Technische Schiffssicherheit
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sterprüfungen, Probefahrten, Prüfungen vor Ver
wendung an Bord, Überwachung und Gesprä
chen mit Nautikern einen Katalog von Punkten
die verbesserungsbedürftig sind:
■ Es existieren zu viele Einzelanlagen mit
unverständlichem und je nach Hersteller
unterschiedlichem Bedienkonzept.
■ Die Benutzer sind durch zu viele Anga
ben, die als unnötig empfunden werden,
und die zudem ungeeignet zur Verfügung
gestellt werden, gefühlsmäßig überinfor
miert, wodurch die Prioritätenzuordnung
erschwert wird.
■ Bedienelemente sind mit Funktionen
mehrfach belegt, wodurch z. B. eine
Funktion über einen Zyklusschalter ange
wählt werden muß, ehe sie aktiviert wer
den kann.
■ Bildschirmorganisationen sind unüber
sichtlich und zwingen dazu, eine ge
wünschte Information umständlich her
auszusuchen.
■ Um eine Funktion zu aktivieren, gibt es
keine Auswahl- bzw. Anwahlmöglichkei
ten, es existiert nur ein einzig möglicher
Dialogweg.
■ Es existiert keine Zustandsanzeige für die
Navigationanlage, so daß den Benutzern
nicht dargestellt wird, in welchem Zustand
sich die Anlage befindet (Texteingabe,
Warten auf Auswahl, Warten auf Parame
ter-Eingabe, Rechnen, Drucken, Funktion
auslösen usw.).
■ Es existiert keine Direktanwahlmöglich-
keit im Dialogpfad, so daß lange Dialog
wege gegangen werden müssen, um von
einer Funktion zur anderen zu gelangen.
■ Das Rückgängigmachen von einzelnen
Dialogschritten (Eingaben, Funktionsaus
wahl, Selektion, Verschieben usw.) und
die Korrekturmöglichkeit für vorangegan
gene Angaben sind nicht möglich.
■ Die Farbgestaltung ist ungeeignet, insbe
sondere werden Signalfarben zu häufig
eingesetzt.
Für Mängel und Fehlentwicklungen gibt es
eine Vielzahl von Gründen. Ein Problem besteht
darin, daß die Entwickler von Anlagen und Gerä
ten der Navigation wohl nur in Ausnahmefällen
auch deren Benutzer sind. Ein weiterer Grund für
die seltene Übereinstimmung zwischen dem
technisch Machbaren und der navigatorischen
Eignung ist darin zu sehen, daß durch Wettbe
werb und, herausgefordert durch die Verfügbar
keit preiswerter Daten- und Informationstechni
ken, immer wieder vorhandene Einzelgeräte zu
Gerätekombinationen zusammengesetzt wer
den, die weder im einzelnen noch in der Gesamt
konfiguration den Anforderungen der Seeschif
fahrt entsprechen.
Die Prüfung und Bewertung von Benutzer
oberflächen ist nicht Teil der Baumusterprüfung
durch das BSH. Die Zulassung nautischer Anla
gen, Geräte und Instrumente durch das BSH ent
hält deshalb keine Aussage über die Schnittstelle
Mensch-Gerät.
Unabhängig davon hält es das BSH, insbe
sondere im Hinblick auf die Ein-Mann-Brücke, für
erforderlich, daß auch ergonomische Aspekte bei
der Prüfung und Zulassung nautischer Anlagen,
Geräte und Instrumente berücksichtigt werden.
Die Anforderungen sollten von den Anwen
dern, den nautischen Nutzern, aufgestellt wer
den. Daraus sind von Ergonomen Bewertungskri-