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Full text : Jahresbericht 1989

Meereskunde

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Die  Kontamination  durch  den  Reaktorunfall  von  Tschernobyl  ist  im  Wasser  der
Nordsee  1989  nicht  mehr  nachzuweisen.  Lediglich  in  den  Oberflächensedimenten
der  Deutschen  Bucht  lassen  sich  noch  Cs  134  und  Ru  106  bestimmen»  die  auf
Tschernobyl  zurückgeführt  werden  können.  Hier  überwiegt  aber  bei  weitem  die
Kontamination  durch  die  französische  Wiederaufbereitungsanlage  La  Hague  mit
Cs  137,  Sb  125,  Co  60  und  Ru  106.
Die  Kontamination  der  Ostsee  mit  künstlichen  Radionukliden  war  in  den  Vorjahren
hauptsächlich  durch  die  oberirdischen  Kernwaffentests  der  sechziger  Jahre  bestimmt. ­
  Nach  dem  Unfall  von  Tschernobyl  hat  sich  das  Inventar  der  Ostsee  an
künstlichen  Radionukliden  drastisch  erhöht.  Dieser  Eintrag  wird  in  der  Ostsee
über  längere  Zeit  verbleiben,  da  der  Wasseraustausch  mit  den  offenen  Wassermassen ­
  des  Nordatlantiks  durch  die  Beltsee  stark  eingeschränkt  ist.  Dementsprechend
ging  die  Kontamination  der  Ostsee  durch  den  Reaktorunfall  erheblich  langsamer
zurück,  Der  Schwerpunkt  des  Fallout  lag  jedoch  in  der  nördlichen  Ostsee.
Küstengewässer;
An  den  Positionen  der  ehemaligen  Feuerschiffe  „Borkumriff‘  und  „Elbe  1"  wurden
weiterhin  monatlich  Wasserproben  entnommen  und  auf  ihren  Gehalt  an  Cs  137
und  Sr  90  untersucht.  Für  Cs  137  wurden  hierbei  Aktivitätskonzentrationen  zwischen ­
  7,7  und  15,4  mBq/1  und  für  Sr  90  zwischen  10,2  und  16,6  mBq/1  bestimmt.
In  der  westüchen  Ostsee  wurde  die  Aktivitätskonzentration  der  Vorjahre  noch
nicht  wieder  erreicht.  1989  wurden  für  Cs  137  Werte  zwischen  80  und  100  mBq/1,
für  Cs  134  zwischen  12  und  20  mBq/1  ermittelt.  Infolge  des  Vordringens  höher
kontaminierter  Wassermassen  aus  der  nördlichen  Ostsee  liegt  die  Konzentration
erwartungsgemäß  an  den  weiter  östlich  gelegenen  Stationen  höher.
Großräumige  Untersuchungen:
Zur  Beurteilung  der  großräumigen  Verteilung  künstlicher  Radionuklide  und  zur
frühzeitigen  Vorhersage  einer  möglichen  Verfrachtung  einer  höheren  Radioaktivitätskonzentration ­
  in  den  deutschen  Küstenbereich  durch  Meeresströmungen  wurden ­
  in  Nordsee,  Kanal,  Skagerrak,  Kattegat,  westlicher  und  zentraler  Ostsee  Wasserproben ­
  entnommen.  In  der  Nordsee  nimmt  die  künstliche  Radioaktivität  weiter
ab,  da  die  Wiederaufbereitungsanlage  Sellafield  seit  Jahren  die  radioaktiven  Einleitungen ­
  in  die  Irische  See  stark  drosselt  Der  Umgang  mit  der  Radioaktivität  ist
damit  ein  gutes  Beispiel  internationaler  Bemühungen  zur  Verringerung  von  Schadstoffeinleitungen ­
  in  die  Meeresumwelt.
In  der  Ostsee  war  festzustellen,  daß  die  Aktivitätskonzentration  von  Cs  137  im
Oberflächenwasser  des  Seegebiets  von  Bornholm  auf  Werte  um  100  bis  115  mBq/1
gegenüber  Werten  zwischen  120  bis  140  mBq/1  im  Jahre  1988  leicht  abnahm.  In
der  Ostsee  übersteigt  die  gemessene  Aktivitätskonzentration  noch  diejenige,  die  in
den  Jahren  vor  dem  Reaktorunfall  von  Tschernobyl  zu  verzeichnen  war.

Radioaktivität  im  Schwebstoff  und  Sediment  :
Auf  mehreren  Reisen  mit  FS  „Gauß“  wurden  aus  der  Nordsee  und  aus  dem
Skagerrak  Schwebstoffproben  mit  der  an  Bord  befindlichen  Durchflußzentrifuge
entnommen  und  gammaspektroskopisch  auf  natürliche  und  künstliche  Radionuklide ­
  untersucht.
In  den  Sedimenten  der  deutschen  Ostseeküste  finden  sich  höhere  spezifische
Aktivitäten  als  in  den  Sedimenten  der  Nordsee.  Dies  liegt  einerseits  an  der  kleineren ­
  Korngrößenverteilung  der  Sedimente,  andererseits  auch  an  der  höheren  Deposition ­
  radioaktiver  Teüchen  durch  „Tschernobyl“  in  diesem  Bereich.
            
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