 
der Südspitze Schwedens hervorgehoben zu werden, welche während des 
Vorüberganges der Depression vom Morgen bis Abend des 12. 3ımm nicht 
übersteigen. 
Während der Sturmtage vollzieht sich auch eine Aenderung in den all- 
gemeinen Luftdruckverhältnissen Kuropas. Ueber den britischen Inseln nimmt 
der Luftdruck zu bis über 769 mm an den westlichsten Küsten derselben, und 
das Gebiet des hohen Luftdruckes dehnt sich besonders in südöstlicher Richtung 
aus, so dafs am Morgen des 13. auch über Nordfrankreich und Westdeutschland 
das Barometer einen Stand von über 760 mm erreicht; am Abend dieses Tages 
gehören auch das südliche Ostdeutschland und der westliche Theil der öster- 
reichischen Monarchie dem Gebiete relativ hohen Luftdruckes an. Die Aus- 
bildung der Furche niedrigen Luftdruckes, welche, wie oben bemerkt, zunächst 
etwa von Südwesten nach Nordosten gerichtet ist, hat besonders über West- 
deutschland am Abend des 11. das Einsetzen südwestlicher Winde und damit 
daselbst eine Erhöhung der Temperatur zur Folge, am Morgen des 12. sind 
diese Gegenden frostfrei. Aber sobald dieser Theil Deutschlands auf die Rück- 
seite der tiefen Depression kommt und somit dem Einflufs der aus dem kalten 
Norden Europas stammenden Luftströmung ausgesetzt ist, d. h. noch im Laufe 
des Nachmittages des 12., sinkt die Temperatur unter Null. 
Die Auflösung der im Westen des Sturmphänomens liegenden Depression 
und das Vorrücken des hohen Luftdruckes auch nach dem Norden Frankreichs 
begünstigten diese Abkühlung, und am Morgen des 13. wird das Frostgebiet nach 
Westen zu, ungefähr vom 3. Längengrade West v. Gr. und nach Süden etwa 
vom 47. Breitengrade begrenzt, hat also in diesen beiden Richtungen erheblich 
an Ausdehnung gewonnen, Schneefälle über Mitteleuropa bis zu den Alpen, 
über Frankreich bis zu seinen westlichen Küsten und über dem östlichen Theile 
Schottlands und Englands waren am 12. in Begleitung dieser Erscheinung. 
2. Der Sturm vom 24. und 25. Oktober 1887. 
Die allgemeine Luftdruckvertheilung, unter welcher der diese Stürme er- 
zeugende Luftwirbel sich entwickelt, ist verschieden von der in Bezug auf den 
Märzsturm oben geschilderten. Am 23. Oktober Morgens liegt nämlich ein 
tiefes Minimum des Luftdruckes mit einem Barometerstande unter 733 mm etwa 
im Westen der Lofoten, während ein Maximum in Höhe von 776mm über 
Oesterreich sich befindet. 
Ueber dem Theile Europas, welcher südlich von etwa dem 52. Breiten- 
grade liegt, übersteigt der Luftdruck im Allgemeinen 770 mm und über Grofs- 
britannien, der südlichen Hälfte der Nordsee und über der Ostsee verlaufen die 
Isobaren in ziemlich rein westöstlicher Richtung. 
Das Centrum der Depression schreitet mit etwa mittlerer Geschwindigkeit 
ostwärts fort, so dafs es am 23. Abends im Norden des Norrbottens und am 
24, im nördlichsten Theile Finnlands anzunehmen ist, Gleichzeitig sinkt über 
Centraleuropa der Luftdruck stark, über Westeuropa in geringerem Mafse, und 
das Maximum des Luftdruckes zieht sich südostwärts nach der Balkanhalbinsel 
zurück, Infolge dessen zeigt am Abend des 23. das Depressionsgebiet eine in 
der Richtung von Nordosten nach Südwesten zu langgestreckte Gestalt. An der 
Südwestspitze dieses Gebietes bildet sich augenscheinlich in der Nacht zum 
24. über der Nordsee ein neues Luftdruckminimum aus, welches als: zunächst 
an sich ziemlich unbedeutende Erscheinung am folgenden Morgen auf den 
synoptischen Karten zwischen den Inseln Sylt und Helgoland zu bemerken ist.
	        
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