26
als die Daboll- und Holmes’schen Hörner, wie sie jetzt in Gebrauch sind, und
für solche Stellen, wo es wünschenswerth sein möchte, sie zu errichten.“
Obgleich dieser Bericht die vollständige praktische Brauchbarkeit der
genannten 3 Apparate für Nebelsignale aussprach und ihre allgemeine Anwen-
dung in Amerika constatirte, konnte sich das Tririty-House doch nicht sogleich
entschliessen, mit der Einrichtung neuer Stationen vorzugehen, sondern ordnete
Versuche zu South Foreland bei Dover an, welche namentlich über den Vorzug
der einzelnen Instrumente entscheiden sollten. Jener Ort wurde gewählt, weil die
dort für die beiden elektrischen Feuer vorhandenen Dampfmaschinen und Kessel
benutzt werden konnten und das 235 Fuss (71.6 Met.) hohe Ufer Gelegenheit bot,
die Instrumente in verschiedener Höhe aufzustellen und gegen einander zu
beobachten, Diese Versuche fanden 1873/74 unter Leitung des bekannten Pro-
fessor Tyndall statt und umfassen 2 Perioden: vom 19. Mai bis 4. Juli 1873
= 12 Beobachtungstage und vom 8. October bis 25. November 1873 = 25
Beobachtungstage, und nachträglich noch 9 Tage im Februar 1874, vom 5, bis
21. Februar. Die Details dieser Beobachtungen, sowie das Tyndall’sche Resume
äber die ersteren beiden Perioden sind von Tyndall in einem grösseren Be-
richt an das Zrinity House niedergelegt,*) ebenso sind die endgiltigen, darauf hin
vom Trinity House als foststehend angenommenen Erfahrungen, sowie die bei
Anlage von Nebelsignalstationen zu befolgenden Grundsätze in einem Bericht
des Deputy-Master, Fred, Arrow, ausgesprochen. Ich werde später auf die ein-
zelnen Punkte genauer zurückkommen und sie mit den inzwischen veröffentlichten
Beobachtungen des Professor Henry, Chairman des Nordamerikanischen Light-
house- Board, vergleichen, welche die englischen Beobachtungen sehr vervoll-
ständigen und erweitern, und die Erklärung der eigenthümlichen, schon früher
beobachteten und von Tyndall weiter festgestollten Erscheinungen in Bezug
auf die Tragweite der Töne zu verschiedenen Zeiten und nach verschiedenen
Richtungen in ganz anderen Ursachen suchen und nachweisen, als sie Tyndall
angenommen hat.
Beide englische Berichte ginfon darin, dass zwar ziemlich sicher an-
genommen werden kann, dass bei Nebel die Töne weiter und besser zu hören
zein werden, als bei den am "Tage angestellten Versuchen, dass aber eigen-
ihümliche atmosphärische Zustände und Wind „selbst die stärksten Töne der
Sirene und der Geschütze so beeinflussen können, dass ihre brauchbare Hörbar-
keit auf 2 bis 3 Seem, beschränkt wird, und es deshalb nicht gerathen erscheine,
dem Schiffer mehr als diese zu versprechen!“
Da jedoch dies dürftige Resultat nicht das gewöhnliche, namentlich nicht
das bei Nebel maassgebende zu sein scheint, und den amerikanischen Vorgängen
gegenüber, hat das 7rinity- House 1874 die Einrichtung von neuen resp. die
Verbesserung vorhandener Nebelsignalstationen, an den gesammten englischen
Küsten, im Ganzen 22, beantragt. Diese sind genehmigt und sollten 11 im
Jahre 1875 in Betrieb kommen. Ob dies geschehen ist, darüber liegen noch
keine Berichte vor. Bekannt ist nur geworden, dass Versuche in Bezug auf
die Sirene noch Anfang 1876 stattgehabt haben.
Das erste Instrument der neuen Epoche war, wie angeführt, das von dem
Amerikaner Daboll Anfangs der fünfziger Jahre construirte Horn. Es ist 6
bis 9 Fuss lang, gerade, hat ein clarinettenartiges Zungen-Mundstück und wird
mit comprimirter Luft angeblasen. Die Luftpumpen zum Comprimiren der Luft
wurden Anfangs durch 1 und 2 Pferde, später durch calorische Maschinen ge-
brieben. Diese Daboll-Hörner kamen sogleich zur Anwendung, sie sind im Laufe
der Zeit in Construction und Tonstärke wesentlich verbessert, namentlich vom
Professor Holmes in England, und bis heute im Gebrauch. Anfangs wurden
zie nur mit Luft von 5—7 Pfund Druck angeblasen, später mit 10-—14 Pfund.
Höher zu gehen fand grosse Schwierigkeit und erst in nenester Zeit ist man
2 S. Copy of „Report by Professor Tyndall to the Zwniy House, upon Recent Experi-
ments with Regard to Fog Signals in Parl. Pap, Ordered by the House of Commons, to be Printed,
22. May and 10. June 1874. 79 pag. Ferner: Philosophical 'Transactions of the Royal Society of
London for ıhe Year 1874. Vol. 164, pag. 183, #. Tyndall: On the Atmosphere as a Vehicle
af Sound. A. d. R.