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44. Jahresbericht Deutsches Hydrographisches Institut 1989
Das DHI gab mehrere biologisch-fachliche Stellungnahmen zu polizeilichen und
staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren in Fällen des Verdachts auf Gewäs
serverunreinigung durch Schiffe ab, die Ladungsreste oder Waschwässer über
Bord gegeben hatten.
2.2.4,2 Meßsysteme und -methoden, Meßnetz
Systeme:
Das Schleppmeßsystem „Delphin“ in der bisherigen im DHI entwickelten Form
wurde routinemäßig auf 8 Forschungsfahrten der Schiffe FS „Gauß“, VWFS
„Atair“ und FS „Vaidivia“ weiterhin eingesetzt. Daneben wurden erstmalig Kompo
nenten des von der Firma Salzgitter Elektronik industriell im Auftrag des DHI
gefertigten ersten Exemplars der neuen Generation des „Delphin“ erfolgreich
erprobt. Besonders erwähnt werden soll hier nur der PID-Regler, der für die
Tiefensteuerung des Systems verantwortlich ist. Die neue computergestützte Aus
führung, die industrielle Software mit sehr flexiblen Anwendungsmöglichkeiten
verwendet, konnte problemlos im praktischen Fährbetrieb die alte analoge Hard
ware ersetzen, die eine befriedigende Anpassung des Regelverhaltens unter be
stimmten Einsatzbedingungen nicht zuließ.
Die bei erstmaligen ln-situ-Vergleiehen im Vorjahr an den Mini-CTD-Sonden der
Firma Sensoren-Instrumente-Systeme beobachteten Instabilitäten der Leitfähig
keitssensoren erforderten zusätzliche Laboruntersuchungen. Diese erhärteten
den Verdacht, daß unterschiedliche, durch Varüeren der Reinigungsmethode
beeinflußbare nicht sichtbare Oberflächenfilme auf den blanken Elektroden die
Ursache für die gefundenen Effekte sein dürften. Der Hersteller muß entweder
durch Verwendung andersartigen Elektrodenmaterials oder Beschichtung der vor
handenen Metallelektroden mit feinverteiltem Platin Abhilfe schaffen. Wahr
scheinlich müssen zudem auch Form und Anordnung der Meßelektroden umkon
struiert werden.
Um bei der u. a. durch den Ausbau des Meßnetzes in den letzten Jahren im DHI
stark angestiegenen Zahl ozeanographischer Meßsysteme und Sensoren auf die
Dauer die Qualität der Meßdaten sichern zu können, wurde die Schaffung lei
stungsfähiger Kalibriereinrichtungen fortgesetzt. So wurden neben der bereits
länger verwendeten Wasser-Tripelpunktzelle (Referenztemperatur 0,010 °C) zwei
weitere Standards durch Beschaffung einer Diphenylether-Zelle und Bau einer
Gallium-Zelle mit den Referenz-Temperaturen 26,868 C bzw. 29,773 C eingeführt.
Angaben nach der alten Internationalen Praktischen Temperaturskala (IPTS-68),
die ab 1990 durch die neue Internationale Temperaturskala (ITS-90) mit entspre
chenden Konsequenzen für die Kalibrierung abgelöst wird.
Zur Modernisierung und Vereinheitlichung der unterschiedlichen CTD-Systeme
der Firma E. G. & G. im DHI wurden neu beschaffte Bordgeräte getestet und an die
ebenfalls neu beschafften Personalcomputer mit Peripherie angepaßt. Sie liefern
die speziell auf die Anwendungen im DHI ausgerichtete Sofortdarstellung der
Meßdaten. Um eine bessere Handhabung der großen Datenmengen der CTD- und
„Delphin“-Systeme zu ermöglichen, wurden moderne Kompaktspeicher auf ihre
Eignung für den Einsatz auf See und problemlose Verarbeitung im Großrechner
an Land untersucht.
Die CTD-Software der Firma E. G. & G. wurde gründlich auf Eignung für die
speziellen Einsatzbedingungen im DHI untersucht und in zahlreichen Punkten,
insbesondere Handhabung, Datensicherung und -Speicherung als unzweckmäßig
und unzureichend erkannt. Die notwendigen Änderungen hätten derartige
Schwierigkeiten bereitet, daß nach sorgfältiger Abwägung eine Eigenentwicklung
beschlossen und in Angriff genommen wurde.