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Full text: Jahresbericht 1990

Int. Datenaustausch i. d. Hydrographie 
1987 den Entwurf eines neuen internationalen 
Datenaustauschformates und eines Feature- 
Code-Katalogs vorlegte; dieser Entwurf wurde 
auf der 13. Internationalen Hydrographischen 
Konferenz 1987 als neuer Standard verabschie 
det. Zwischenzeitlich war unter einigen Mitglieds 
ländern der IHO die Diskussion über eine elektro 
nische Seekarte als Ersatz für die herkömmliche 
Papierseekarte für den Nautiker in Gang gekom 
men. Es wurde rasch erkannt, daß ein solches 
System ein weltweit abgestimmtes und standardi 
siertes Verfahren erfordern würde. 
Als Versuch, eine derartige internationale 
Zusammenarbeit bei der Erstellung einer ge 
meinsamen Datenbasis für die elektronische 
Seekarte zu erproben, wurde daher 1988 von der 
North Sea Hydrographie Commission das unter 
norwegischer Leitung stehende „North Sea Trial 
Project“ gestartet; Ziel war es, aus den bei den 
meisten Ländern bereits existierenden Bestän 
den digitalisierter Seekarten eine Datenbasis zu 
sammenzustellen und auf Testsystemen bzw. 
Prototypen der elektronischen Seekarte im Bord 
betrieb zu erproben. 
Selbstverständlich sollte für den Datenaus 
tausch bei diesem Projekt der neu entwickelte 
Datenaustauschstandard angewendet werden. 
Es zeigte sich jedoch, daß mangels Software 
keiner der teilnehmenden Länder hierzu in der 
Lage war; vielmehr ergab ein von Norwegen mit 
großem finanziellem Aufwand unternommener 
Versuch, den Standard anzuwenden, daß das 
Feature-Code-System für die Zwecke der elek 
tronischen Seekarte nicht geeignet ist. Die dar 
aufhin praktizierte Verwendung der unterschied 
lichsten nationalen Formate und Feature-Code- 
Systeme bewies dann mit größter Deutlichkeit, 
wie notwendig ein geeigneter Standard ist: nicht 
einmal Digitalisierungen verschiedener Dienste, 
die auf gleichen Digitalisiersystemen vorgenom 
men worden waren (wie z. B. Niederlande und 
Bundesrepublik Deutschland) waren untereinan 
der kompatibel und konnten daher nur mit großen 
Anstrengungen in einen gemeinsamen Daten 
satz integriert werden. 
Auch in Deutschland war 1987 mit einem 
Forschungsprojekt „Elektronische Seekarte“ be 
gonnen worden, das vom BMFT gefördert wurde. 
Ende 1988 wurde von den Projektteilnehmern 
Krupp Atlas Elektronik (KAE) und der Schiffsfüh- 
rungs- und Simulationsanlage (SUSAN) der 
Fachhochschule Hamburg mit der Entwicklung 
eines Prototyps begonnen, zu dem das BSH digi 
talisierte Seekarten beisteuern sollte. Schon die 
ersten Versuche Ende 1988 zeigten einen uner 
warteten Mangel der allgemein, d. h. nicht nur 
beim BSH, praktizierten Digitalisiertechnik auf: 
die Erfassung der Karteninhalte erfolgte durch 
Digitalisierung der in den Kartenoriginalen enthal 
tenen kartographischen Elemente; damit war sie 
von vornherein abhängig von der jeweiligen kar 
tographischen Darstellung. Ihrer Natur nach ist 
jedoch die elektronische Seekarte als ein Infor 
mationssystem anzusehen, das mehrere ver 
schiedene Darstellungsmöglichkeiten unterstüt 
zen mu ß, z. B. wahlweise eine generalisierte oder 
eine detaillierte Symbolisierung, oder gar eine 
alphanumerische Darstellung von Seezeichen. 
Dies ist nur möglich, wenn die abstrakte Informa 
tion von ihrer graphischen oder textlichen Darstel 
lung strikt getrennt wird. 
Einen geeigneten konzeptionellen Ansatz 
bietet die „Modelltheorie“ der modernen Karto 
graphie, nach der die Karte als „maßgebundenes 
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