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44. Jahresbericht Deutsches Hydrographisches Institut 1989
Die Messungen an den national und international vereinbarten Überwachungsstationen
der westlichen Ostsee wurden Anfang September vorgenommen. Die Nährstoffkonzentration
war nicht höher als in den Sommermonaten der vergangenen
Jahre.
Die Sauerstoffkonzentration war in der bodennahen Wasserschicht diesmal
wesentlich höher als im Vorjahr, vor allem in der Lübecker Bucht und in der Kieler
Förde. Ursache dafür dürfte der starke Sturm Ende August gewesen sein, der an
vielen Stellen die Wassermassen vertikal durchmischt hat. Auch in der unteren
Wasserschicht der inneren Flensburger Förde, wo in den vorausgegangenen Sommern
kein Sauerstoff, dafür aber Schwefelwasserstoff gefunden wurde, lag diesmal
die Sauerstoffkonzentration bei 3,4 ml/1 (etwa 55% des Sättigungswertes).
Überwachung des Meerwassers auf Schwermetalle:
Die Überwachung des Meerwassers der Deutschen Bucht auf Schwermetalle
wurde fortgesetzt. Sie faßt mit einem einheitlichen Stationsnetz die Verpflichtungen
für das Joint Monitoring Programme (JMP) der Übereinkommen von Oslo und
Paris, für das Gemeinsame Bund/Länder-Meßprogramm für die Küstengewässer
der Nordsee (BLMP) und für die Richtlinie der EG zur Überwachung der Abwässer
aus der Titandioxid-Industrie zusammen. Die Daten wurden u. a. dem Bundesminister
für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), dem Internationalen
Rat für Meeresforschung (ICES) für die Joint Monitoring Group der beiden Kommissionen
von Oslo und Paris und für das BLMP dem Niedersächsischen Landesamt
für Wasserwirtschaft zur Verfügung gestellt.
Zur Überwachung wurden folgende Schwermetalle regelmäßig gemessen:
- Cadmium, Kupfer, Eisen, Mangan und Nickel durch Atomabsorptionsspektrometrie
(GFAAS) im Graphitrohrofen nach chemischer Abtrennung durch Flüssig/Flüssig-Extraktion
mit einem Komplexbildner
- Quecksilber durch Kaltdampf-Atomabsorptionsspektrometrie (CVAAS) nach Abtrennung
und Anreicherung an Gold
- Blei und Cadmium (direkt im Meerwasser) durch Invers-Voltammetrie (ASV)
mit rotierender Quecksilberfilmelektrode
- Zink, Kupfer, Nickel, Eisen, Mangan, Kobalt, Blei und Chrom simultan mit der
Totalreflexions-Röntgenfluoreszenzsanalyse (TRFA), nach einem mehrstufigen
chemischen Trennungsgang an einer Säule mit Reserve Phase Chromatography
und Selen als internem Standard.
Das neuartige Analysensystem TRFA entwickelt sich immer mehr zur tragenden
Säule der Ultraspurenanalytik, vor allem wegen seiner vielseitigen Einsetzbarkeit
für unterschiedliche Probenmaterialien der hohen Genauigkeit und Richtigkeit
der erzielten Werte und der in einem Trennungsgang gleichzeitig bestimmbaren
größeren Zahl von Spurenmetallen.
Einige Daten von der Überwachungsfahrt vom 23. bis 31. August sind in den
Abbildungen (10 bis 14) dargestellt. Es wurden die Analysenwerte von den unfiltrierten
Wasserproben aus 10 m Tiefe ausgewählt. Die Meßwerte sind proportional
als Kreisflächen dargesellt, wobei der Maßstab in den einzelnen Abbildungen
unterschiedlich sein kann. Cadmium wurde mit 2 sehr verschiedenen Analysenmethoden
nachgewiesen, wobei sich deutliche Unterschiede zeigen: Der sehr weitgehende
Aufschluß für die AAS bringt fast durchgehend die höheren Werte, während
die milde Methode ASV das Cadmium nur zu dem Anteil erfaßt, der „labil“
und gelöst im Meerwasser vorliegt. Beim Blei und auch beim Kupfer finden sich
die höheren Konzentrationen in Küstennähe und vor der Elbmündung; für Nickel
zeigt sich eine fast gleichförmige Verteüung über die Deutsche Bucht.