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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Knudsen-—Reinicke: Meereskunde mit besonderer Berücksichtigung d. dänischen Gewässer, 469 
Gewicht haben. - Die Ostsee erhält durch Niederschläge und die Flüsse mehr 
Zufuhr als wieder verdampft, das Wasser muß also steigen und einen Ausweg 
nach dem Skagerrak suchen, Ändert sich der Luftdruck, so ändert sich damit 
auch der Druck im Wasser, folglich werden auch dadurch Strömungen ver- 
ursacht; hoher Luftdruck über der Ostsee wird das Wasser aus ihr heraus- 
drücken, niedriger Luftdruck über der Ostsee wird das. Wasser durch das 
Kattegat und die Belte in. die Ostsee hineinsaugen. 
Eine außerordentlich wichtige Rolle spielen die Winde;. sie reißen die 
obersten Wasserschichten mit sich und stauen das Wasser z. B. an einer Küste 
beträchtlich über die Gleichgewichtsfläche auf, wozu die Wellenbewegung mächtig 
beiträgt, weil sie dem Winde gestattet, noch ganz anders auf das Wasser zu wirken, 
als wenn seine Oberfläche eben wäre, Staut nun der Wind das Wasser an einer 
Küste auf, so wächst dort der Druck und die unteren Schichten werden von der 
Küste wegströmen.‘ Weht z. B. in der Ostsee Nordwind, so steigt das Wasser. in 
der südlichen Ostsee, und die unteren Wasserschichten strömen nach. Norden, 
wo sie das vom Winde weggewehte Wasser ersetzen, und ist im Sund, in den 
Belten und dem Kattegat Nordwind von geringerer Stärke, so strömt das Wasser 
dorthin ab. Bewegt sich das Wasser mit beträchtlicher Geschwindigkeit über 
einen unterseeischen Rücken, .so reißt es tieferliegende Wasserteile mit, die 
ersetzt werden müssen; es strömen daher von allen Seiten neue Wasserteile 
zu, d. h. es entstehen neue Strömungen. Ganz ähnlich ist der Vorgang, wenn 
das Wasser an einem scharfen Küstenvorsprung entlang strömt, es entstehen 
dann die sogenannten Reaktions- oder Neerströmungen. . 
Bei der außerordentlich vielgestaltigen Gliederung der besprochenen 
Gewässer und bei der Unregelmäßigkeit des Meeresbodens müssen auch die 
Stromstärken und Stromrichtungen dort außerordentlich vielgestaltig und 
unregelmäßig sein; und ‚wenn im Vorstehenden auch versucht worden ist, die 
allgemeinen Gesichtspunkte zu erklären, nach denen sich die Bewegung des 
Wassers in jenen Meeresteilen vollzieht, so ist es doch ohne eingehende Unter- 
suchungen der tatsächlich vorkommenden Strömungen zur Zeit noch ganz 
unmöglich, im einzelnen bestimmte Regeln für den Verlauf der Strömungen 
aufzustellen. 
Kleinere Mitteilungen. 
i. Aufstiege von Drachen und Ballons im Passatgebiet des 
Atlantischen Ozeans. Mit Rücksicht auf den großen Wert, den die Frage 
nach dem Kreislauf der Atmosphäre in der Passatzone besitzt, haben die 
Herren Rotch und Teisserene de Bort gemeinsam eine Expedition auf einem 
kleinen Dampfer »Otaria« von 350 Tonnen ausgerüstet, auf dem die Herren 
Clayton und Maurice von deren Privat-Observatorien auf dem Blue Hill 
und zu Trappes gegenwärtig Aufstiege meteorologischer Registrierapparate 
im Nordostpassat des Atlantischen Ozeans durchführen. Die Ausrüstung 
sowohl als die Mannschaft sind dieselben, die bei ähnlichen Versuchen auf 
der Zuyderzee 1904 und im Mittelmeer 1905 verwendet wurden, so daß die 
dort gewonnenen Erfahrungnn im Manövrieren mit Drachen auf See Ver- 
wendung finden. Der Dampfer wird auch mit einer Anzahl von Ballons 
sondes ausgerüstet sein, wie sie in Trappes im Gebrauch sind. Herr Clayton 
hat schon auf dem Wege von Boston nach Gibraltar, wo er die »Otaria« 
erreichte, vom Passagierdampfer »Romanic« an 6 Tagen Drachenaufstiege bis 
zur mittleren Höhe von 1000 m veranstaltet. 
2, Schiffahrt auf dem Parana während einer Überschwenimung. 
Cameloten. (Hierzu Tafel 18.) Die Überschwemmung des Parana, welche im 
Juni und Juli dieses Jahres herrschte und viele Opfer an Menschen, besonders 
aber an Vieh forderte, und für viele Millionen Schaden angerichtet hat, .machte 
sich auch für die Schiffahrt unangenehm bemerkbar. Kommerziell zunächst 
noch nicht, weil die Basis der Großschiffahrt in den höher gelegenen korn- 
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