Technische Schiffssicherheit
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erfolgten Entstörmaßnahmen durch die Herstellerfirmen erfüllten die Geräte auch
die EMV-Prüfbedingen des DHI.
Auf dem Markt befinden sich aber zahlreiche Typen von Fluxgate-Kompassen, die
ausschließlich für den Sportbootbereich gedacht sind, die deshalb einer Bau
musterprüfung nicht unterzogen werden und damit nicht automatisch einen EMV-
Test durchlaufen. Es ist zu befürchten, daß sich darunter auch solche befinden,
die keine ausreichende Störfestigkeit haben. Kritische Aufmerksamkeit von Benut
zern und Herstellern ist also erforderlich, besonders dann, wenn sich auch ein
Funkgerät an Bord befindet. Das Funkgerät wird hier stellvertretend erwähnt, da
es üblicherweise die weitaus stärkste Hochfrequenzquelle an Bord ist. In der
Praxis kommen aber auch andere Geräte als Störquelle in Betracht, besonders
weü gerade in Sportbooten aus Platzgründen „dicht gepackt“ wird und damit auch
miteinander unverträgliche Geräte zu dicht nebeneinander eingebaut werden.
Eine Schlüsselrolle spielt bei EMV-Problemen immer wieder das oft verwendete
Kunststoffgehäuse. Es ist kein Zufall, daß alle zur Prüfung vorgestellten Geräte
mit einem Kunststoffgehäuse zunächst weder in der Störaussendung noch in der
Störfestigkeit die Prüfbedingungen erfüllen. Das einzige Gerät mit einem Metallge-
häuse war auch das einzige, das die EMV-Prüfung ohne Beanstandung durchlief.
Zwei Aspekte kommen bei Kunststoffgehäusen zum Tragen: Erstens hat Kunststoff
an sich keine Schirmwirkung. Die allgegenwärtigen elektromagnetischen Stör
strahlungen dringen folglich ungehindert zu den Schaltungsteilen im Innern vor
und können hier Störungen verursachen. Soll ein Kunststoffgehäuse dennoch
gewissen Anforderungen an Schirmwirkung genügen, so muß es durch Metallein
lagen, Folien oder durch Aufdampfen oder -sprühen von metallischen Schichten
nachgerüstet werden. Der Haken bei den Schirmmateriahen ist jedoch, daß dünne
Schichten, etwa aus Kupfer, die sich preiswert aufbringen lassen, wohl bei hohen
Frequenzen recht wirksam sein können, bei tieferen aber zunehmend durchlässig
werden. Um auch tiefere Frequenzen wirksam abzuschirmen, sind zunehmend
ferromagnetische Materialien und/oder gewisse Wandstärken erforderlich, aber
beide Maßnahmen treiben die Fertigungskosten in die Höhe.
Der zweite Aspekt ist, daß Kunststoffgehäuse die Erdungs- und Massungspro-
bleme vergrößern. Wollte man hier etwa den Schirm einer ankommenden Leitung
mit dem Gehäuse verbinden, ist es fast unmöglich aber gleichzeitig auch sinnlos.
Der dann gewählte Kompromiß, wie er auch aussehen mag, ist mit Sicherheit eine
schlechtere Lösung als dies eine einwandfrei mit einem Metallgehäuse ver
schraubte Metalldurchführung wäre, auf die der Kabelschirm ringförmig aufge
legt ist. Leider ist aber, wie so oft, die beste Lösung zugleich die teuerste.
Es ist unbestritten, daß man eine elektronische Schaltung durch sorgfältige Aus
legung auch in sich so störfest machen kann, daß sie ohne Schirmgehäuse ein
wandfrei arbeitet, sofern die Störeinwirkungen nicht zu extrem sind. Auch von der
Möglichkeit, einem Kunststoffgehäuse durch Metallisierung eine ausreichende
Schirmwirkung zu geben, wird mit Erfolg in der Industrie Gebrauch gemacht. In
alle Überlegungen sollte aber auch das Metallgehäuse als die Möglichkeit, die den
sichersten Erfolg verspricht, mit einbezogen werden. Für welchen Weg sich der
Entwickler auch entscheidet, es muß immer wieder nachdrücklich darauf hinge
wiesen werden, daß die EMV-Belange von Anfang an bei der Entwicklung eines
Gerätes berücksichtigt werden sollten. Jedenfalls kommen nachträgliche Maßnah
men zur Verbesserung der EMV meistens weit teurer zu stehen, als es die Einspa
rungen, die durch unterlassene Vorbeugemaßnahmen gemacht werden, wert sind.