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Full text: Jahresbericht 1989

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44. Jahresbericht Deutsches Hydrographisches Institut 1989 
Die naturwissenschaftlichen Beiträge zu den Seehandbüchern über die Tempera 
turen, Salzgehalte und Dichten des Meerwassers verschiedener Meere bzw. 
Meeresteile wurden nach den neuen Erkenntnissen verändert und erweitert. Bei 
ausreichender Datendichte wurden die Daten zu Monatsmittelwerten aufbereitet 
und gezeichnet. 
Institute, Behörden, Privatpersonen, Schiffahrts- und Industriebetriebe erhielten 
Auskünfte über physikalische Meerwassereigenschaften. 
Arbeiten der Deutschen Wissenschaftlichen Kommission für Meeresforschung 
(DWK): 
Auch 1989 unterstützte das DHI die naturwissenschaftliche Forschung für die 
Seefischerei. Ein Mitarbeiter der Bundesforschungsanstalt für Fischerei arbeitete 
weiterhin im DHI. 
Der 21. Jahrgang der wöchentlichen quasisynoptischen Oberflächentemperatur 
karte der Nordsee wurde planmäßig herausgegeben, die monatlichen Oberflä 
chentemperaturanomalien bestimmt und mit den Temperaturkarten versandt. 
Aus der laufenden Überwachung der Temperaturverhältnisse der Nordsee wurde 
die Temperaturanomalie beschrieben. Danach waren bezogen auf das langjährige 
Mittel der Jahre 1905 bis 1954 die Oberflächentemperaturen im Winter 1988/89 
deutlich erhöht, die Oberflächentemperaturen im Sommer 1989 wichen zeitweise 
erheblich vom langjährigen Mittel ab. 
In der zweiten Junihälfte erreichte die Anomalie mit bis zu 5 °C in einer flachen 
Oberflächenschicht ihren maximalen Wert. Ein Wechsel der Wetterlage verur 
sachte - durch vertikale Vermischung - eine Abnahme der Oberflächentempera 
tur. Die Primärproduktion wurde dadurch unterbrochen. In der zweiten August 
hälfte lag die Oberflächentemperatur wieder deutlich über dem langjährigen 
Mittel (Abb. 9). 
Die Temperatur- und Salzgehaltsmessungen zeigten in den Sauerstoffmangelge 
bieten - auch noch im Oktober, trotz stürmischen Wetters - eine gut ausgeprägte 
Sprungschicht, die die Zufuhr von atmosphärischem Sauerstoff in das Bodenwas 
ser verhinderte. 
Der milde Winter 1988/89 und die kräftige Erwärmung des oberflächennahen 
Wassers der Nordsee im Mai/Juni 1989 hatten zu einer gut ausgebildeten, wider 
standsfähigen Sprungschicht geführt. So wurden im Juni durch Schiffe des DHI in 
den betroffenen Gebieten Temperaturunterschiede zwischen dem Oberflächen- 
und dem bodennahen Wasser von mehr als 6°C gemessen, wobei die Gegensätze 
zusätzlich durch salzhaltigeres bodennahes Wasser verstärkt wurden. Die Salzge 
haltsdifferenzen betrugen mehr als 1,5 PSU. 
Während jedoch diese Schichtung im inneren Teü der Deutschen Bucht bereits 
Anfang September durch die spätsommerlichen Stürme abgebaut war und damit 
dem Bodenwasser Sauerstoff zugeführt werden konnte, reichte die Intensität der 
Starkwinde nicht aus, die Schichtung über dem äußeren Teil des Elbetales abzu 
bauen. Wie die itoutine-Modellsimulationen des DHI zeigen, wurde der Erhalt der 
Schichtung - die Temperaturunterschiede betrugen zu dieser Zeit mehr als vier 
Grad Celsius - zusätzlich durch den Einstrom salzhaltigeren Wassers aus dem 
nördlich der Doggerbank gelegenen Gebiet verstärkt. Es ist zu vermuten, daß 
dieses „alte“ Wasser bereits auf dem Weg in die Deutsche Bucht durch den Abbau 
organischer Substanz Sauerstoffuntersättigung hatte. Der jahreszeitliche Rück 
gang der Oberflächentemperaturen und die Herbststürme hatten dann aber Ende 
Oktober die Schichtung abgebaut.
	        
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