Nautische Veröffentlichungen, Vermessung u. Seekarten
Digitalisierung in der Technischen Kartographie
Seit Ende 1987 wendet die Technische Kar
tographie für die Originalherstellung das Softwa
repaket CARIS an. CARIS ist ein graphisches
Digitalisiersystem, das spezielle für den Aufbau
von Datenbanken, die auf geographische Koordi
naten basieren, und für die Unterstützung der
Kartenproduktion aus diesen Datenbanken her
aus entwickelt wurde. Neben der Unterstützung
für die Originalherstellung wird mit CARIS für den
Aufbau einer kartographischen Datenbank digita
lisiert.
Für die Neuherstellung von Karten werden
redaktionelle kartographische Bearbeitungen di
gitalisiert. Sie entsprechen den Vorlagen, wie sie
auch für den Einsatz der manuellen Verfahrens
techniken verwendet werden. Für den Aufbau ei
ner kartographischen Datenbank werden ent
weder die oben genannten Vorlagen oder
bestehende Seekartenoriginale abdigitalisiert.
Die Daten werden in Vektorformat gespei
chert. Bei der Digitalisierung geschlossener Poly
gone wird die Bildung topologischer Datenstruk
turen unterstützt.
Für die vollständig rechnergestützte Origi
nalherstellung ist eine Symbolbibliothek gemäß
der internationalen IHO Symbologle (INT-Symbo-
logie) notwendig. An der Fertigstellung dieser
Symbolbibliothek wird z. Zt. noch mit Hochdruck
gearbeitet. Die INT-Symbologie ist in ihren Fea
ture-Codes nach der INT-Karte 1 strukturiert, so
daß die so gewonnenen Daten nur indirekt für
eine kartographische Datenbank in Objektstruk
tur verwendet werden können. Sie entsprechen
nicht den logischen Objekten, wie sie im Objekt
katalog definiert sind.
Mit der Nutzung digitaler Hilfsdateien soll
der Erfassungsaufwand an den Digitalisierstatio
nen für Seekarten vermindert werden. Im Bereich
des deutschen Festlandsockels werden alle Ton
nen nicht mit dem Cursor digitalisiert, sondern
aus einer Datei „Schwimmende Seezeichen“ in
CARIS übernommen. Der Aufbau weiterer Datei
en wie z. B. „Festpunkte“, „Wracke“ und „Leucht
feuer“ sind in Arbeit.
Ein Betriebsmodus zur schnellen Erfassung
von kurvenförmigen Linien (z. B. Tiefenlinien, Kü
stenkonturen) ist der sogenannte Stream-Mode,
der ein rasches Abfahren des Linienverlaufs er
möglichen soll. Hierbei werden vom System auto
matisch, d. h. ohne manuelle Einzelauslösung,
Stützkoordinaten der Linie abgerufen und durch
Kurvenpolygone verbunden. Es zeigte sich, daß
die in Stream-Mode erzeugten Kurvenverläufe
bei unregelmäßigem Linienverlauf (z. B. Tiefenli
nien) nicht hinreichend glatt waren, um sie für
eine Originalherstellung zu verwenden. Eine
neue Glättungssoftware für CARIS verspricht hier
Abhilfe von diesem bisher nicht gelösten Pro
blem.
Bei der Digitalisierung von unregelmäßigen
Linien mußte daher auf den Einsatz des schnel
len Stream-Mode verzichtet und statt dessen die
Linienverläufe durch dichte Folgen manuell aus
gelöster Koordinatenstützpunkte erfaßt werden.
Dieses Verfahren ist gegenüber dem Stream-Mo
de erheblich zeitaufwendiger und besitzt keinen