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Full text: Jahresbericht 1990

registriert, der dem der Sturmflutkatastrophe von 
1962 entsprach. 
Mit den Sturmflutwarndiensten Englands, 
der Niederlande, Dänemarks und neuerdings 
auch Polens wurden Wasserstandsbeobachtun 
gen und Warnungen ausgetauscht. Amtliche und 
private Stellen erhielten mündliche und schrift 
liche Auskünfte. 
Operationelle Modelle 
Einsatzbereit ist das operationeile numeri 
sche Vorhersagemodell der Nord- und Ostsee 
des BSH, das vielfältige Dienstleistungen anbie 
tet. Es berechnet Prognosen des dreidimensiona 
len Strömungsfeldes und die flächige Verteilung 
des Wasserstandes. Diese Daten sind die Grund 
lage zur Berechnung aktueller Ausbreitungsvor 
gänge, z. B. nach Ölunfällen. 
Seit ca. 1981 im Dauerbetrieb hat das Mo 
dellsystem besonders im Jahr 1990 eine Entwick 
lungssprung gemacht. Es ist auf die Ostsee er 
weitert worden, das Ölausbreitungsmodell ist in 
Nord- und Ostsee anwendbar (bisher Deutsche 
Bucht) und durch die Anschaffung einer neuen 
Rechenanlage sind die Zeiträume, bis die Ergeb 
nisse vorliegen, erheblich verkürzt worden. Damit 
kann das Modell zur Entscheidungshilfe auch für 
die anderen naturwissenschaftlichen Dienste des 
BSH herangezogen werden. 
Die Wasserstandsprognosen des Modells 
stehen dem Wasserstandsvorhersagedienst des 
BSH zur Verfügung. Die Qualität dieser Progno 
sen reicht jedoch insbesondere bei Sturmflutwet 
terlagen nicht an die der empirischen Vorhersa 
gen des Sturmflutwarndienstes heran. Dieses 
hängt u. a. mit der Kleinräumigkeit der meteorolo 
gischen Phänomene zusammen, die von den 
operationeilen meteorologischen Modellen der 
zeit nicht aufgelöst werden. 
Das BSH unterstützt die Sonderstelle des 
Bundes Ölunfälle See/Küste mit Prognosen der 
Ölverdriftung. Das Ölausbreitungsmodell wurde 
1990 in vielen Details verbessert und immer mehr 
an die natürlichen Ausbreitungsbedingungen in 
der maritimen Umwelt angepaßt. Wenn auch ein 
großer Ölunfall 1990 ausblieb, so dienten Unter 
suchungen zu verschiedenen Szenarien doch der 
Durchgestaltung der Einsatzpläne zur Bekämp 
fung von Verschmutzungen. 
Strömungsdaten des Modells wurden in viel 
fältiger Form anderen Diensten und Instituten 
überlassen. Derartige Modell-Daten werden z. B. 
bei der DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Ret 
tung Schiffbrüchiger) oder bei der BAH (Biologi 
schen Anstalt Helgoland) verwendet. Die DGzRS 
verwendet diese Daten, um die Verdriftung von 
treibenden Gegenständen abzuschätzen. Die 
BAH benötigt Strömungsinformationen als Inter 
pretationshilfe für gemessene Verteilungen von 
Kleinstlebewesen. 
Seegang 
Nach Inbetriebnahme eines neuen Groß 
rechners im Meteorologischen Rechenzentrum 
des DWD wurden im Auftrag des BSH vom 
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht moderne 
Seegangsmodelle für den Nordatlantik sowie die 
Nord- und Ostsee installiert. In Verbindung mit 
verbesserten meteorologischen Modellen kön 
nen damit erstmals Seegangsvorhersagen von 
hoher Qualität berechnet werden. Die routinemä 
ßige Verbreitung der Seegangsvorhersagen wird
	        
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