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Volltext : Jahresbericht 1989

Technische  Schiffssicherheit

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erfolgten  Entstörmaßnahmen  durch  die  Herstellerfirmen  erfüllten  die  Geräte  auch
die  EMV-Prüfbedingen  des  DHI.
Auf  dem  Markt  befinden  sich  aber  zahlreiche  Typen  von  Fluxgate-Kompassen,  die
ausschließlich  für  den  Sportbootbereich  gedacht  sind,  die  deshalb  einer  Baumusterprüfung ­
  nicht  unterzogen  werden  und  damit  nicht  automatisch  einen  EMV-Test
  durchlaufen.  Es  ist  zu  befürchten,  daß  sich  darunter  auch  solche  befinden,
die  keine  ausreichende  Störfestigkeit  haben.  Kritische  Aufmerksamkeit  von  Benutzern ­
  und  Herstellern  ist  also  erforderlich,  besonders  dann,  wenn  sich  auch  ein
Funkgerät  an  Bord  befindet.  Das  Funkgerät  wird  hier  stellvertretend  erwähnt,  da
es  üblicherweise  die  weitaus  stärkste  Hochfrequenzquelle  an  Bord  ist.  In  der
Praxis  kommen  aber  auch  andere  Geräte  als  Störquelle  in  Betracht,  besonders
weü  gerade  in  Sportbooten  aus  Platzgründen  „dicht  gepackt“  wird  und  damit  auch
miteinander  unverträgliche  Geräte  zu  dicht  nebeneinander  eingebaut  werden.
Eine  Schlüsselrolle  spielt  bei  EMV-Problemen  immer  wieder  das  oft  verwendete
Kunststoffgehäuse.  Es  ist  kein  Zufall,  daß  alle  zur  Prüfung  vorgestellten  Geräte
mit  einem  Kunststoffgehäuse  zunächst  weder  in  der  Störaussendung  noch  in  der
Störfestigkeit  die  Prüfbedingungen  erfüllen.  Das  einzige  Gerät  mit  einem  Metallgehäuse
  war  auch  das  einzige,  das  die  EMV-Prüfung  ohne  Beanstandung  durchlief.
Zwei  Aspekte  kommen  bei  Kunststoffgehäusen  zum  Tragen:  Erstens  hat  Kunststoff
an  sich  keine  Schirmwirkung.  Die  allgegenwärtigen  elektromagnetischen  Störstrahlungen ­
  dringen  folglich  ungehindert  zu  den  Schaltungsteilen  im  Innern  vor
und  können  hier  Störungen  verursachen.  Soll  ein  Kunststoffgehäuse  dennoch
gewissen  Anforderungen  an  Schirmwirkung  genügen,  so  muß  es  durch  Metalleinlagen, ­
  Folien  oder  durch  Aufdampfen  oder  -sprühen  von  metallischen  Schichten
nachgerüstet  werden.  Der  Haken  bei  den  Schirmmateriahen  ist  jedoch,  daß  dünne
Schichten,  etwa  aus  Kupfer,  die  sich  preiswert  aufbringen  lassen,  wohl  bei  hohen
Frequenzen  recht  wirksam  sein  können,  bei  tieferen  aber  zunehmend  durchlässig
werden.  Um  auch  tiefere  Frequenzen  wirksam  abzuschirmen,  sind  zunehmend
ferromagnetische  Materialien  und/oder  gewisse  Wandstärken  erforderlich,  aber
beide  Maßnahmen  treiben  die  Fertigungskosten  in  die  Höhe.
Der  zweite  Aspekt  ist,  daß  Kunststoffgehäuse  die  Erdungs-  und  Massungsprobleme
  vergrößern.  Wollte  man  hier  etwa  den  Schirm  einer  ankommenden  Leitung
mit  dem  Gehäuse  verbinden,  ist  es  fast  unmöglich  aber  gleichzeitig  auch  sinnlos.
Der  dann  gewählte  Kompromiß,  wie  er  auch  aussehen  mag,  ist  mit  Sicherheit  eine
schlechtere  Lösung  als  dies  eine  einwandfrei  mit  einem  Metallgehäuse  verschraubte ­
  Metalldurchführung  wäre,  auf  die  der  Kabelschirm  ringförmig  aufgelegt ­
  ist.  Leider  ist  aber,  wie  so  oft,  die  beste  Lösung  zugleich  die  teuerste.
Es  ist  unbestritten,  daß  man  eine  elektronische  Schaltung  durch  sorgfältige  Auslegung ­
  auch  in  sich  so  störfest  machen  kann,  daß  sie  ohne  Schirmgehäuse  einwandfrei ­
  arbeitet,  sofern  die  Störeinwirkungen  nicht  zu  extrem  sind.  Auch  von  der
Möglichkeit,  einem  Kunststoffgehäuse  durch  Metallisierung  eine  ausreichende
Schirmwirkung  zu  geben,  wird  mit  Erfolg  in  der  Industrie  Gebrauch  gemacht.  In
alle  Überlegungen  sollte  aber  auch  das  Metallgehäuse  als  die  Möglichkeit,  die  den
sichersten  Erfolg  verspricht,  mit  einbezogen  werden.  Für  welchen  Weg  sich  der
Entwickler  auch  entscheidet,  es  muß  immer  wieder  nachdrücklich  darauf  hingewiesen ­
  werden,  daß  die  EMV-Belange  von  Anfang  an  bei  der  Entwicklung  eines
Gerätes  berücksichtigt  werden  sollten.  Jedenfalls  kommen  nachträgliche  Maßnahmen ­
  zur  Verbesserung  der  EMV  meistens  weit  teurer  zu  stehen,  als  es  die  Einsparungen, ­
  die  durch  unterlassene  Vorbeugemaßnahmen  gemacht  werden,  wert  sind.
            
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