Meereskunde
45
Dem Meßfortschritt auf See entspricht der Stand der Auswertungen. Für diesen
Zweck wurde das Gebiet des deutschen Festlandsockels in 17 Kartenblätter im
Maßstab 1:100 000 aufgeteilt. Auf jedem Blatt wird die Tiefenlage der Basis der
nordseezeitlichen Sande und Schlicke durch Isobathen dargestellt. Kleine Zusatz
karten geben die Mächtigkeiten und größere Strukturen wie Unterwasserdünen
oder versandete Rinnen wieder.
Die Entwürfe für die Blätter „Südliche Schlickbank“ und „Weiße Bank“ wurden
fertiggestellt. Parallel dazu liefen die Arbeiten an den anderen Blättern.
Für das Blatt „Dogger“ des britisch-niederländischen Kartenwerks, 1:250000,
wurde eine Kartierung der Bodenbedeckung und der Mächtigkeit der Lockersedi
mente im westlichen Teil des „Entenschnabels“ geliefert. Bei der Anpassung an
die Kartierungen der Nachbarstaaten zeigte sich eine gute Übereinstimmung.
Erwähnenswert ist, daß auch in diesem küstenfernen Bereich die Schichtdicke
der nordseezeitlichen Sedimente stark schwankt und stellenweise mit einem
Meter oder weniger sehr gering ist.
Ostsee:
Aus arbeitstechnischen Gründen waren in den Vorjahren die Kartier arbeiten in
der Ostsee nur mit geringerer Priorität behandelt worden. Der Arbeitsfortschritt
bei den Nordseekartierungen erlaubte 1989 eine stärkere Hinwendung zu den
Ostseearbeiten.
Da die geologischen Strukturen über die kleinräumigen nationalen Grenzziehun
gen hinweggehen, ist eine Interpretation der Meßwerte nur bei Vorliegen ver
gleichbarer Messungen aus den benachbarten Gebieten möglich. Es wurde des
halb eine Zusammenarbeit mit dem dänischen Havbundundersogelse (Umwelt
ministerium) vereinbart, in dem man ebenfalls an einer modernen Bodenkarte
der westlichen Ostsee arbeitet. Dabei ist ein Datenaustausch und eine Kartierung
nach einheitlicher Legende vorgesehen. Anläßlich einer Fahrt mit FS „Gauß“ im
Frühjahr, an der zwei dänische Kollegen teilnahmen, erfolgte eine Abstimmung
der auf See eingesetzten Geräte und Methoden. An der Fahrt nahm ebenfalls ein
Vertreter des Geologischen Landesamtes Schleswig-Holstein teil, mit dem eine
enge Kooperation besteht.
Southern North Sea Project:
Das DHI ist gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landesamt für Bodenfor
schung und dem Geologischen Landesamt Schleswig-Holstein an einem For
schungsvorhaben der Geologischen Dienste der anderen südlichen Nordseean
rainer (B, DK, NL, UK) zur Untersuchung der jüngsten geologischen Entwicklung
der Nordsee beteiligt. Das Projekt wird durch die EG finanziert.
Der Beitrag des DHI besteht in der Untersuchung der Umgestaltung der eiszeitlich
geprägten Landschaft, die den Bereich der heutigen Nordsee einnahm, in ein
modernes Flachseebecken als Folge des nacheiszeitlichen globalen Meeresspiegel
anstiegs. Dieser Prozeß ist trotz der erheblichen dynamischen Beeinflussung des
Meeresbodens durch die Nordsee bis jetzt noch nicht abgeschlossen, so daß sich
die älteren Strukturen überall durchpausen und für die heutigen Sedimenttypen
und die Morphologie bestimmend sind. Die Arbeiten basieren auf sedimentecho
graphischen Messungen und Vibro-Kernen, die durch Daten früherer Probeent
nahmen des DHI ergänzt werden.
Hierzu fand 1989 eine sedimentechographische Kartierung und Kernbeprobung
der Senke zwischen Dogger Bank und Fischer Bank statt. Dieses heute etwa 50 m
tiefe Seegebiet bildete für den nacheiszeitlich ansteigenden Meeresspiegel den