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44. Jahresbericht Deutsches Hydrographisches Institut 1989
Mit den Herstellern und Vertretern nautischer Anlagen, Geräte und Instrumente
wurde in Vorbereitung auf den EG-Binnenmarkt weitgehend Übereinstimmung
über die zukünftige Struktur von Baumusterprüfungen und -Zulassungen erzielt.
Unter Berücksichtigung des EG-Konzepts für Zertifizierung und Qualitätssiche
rung wurde damit begonnen, Prüf- und Zulassungsvoraussetzungen zu überarbei
ten oder neu aufzustellen.
Das DHI ist federführend an der Entwicklung eines numerischen Modells beteiligt,
das die Wechselwirkung zwischen Windfeld, Seegang, Strömung und Wasserstand
im Nahbereich der deutschen Nordseeküsten wiedergeben soll. Damit wird eine
Möglichkeit geschaffen, Fragen der Schiffssicherheit und des Umwelt- und Küsten
schutzes zuverlässiger zu beantworten.
Nach der Indienststellung zweier weiterer unbemannter Feuerschiffe umfaßt das
Meßnetz Nord-/Ostsee vier automatisch registrierende Stationen in der Deutschen
Bucht und zwei in der westlichen Ostsee. Die dort gemessenen und sofort über
Satellit übertragenen Daten (z.Z. Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoff, Radioaktivi
tät, Strömung und Wasserstand) dienen der Langzeitüberwachung der Meeresum
welt, den nautisch-hydrographischen Diensten, insbesondere der Sturmflutvor
hersage und dem Eisnaehrichtendienst.
Zur besseren Nutzung der Satelliten-Femerkundung für Seeschiffahrt, Meeres
umwelt und Meeresforschung wurde eine Empfangs- und Bearbeitungsanlage für
ozeanographische Satellitendaten in Betrieb genommen.
Im Mai tagte eine Arbeitsgruppe des Schiffahrtsausschusses der Helsinki-Kommis
sion im DHI. Sie erarbeitete zur Beschlußfassung für den Schiffahrtsausschuß der
Kommission verbindliche Maßnahmen für Sammeltanks auf Schiffen, damit ein
unerlaubtes Einleiten von Schiffsabwässern in die Ostsee ausgeschlossen wird.
Das DHI beteiligte sich an der wissenschaftlichen Vorbereitung der 3. Internationa
len Nordseeschutz-Konferenz, die im März 1990 in Den Haag stattfand. In einer
internationalen Arbeitsgruppe wurde für die Konferenz ein Bericht über den
gegenwärtigen Zustand der Nordsee und über zukünftige Forschungsschwer
punkte erarbeitet. Die gemeinsam mit dem Umweltbundesamt betriebene Meeres
umweltdatenbank lieferte umfassende Unterlagen für die nationale und inter
nationale Arbeit.
Neben vielfältiger nationaler Forschungstätigkeit intensivierte das DHI die Mitar
beit an europäischen Programmen, die helfen sollen, die physikalischen und che
mischen Verhältnisse in den europäischen Meeren besser zu verstehen.
Verstöße der Schiffahrt gegen die Pflicht, Öltagebücher zu führen, waren Anlaß
für 125 Ermittlungsverfahren. In den meisten Fällen wurden Bußgeldbescheide
erlassen.
Das vom DHI seit längerem angestrebte Ziel, die Einbringung von Dünnsäure in
die Nordsee bis Ende 1989 zu beenden, wurde erreicht. Auch für die Verbrennung
von Abfallstoffen auf See wurden keine neuen Erlaubnisse erteilt. Damit ist die
gesamte Abfallbeseitigung aus der Bundesrepublik Deutschland auf See zum Jah
resende beendet worden, nachdem die Mengen der eingebrachten und verbrann
ten Abfallstoffe im Vergleich zu den Vorjahren bereits verringert werden konnten.
Die internationale Zusammenarbeit wurde weiter vertieft. Angehörige des DHI
arbeiteten in mehr als 20 internationalen Organisationen mit. Ein Besuch des
Stellvertretenden Vorsitzenden der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften,
Prof. Dr, Ilyichev, diente der Verstärkung der Zusammenarbeit mit der UdSSR im
Bereich der Meeresforschung. Der stellvertretende Generalsekretär der IMO,
Dr. Mensah, unterrichtete sich im DHI über dessen Arbeiten.