Meereskunde, Untersuchungen
der Seegang primär durch die von Westen einlau
fenden Wellen und weniger durch den lokal er
zeugten Windseegang bestimmt wird, und daß
die Wellenhöhe dort primär durch Bodenreibung,
Refraktion und Shoaling und nur sekundär durch
die Strömung bestimmt wird.
Untersuchungen der Gezeiten und des
Windstaus in der Deutschen Bucht
Die genaue Kenntnis der Gezeiten und des
Windstaus, in Abhängigkeit vom lokalen Wind
oder der Luftdruckverteilung über der Nordsee,
sind die wichtigsten Voraussetzungen für den Ge
zeiten- und Wasserstandsvorhersagedienst des
BSH. Eine Analyse und statistische Bearbeitung
von Messungen aus den Jahren 1950 bis 1971
ist vor 15 Jahren durchgeführt worden, es ist des
halb nötig, eine entsprechende Untersuchung mit
aktuellem Datenmaterial zu wiederholen. Zu die
sem Zweck wurde 1988 im Vorhaben „Gezeiten
und windstaubedingte Wasserstandserhöhung“
ein Meßprogramm mit Hochseepegeln durchge
führt. Die Aufbereitung der Daten der Hochseepe
gel und von 16 Küstenpegeln, die uns von den
Wasser- und Schiffahrtsämtern zur Verfügung ge
stellt wurden, ist im Berichtsjahr abgeschlossen
worden. Die Lage der Hochseepegel und der in
die Untersuchung einbezogenen Küstenpegel ist
in Abb. 18 gezeigt.
Von allen Beobachtungsreihen wurden har
monische und non-harmonische Gezeitenanaly
sen angefertigt und ein Verfahren zur Abtrennung
des Windstauteils getestet. Die Messungen be
stätigen die Lage der Amphidromie der halbtägi
gen Gezeiten. Die vierteltägigen Gezeiten zeigen
an dieser Stelle ein deutliches Signal. Es wurde
außerdem bestätigt, daß die Wasserstandserhö
hung in Flachwassergebieten (z. B. an der deut
schen Küste) nicht nur durch einen Windstau,
sondern auch durch eine wellenbedingte Erhö
hung bestimmt wird.
Geologische Untersuchungen
Im Rahmen geologischer Untersuchungen
des Meeresbodens wurden die Kartierarbeiten
zur Erfassung der Sedimentbedeckung des
Nordseebodens fortgesetzt. Schwerpunkt war die
Messung der Schichtdicke der leicht beweglichen
Lockersedimente mit sedimentakustischen Me
thoden. Ergänzend zu den in den vergangenen
Jahren durchgeführten Untersuchungen, die be
reits einen Überblick über die Gesamtsituation
vermitteln, mußten zum richtigen Verständnis der
Verteilungsmuster und damit für die Interpretation
Lücken geschlossen und in kritischen Gebieten
zusätzliche Profile aufgenommen werden.
Die Arbeiten stehen im sachlichen Zusam
menhang mit dem von der EG unterstützten „Sou
thern North Sea Project“, in dem die Geologi
schen Landesämter der südlichen Nordseean
rainer und das BSH die jüngste geologische
Entwicklung der südlichen Nordsee untersuchen.
Dank der gemeinsamen Anstrengungen zeichnet
sich bereits jetzt schon vor Beendigung des Pro
jektes ein neues, besser fundiertes Bild über die
nacheiszeitliche Überflutung des Nordseerau
mes und die noch immer nicht abgeschlossene
Umwandlung der Eiszeitlandschaft in den gegen
wärtigen Flachmeerboden ab.
Dieser Thematik diente auch die Bearbei
tung der kurzen Sedimentkerne aus dem nördli
chen Eibeurstromtal, die 1989 begonnen und