Meereskunde
63
Für organische Stoffe ist das Sediment eine wichtige Zwischenstufe auf dem Weg
zum endgültigen Abbau der Stoffe. Einige organische Stoffe lagern sich vorzugs
weise an suspendiertem Material an und werden über die Schwebstoffe in das
Sediment eingetragen. Unter aeroben Bedingungen erfolgt dann Metabolisierung;
unter anoxischen Verhältnissen kommt der Abbau weitgehend zum Stillstand. Der
Eintrag von Schadstoffen in das Sediment ist ein dynamischer Prozeß zwischen
Ablagerung und Resuspendierung. In der Nordsee gibt es nur wenige Gebiete, in
denen eine Akkumulation von Stoffen möglich ist. Die Gezeitenströme nehmen
suspendiertes Material wieder auf und sorgen für weiteren Abbau unter oxischen
Bedingungen.
In der Ostsee fehlen die Gezeiten; die anhaltende Salzgehaltsschichtung führt zu
anoxischen Zuständen in weiten Bereichen des Bodenwassers mit entsprechend
vermindertem Abbau.
Die Untersuchungen einer ersten Serie von Sedimenten aus Nord- und Ostsee
konnten abgeschlossen werden. Danach sind die Sedimente der Ostsee generell
höher belastet als die der Nordsee. Daneben gibt es aber auch Anzeichen unter
schiedlicher spezifischer Kontamination.
Ein Treffen zur Vorbereitung der 2. Periodischen Beurteilung des Zustands der
Ostsee innerhalb des Helsinki-Übereinkommens fand in Tallin (UdSSR) statt. Es
wurden erste Ergebnisse diskutiert, die weitere Vorgehensweise und die Zeitpläne
festgelegt.
Bei einer Tagung des Comité Arctique International in Oslo über den globalen
Transport und die Akkumulierung von Chlorkohlenwasserstoffen in der Arktis
wurden Untersuchungsergebnisse des DHI aus dieser Region vorgetragen und an
einem Maßnahmenkatalog für den Schutz der Arktis gearbeitet, der im Mai 1990
der Brundtland-Kommission vorgelegt werden wird.
Die federführende Vertretung durch das DHI im gemeinsamen Bund/Länder-Meß-
programm Nordseeküste wurde fortgesetzt. Das herausragende Thema des Jahres
war der Abschlußbericht für die Daten aus 1986/87.
Ziele einer gemeinsamen Sitzung der North Sea Task Force und der Joint Monitor
ing Group in London waren, die Überwachungsprogramme der Nordseeanlieger
aufeinander abzustimmen und durch Methoden der Qualitätssicherung von Daten
miteinander vergleichbar zu machen.
Eine Tagung beim Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) beschäftigte
sich im Dezember ausschließlich mit der zeitlichen Veränderung der Meeresver
schmutzung, Aus Daten des DHI konnte ein Beitrag über die Belastung mit organi
schen Schadstoffen im Wasser von Nord- und Ostsee geliefert werden. Diese Daten
belegen in der Deutschen Bucht eine Abnahme von HCB und a-HCH von 1980 bis
heute. Für das ß-HCH (Lindan) ist eine Abnahme nicht erkennbar. Diese Aussage
wird durch Eintragsdaten der Elbe gestützt.
Chlorphenole:
Auf einer vierwöchigen Reise mit FS „Valdivia“ vom 30. März bis zum 27. April
wurde im ersten Fahrtabschnitt die westliche und die zentrale Ostsee beprobt,
wobei neben zwei Arbeitsgruppen vom DHI auch Wissenschaftler aus der DDR,
aus der UdSSR und aus Polen beteiligt waren. Der Fahrtverlauf des zweiten
Fahrtabschnitts ging über das Kattegat und den Skagerrak, die Deutsche Bucht,
die südliche Nordsee bis in den Englischen Kanal.
Erste Ergebnisse von Untersuchungen im Wasserkörper auf Chlorphenole weisen
die Flußmündungsgebiete von Oder, Elbe und Rhein als die am höchsten belaste
ten marinen Regionen aus. Dieses deutet darauf hin, daß auch die Chlorphenole
zu einem großen Teil über die Flüsse in den marinen Bereich gelangen.