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44. Jahresbericht Deutsches Hydrographisches Institut 1989
Erdöl-Kohlenwasserstoffe:
Neben der routinemäßigen Überwachung der Deutschen Bucht und der westlichen
Ostsee fanden im April Anschlußmessungen in der Ostsee, im Skagerrak/Kattegat,
in der südlichen Nordsee und im Kanal statt. Die Verteilung der Erdöl-Kohlenwas
serstoffe (EKW) in der Ostsee ist sehr homogen und zeigt keine ausgeprägten
Maxima oder Minima (Abb. 20). Im gesamten Untersuchungsgebiet liegen die
Werte der Fluoreszenzmessungen (relative Werte bezogen auf Ekofisk-Rohöl) zwi
schen 1,1 und 2,9 pg/1.
Die Werte sind in der Nordsee im Durchschnitt deutlich geringer als in der Ostsee
und liegen in der zentralen südlichen Nordsee zwischen 0,6 und 1,1 pg/1. (Aus
diesen Fluoreszenzdaten darf nicht geschlossen werden, daß der Kohlenwasser
stoffgehalt in den Nordsee-Proben nur halb so groß ist wie in der Ostsee, da die
fluoreszenzspektroskopische Bestimmungsmethode summarisch alle fluoreszie
renden Bestandteile erfaßt, die qualitative Unterschiede in der Zusammensetzung
der Proben jedoch nicht berücksichtigt.) Im Gegensatz zur Ostsee sind in der
Nordsee einige Quellen und Senken zu erkennen (Abb. 21): Im Skagerrak/Kattegat
ist das ausströmende OstseeWasser an den höheren Oberflächenwerten deutlich
erkennbar, während in den Tiefenproben das Nordseewasser durch geringere
Werte charakterisiert ist. Mittels detaillierterer Untersuchungsmethoden (Hoch
druckflüssigchromatographie mit Fluoreszenz-Detektion) lassen sich in diesem
Seegebiet die jeweiligen Wasserkörper auch anhand ihrer quaütativen Besonder
heiten der stofflichen Zusammensetzung nachweisen: das Ostseewasser weist
relativ einen höheren Anteil an polaren Nicht-Kohlenwasserstoffen auf.
Die geringsten Werte sind erwartungsgemäß im Kanal zu finden (0,45 iig/1), durch
den frisches, relativ unversehmutztes Atlantikwasser in die Nordsee einströmt.
Erhöhte Werte finden sich dagegen vor den Küsten und insbesondere vor den
Mündungen der großen Flüsse Themse, Rhein, Weser und Elbe. Die höchsten
Konzentrationen sind in der Deutschen Bucht anzutreffen, in der Werte zwischen
1 und 13 pg/1 auftreten. Anschlußmessungen in der Elbe (z. B. 50 pg/1 bei Bruns
büttel) zeigen deutlich, daß diese hohen Werte hauptsächlich durch den Elbe-Ein
trag verursacht werden.
In Zusammenarbeit mit der Norddeutschen Naturschutzakademie, Schneverdin
gen, und dem Verein Jordsand wurden 105 Proben von Ölverschmutzungen der
Deutschen Bucht (vorwiegend verölte Seevögel) untersucht. Es handelt sich hier
bei um das Nachfolgeprqjekt des Projektes des Umweltbundesamtes „Verschmut
zung der Nordsee durch 01 und Schiffsmüll“. In diesem neuen Projekt soll versucht
werden, herauszufinden, ob die Maßnahmen zur Eindämmung der Ölverschmut
zung der Deutschen Bucht, insbesondere die Einrichtung einer kostenfreien Ent
sorgung in allen Seehäfen der Bundesrepublik, greifen. Nach den Erfahrungen
aus dem vorangegangenen Projekt wurden dazu bestimmte, für die Deutsche
Bucht repräsentative „Sammelstrecken“ ausgewählt, die zweimal im Monat nach
Ölverschmutzungen abgesucht werden. In 94% der Proben konnten Rückstände
aus dem „normalen“ Schiffsbetrieb nachgewiesen werden.
Für das Projekt „Untersuchungen zum Nachweis über die von Seeschiffen aus
gehende Belastung der Meeresumwelt durch Einleitung ölhaltiger Gemische nach
MARPOL 73/78“ wurden in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle für die
Seeschiffahrt zu Hamburg (FSSH) 252 Proben von gelenzten Bilgenabwässern von
40 Schiffen untersucht. 39 dieser Schiffe waren mit Entöler- und Kontrollsystemen
ausgerüstet, die sicherstellen sollten, das der Ölgehalt in den Lenzabwässern
höchstens 15 ppm beträgt.