Meereskunde
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Die von den unterschiedlichen Strömungsmessern auf uneinheitlichen Daten
trägern aufgezeichneten Zeitreihen müssen auf einen durch den Aufbereitungs-
rechner für Forschungsschiffsdaten lesbaren Standard gebracht werden. Dazu
wurden ein Tischrechner mit entsprechender Datenleseperipherie vorgeschaltet
und die erforderlichen Software-Programme entwickelt. Diese Programme erlau
ben auch eine Fehlererkennung und -Statistik sowie eine Datenrestaurierung.
Meßnetz:
Für den künftigen Betrieb und Ausbau des ozeanographischen Meßnetzes auf
dem deutschen Festlandsockel wurde dem BMV ein Konzept zur Genehmigung
vorgelegt, in dem die wissenschaftlich-technischen Notwendigkeiten sowie mittel
fristig ab 1990 der Bedarf an Sachmitteln, Schiffskapazität und zusätzlichem
Personal dargestellt werden. Die Meßnetzstationen auf dem Leuchtturm Kiel und
der Großtonne Fehmarnbelt in der Ostsee sowie auf den unbemannten Feuerschif
fen (UFS) Elbe und TW Ems in der Nordsee wurden routinemäßig weiterbetrieben.
Die Sensorausstattung der Stationen auf den UFS wurde vervollständigt.
Im April wurde eine weitere Meßnetzstation auf dem UFS Deutsche Bucht in
Betrieb genommen. Die geplante Neuauslegung der Station Nordseeboje II sowie
die Nachrüstung der auf der Forschungsplattform Nordsee betriebenen Station
konnten, teils wegen technischer Probleme von Zulieferfirmen, teils wegen der
bestehenden Personalengpässe, nicht durchgeführt werden.
Die Betriebserfahrungen mit den UFS in der Deutschen Bucht haben gezeigt, daß
Materialbeanspruchung und -ermüdung deutlich stärker sind als auf der NSB II
unter gleichen regionalen Einsatzbedingungen und der Großtonne Fehmarnbelt
unter Ostsee-Bedingungen. Die Ursache liegt in den relativ hohen Beschleuni
gungsspitzen, denen die Meßketten aufgrund von Größe, Form und Verankerungs
art der UFS und der überwiegend vorherrschenden Seegangsverhältnisse in der
Nordsee ausgesetzt sind.
Bei der NSB II verhindern ihre hervorragenden Stabilisierungseigenschaften das
Auftreten hoher Beschleunigungswerte, bei der Großtonne Fehmarnbelt die
wesentlich günstigeren Seegangsbedingungen ihrer Verankerungsposition.
Eine Reihe von Maßnahmen wurden ergriffen, um die Standzeit der Meßketten
auf den UFS zu verlängern. So wurde z. B. die allgemein in der ozeanographischen
Verankerungstechnik eingeführte Verwendung von Preßhülsen zur Festsetzung
der Endkauschen der Stahlträgerseile zugunsten der altbewährten, haltbareren
Spleißtechnik aufgegeben. Ferner wurden die für die Bündelung der Sensorkabel
in Kombination mit Nylon-Straps verwendeten speziellen Kunststoff-Montageele
mente als nicht rutschsicher genug verworfen und beides durch Taklings aus
Perlonleine ersetzt. So wurde die Längsstabilität der Meßkette erhöht und ihr
wirksamer Außendurchmesser merklich herabgesetzt. Dies hat eine verminderte
Wasserreibung bei erzwungenen Vertikalbewegungen zur Folge und verringert
den Widerstand bei seitlicher Anströmung, Mit derselben Zielrichtung wurden in
Zusammenarbeit mit den Herstellerfirmen die Sensorträger der Meßketten geän
dert und die Gehäuse einiger Sensoren verkleinert.
Die geschilderten Änderungen führten auch zur Erleichterung der Handhabung
der Meßketten beim Ein- und Ausbringen.
Erhebliche Standzeitprobleme bereiteten die Sauerstoffsensoren. Die befriedigen
den Erprobungsergebnisse zurückliegender Jahre am Leuchtturm Kiel mit Stand
zeiten von 3 bis 4 Monaten konnten in der Nordsee auf den UFS auch nicht
annähernd erreicht werden. Die Ursachen konnten noch nicht ausreichend geklärt
werden. Abhilfe durch technische Verbesserung ist dringend erforderlich, hier
läge z.B. ein wichtiges Betätigungsfeld für einschlägige EUROMAR-Projekte.