Modelle
in den folgenden Monaten liegen erste Testdaten
für die Verifikation des Modells vor.
Als „Generalprobe“ für die 1991 vorgesehe
ne Kalibrations- und Validationsphase nach dem
Start des ersten europäischen Forschungssatelli
ten ERS-1 wurde zusammen mit Wissenschaft
lern der GKSS eine Erprobungsreise in die nördli
che Nordsee (GAUSS-Fahrt Nr. 149, Februar
1990) unternommen. Es wurden mehrere auf
dem FS GAUSS installierte Radargeräte zur
Messung des zweidimensionalen Seegangs
spektrums durch Vergleich mit einer Seegangs
richtungsboje und mit einem auf einer norwegi
schen Förderplattform fest installiertem Radarge
rät erprobt und verifiziert. Trotz der extremen
Wetterbedingungen (während der Reise herrsch
te zweimal schwerer Sturm mit Orkanböen bis 80
kn) konnte die Erprobung erfogreich durchgeführt
werden.
Numerische Modelle
Die Weiterentwicklung der numerischen Mo
delle zur Simulation der Strömung, des Wasser
standes und der Ausbreitung von Stoffen ist ein
besonderes Anliegen des BSH.
Flierzu gehört die Entwicklung eines dreidi
mensionalen prognostischen Modells der Deut
schen Bucht, das zum Ziel hat, die räumliche und
zeitliche Variation der thermohalinen Schichtung
zu simulieren. Dieses Modell wird speziell im Zu
sammenhang mit den in der Deutschen Bucht
beobachteten Sauerstoffmangelsituationen (Eu-
trofikation) entwickelt. Eine stabile Schichtung
der Wassersäule begünstig die Massenentwick
lung von Phytoplankton und ist somit eine der
notwendigen Voraussetzungen für den späteren
bakteriellen Abbau des abgestorbenen Planktons
mit erhöhter Sauerstoffzehrung. Die bisher exi
stierenden Modelle gehen im allgemeinen von
„eingefrorenen“ (klimatologischen) Dichtefeldern
aus; die Temperatur und der Salzgehalt werden
bei der laufenden Modellentwicklung aber - ab
hängig von Strahlung, Wärmeflüssen, Verdun
stung und Süßwassereinträgen - berechnet. Er
ste Versuchsläufe haben die Brauchbarkeit des
entwickelten Verfahrens bestätigt. Das Projekt
wird durch das UBA gefördert.
Entsprechend den Verpflichtungen, die das
BSH im Rahmen des Strahlenschutzvorsorgege
setzes zu übernehmen hat, ist 1990 begonnen
worden, ein numerisches Modell fürdie Strömung
in der Ostsee zu entwickeln. Das damit verbunde
ne Modellierungsproblem ist eine Erweiterung
der für die Nordsee durchgeführten Modellierung
(siehe S. 36). Es erfordert eine neue Schwer
punktsetzung. Die Gezeitenbewegungen spielen
in der Ostsee eine untergeordnete Rolle, dafür
wird die Strömung maßgeblich von der thermoha
linen Schichtung bestimmt. Daher ist auch bei
der numerischen Bearbeitung besonderer Wert
auf die barokline Komponente der Strömung (Ent
wicklung eines prognostischen Modells, analog
dem oben beschriebenen Modell für die Deut
sche Bucht) zu legen. Ziel der Arbeit ist ein Pro
grammsystem, das im operationeilen Betrieb die
Dynamik von Nord- und Ostsee beschreibt.