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Full text: Jahresbericht 1990

Meereskunde, Dienste 
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Eisdienst 
Der Winter 1989/90 war wie der vorangegan 
gene an der ganzen norddeutschen Küste eisfrei. 
Es ist der dritte eisfreie Winter in der Zeitreihe 
seit 1896/97. In den Meerbusen des Ostseerau 
mes lag die Vereisung wieder unter dem langjähri 
gen Durchschnitt. 
Die Eisberichtstätigkeit (Herausgabe ge 
druckter Eisberichte und Eiskarten) begann am 
11. Dezember 1989 und endete am 23. Mai 1990. 
Außerdem erhielt das Seewetteramt Eiskarten 
vom Neufundlandgebiet für die Ausstrahlung als 
Bildfunksendung. Die Beratung deutscher For 
schungsschiffe in arktischen und antarktischen 
Gewässern wurde durch die Weiterleitung von 
überarbeiteten ausländischen Eiskarten fortge 
setzt. 
DieTabelle gibt einen Überblick über die vom 
Eisdienst herausgegebenen Produkte im Be 
richtsjahr: 
Herausgabe gedruckter Eisberichte 112 
Herausgabe gedruckter Eiskarten 41 
Eiskarten-Bildfunksendungen 73 
Eisgutachten 17 
Im Winter 1989/90 konnte der Eisdienst lau 
fend mit Übersichtsbildern der NOAA-Satelliten 
aus den eisbedeckten Bereichen der Ostsee ver 
sorgt werden. Es handelt sich dabei nicht nur um 
einfache Darstellung des sichtbaren Kanals der 
NOAA-Satelliten. Es wurden Verfahren zur bes 
seren Erkennung der Eisbedeckung aus zwei 
Kanälen erprobt und angewendet. Bis fast Ende 
Mai wurde in der nördlichen Ostsee für die See 
schifffahrt gefährliches Eis erkannt und gemeldet. 
Dabei konnte der Eisdienst des BSH sicherheits 
relevante Meldungen für die Seeschiffahrt sehr 
früh, d. h. noch am gleichen Tag geben, was vor 
her nicht möglich war. 
Die zur Konstruktion operationeller Eiskar 
ten auf einer Grafikstation erforderlichen Entwick 
lungsarbeiten wurden weiter vorangetrieben und 
stehen kurz vor dem Abschluß. 
Erdmagnetisches Observatorium Wingst 
Die erdmagnetischen Variationen wurden - 
wie bisher - mit dem digitalen Registriersystem 
erfaßt und auf Magnetband gespeichert. Regi 
strierlücken wurden über das alte analoge Sy 
stem aufgefüllt; die Basen beider Systeme wur 
den mit dem Protonen-Komponenten-Magneto- 
meter (Horizontal- und Vertikalkomponente, 
Totalintentsität und relative Deklination) und dem 
Stationstheodoliten (absolute Deklination) lau 
fend kontrolliert. Wie in den Vorjahren wurde das 
alte Observatoriumsniveau der Horizontalintensi 
tät über eine Messung nach Lamont mit Stations 
theodolit und Schwingkasten reproduziert. Die 
Differenz gegen das neue Bezugsniveau (Inter 
nationaler Magnetischer Standard, seit 1981 gül 
tig für Wingst) ist weiterhin stabil; das ist ein Zei 
chen für die Güte des Basisinstruments für diese 
Komponente. Demselben Zweck dienten Ver 
gleichsmessungen mit Wingster Instrumenten in 
den Geomagnetischen Observatorien Belsk, Hel 
(beide Polen), Niemegk und Fürstenfeldbruck 
(beide Bundesrepublik Deutschland). In Niemegk 
und Fürstenfeldbruck fanden Fachtagungen statt, 
auf denen die Kalibration der Wingster Geräte im 
Internationalen Vergleich mit mehreren Observa 
torien ermöglicht wurde. Die Ergebnisse bestäti 
gen den bestehenden Verdacht, daß der Wingster 
Deklinationsstandard leicht nach Osten abweicht.
	        
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