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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — Nr. 1. 1926.
zu weiteren Hoffnungen berechtigen: die Gründung der wiss. „Gesellschaft der William Mackenzie-
Expeditionen nach der Hudsonbai“, die 1915 unter der Leitung von Robert Flaberty auf der Höhe des
Hudsonmeers, in 56—57° n. Br., einige große Inseln entdeckt hat; 113 * ) ferner eine geologische Forschungs
reise im Aufträge der Staatsuniversität von Illinois im Sommer 1916, die durch genaues Studium der
Gesteinsverhältnisse westlich des Hudsonmeers der Lösung der noch stark umstrittenen Frage eines
früheren geologischen Zusammenhangs des Hudsonmeers mit dem Stillen Ozean nähertreten sollte. Die
ausführlichen Berichte beider Unternehmungen stehen noch aus.
Andrerseits ist auch das bisher Geleistete nicht zu unterschätzen. Wir können heute auf Grund
der vorhandenen Literatur eine allgemeine Kenntnis der wichtigsten geographischen Züge des Hud
sonmeers wohl gewinnen.
Zum Schlüsse des Abschnitts über die Entdeckungs- und Erforschungsgeschichte des Hudson
meers und die Entwicklung seines Kartenbildes seien noch ein paar Worte über den Namen „Hudson
bai“ gesagt:
Der Name „Hudsonbai“ wurde bis 1631 nur dem Teile des Hudsonmeers beigelegt, in dem Hud
son überwintert hatte, also der heutigen Jamesbai. Man nannte ihn aber im Plural „Hudson’s bays“,
weil man ihn durch eine langgestreckte Halbinsel in 2 Buchten geteilt glaubte. Das breite, eigentliche
Hudsonmeer hieß „Buttons Bay“, nach Button, der es als erster durchquert hatte. Seit James und zum
1. Male auf James’ Karte wird die südliche Verlängerung Jamesbai, die nördlich davon gelegene breite
Wassermasse „Hudsonbai“ genannt. Doch steht ungefähr 100 Jahre lang nach James „Buttons Bay“
noch in der westlichen Hälfte des als „Hudsonbai“ bezeichneten Hauptteils, südlich vom Eingänge zu
Roes Welcome. Auf späteren Karten fällt diese Bezeichnung entweder ganz weg („Generalkarte saemmt-
licher Entdeckungen von James Gook 1789“) 1U ) oder wird nur auf die kleine, nordwestlich von Chur
chill gelegene Bucht bezogen. (Amtl. Seekarte, Karte bei Stieler und bei Andree usw.) 115 ) Die Berech
tigung des Namens „Hudsonmeer“ wird bei der Erörterung der Größenverhältnisse nachgewiesen.
113 ) Bull, of the Am. Geogr. Soe. 1915, S. 531.
Geogr. Journal 1915, S. 440.
Geogr. Zcitschr. 1915, S. 593.
ut ) Auch auf der „Charte von Nord-Amerika“ von Giißefeld, Nürnberg.
u5 ) In einem Falle, auf der „Weltcharte in Merkators Projektion“ von Chr. G. Keichard, Nürnberg 1825, auch
auf eine kleine dreieckige Bucht an der Nelsonmündung.