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44. Jahresbericht Deutsches Hydrographisches Institut 1989
Durchlaß von der nördlichen zur südlichen Nordsee. Mit dem Vordringen der
Nordsee nach Süden ist eine Änderung der Sedimentationsbedingungen von einer
lagunären, eventuell brackischen Phase zu einem vollmarinen Küstenmeer nach
Überflutung des Englischen Kanals zu erwarten. Im Durchlaß zwischen den bei
den Hochgebieten sollten somit die ältesten Sedimente der modernen südlichen
Nordsee zu finden sein.
Es wurden 39 Sedimentkerne mit maximal 2,8 m Länge gewonnen und rund
1000 sm sedimentechographische Profile mit dem PARASOUND aufgenommen.
Die Basis der nacheiszeitlichen Transgessioti wurde in etlichen Kernen durchteuft.
Das Liegende besteht in den Kernen der Hänge aus hellgrauen, mittel- bis grobkör
nigen Sanden. Am nordöstlichen Ende der Dogger Bank und dem Westende der
Fischer Bank werden diese von wenigen Dezimetern Kies überlagert. In der Senke
bilden teils graue Sande, teils fette Tone die pleistozäne Unterlage. In diese Sedi
mente sind jeweils tonige, bzw. sandige Lagen eingebettet. Überlagert werden
diese von holozänen, olivbraunen, feinsandigen Silten mit einer überwiegend
marinen Molluskenfauna. Zur Sedimentoberfläche hin ist gelegentlich eine Korn
vergröberung zu beobachten. In einem Kern von einer flachen Erhebung aus dem
mittleren Bereich der Senke bestand die Basis aus einem mehrere Zentimeter
mächtigen Torfhorizont, aus dessen Top senkrecht stehende, hervorragend erhal
tene, authochtone Schilfstengel herausragten. Die Schilfstengel waren von feinem
braunem Ton und Muschelschill umgeben (ca. 54 m Wassertiefe). Eine Torfprobe
aus diesem Abschnitt wurde zu einer radiometrischen Altersbestimmung an das
Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung in Hannover weitergegeben.
(Die Probe liefert die älteste nacheiszeitliche Wasserstandsmarke aus der Nord
see.) Vermutlich handelte es sich bei Erhebung um eine weitgehend mit Schilf
bestandene Untiefe in einer flachen, ruhigen, möglicherweise wattähnlichen
Lagune. Die Kerne werden weiter faziesanalytisch bearbeitet.
Die sedimentechographischen Profile zeigen zwischen den Bänken unter den holo
zänen Deckschichten fluviatile und wattähnliche Sedimentstrukturen. Während
der Eintritt der pleistozänen Elbe in dieses Gebiet nur zu erahnen ist, läßt sich am
Südostrand der Dogger Bank deutlich eine breite flußähnliche Rinnenstruktur
erkennen. Sie läuft aus Richtung Southern Bight entlang der Doggerbank, um das
Tail End herum nach Nordwesten in die nördliche Nordsee. Die Rinne ist bis zu
25 m tief und mit stark geschichteten Sedimenten gefüllt. Eine in diesem Bereich
abgeteufte Tiefbohrung des EG-Projektes zeigte überwiegend sandige Sedimente.
Die Untersuchungen dienen nicht nur zum Verständnis von Struktur und Aufbau
des heutigen Nordseebodens, sondern können auch einen Beitrag zur Beantwor
tung der Fragen nach den Auswirkungen eines weiteren Meeresspiegelanstiegs
liefern.
Tiefseeumweltschutz:
In Zukunft ist mit einer stärkeren Nutzung des Tiefseebodens zu rechnen. Dabei
werden erhebliche Umweltschäden befürchtet, deren Umfang wegen eines zu
geringen Wissensstandes z.Z. noch nicht zu übersehen ist.
1989 wurde eine Arbeitsgruppe Tiefseeumweltschutz (TUSCH) gebildet, die sich
mit der Problematik befaßt und ein Konzept für die erforderlichen Forschungsvor
haben aufstellt. Die Gruppe berät ferner die deutsche Delegation bei der Vörberei-
tungskommission für die Internationale Meeresbodenbehörde und den Internatio
nalen Seegerichtshof in naturwissenschaftlichen Fragen. Das DHI ist in der
TUSCH-Gruppe vertreten.