Meereskunde
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Für die Felduntersuchungen des „ZISCH-II“-Projektes zur Schwebstoffdynamik in
der Deutschen Bucht stand 1988 und 1989 das Forschungsschiff „Gauß“ jeweils
für 3 Wochen zur Verfügung. Auf diesen Reisen wurden auf Schnittfahrten und auf
26,5-stündigen Dauerstationen in mehreren Tiefenniveaus hydrographische und
optische Parameter gemessen und der Gehalt und die Teilchengrößenverteilung
der Schwebstoffe im Meerwasser bestimmt. Für einige ausgewählte Stationen
wurde ergänzend der Gehalt an partikulär gebundenem organischen Kohlenstoff
(PÖC) untersucht. 1989 wurde auf Positionen mit unterschiedlichen Tiefen aber
vergleichbarer Bodenbeschaffenheit gemessen. Die Auswertung der Meßergeb
nisse konzentriert sich auf die Erforschung der zeitlichen und räumlichen Variabi
lität des Schwebstoffgehaltes in der Wassersäule, Dessen Abhängigkeit von Ein-
fiußgrößen wie beispielsweise Bodenbeschaffenheit (Verfügbarkeit und Zusam
mensetzung des erodierbaren Materials), Seegang, Strömungsgeschwindigkeit
und -richtung, biologischer Produktivität, Fronten und Dichteschichtung steht im
Mittelpunkt der Untersuchungen.
Von Oktober 1988 bis November 1989 wurden im Sechswochentakt Messungen
der Wassertemperatur und Leitfähigkeit (Salzgehalt) mit dem Schleppsystem
Delphin als Voruntersuchungen zum Meßprogramm OPTINOM (Optimierung des
Nordsee-Monitoring) in der Deutschen Bucht auf 9 Profilen durchgeführt. Die
unterschiedlich langen Profile verlaufen von der 10-m-Tiefenlinie vor der deut
schen Küste in westliche Richtung. Ihr Abstand beträgt 5 sm. Da eine Online-Aus-
wertung noch nicht möglich war, erfolgt die Auswertung der umfangreichen
Datenmenge nach Erarbeitung von geeigneten Methoden.
In weiterem Zusammenhang mit dem DHI-Vorhaben OPTINOM wurden auf der
Reise OPTINOM 1 an Bord des FS „Gauß“ im November die optischen Parameter
(Farbkoordinaten und Absorptionsspektren) geschöpfter Wasserproben bestimmt.
Untersucht werden sollen insbesondere die Zusammenhänge zwischen dem Ab-
sorptionskoeffizienten bei 263 nm (als Maß für den Gelbstoffgehalt) und der Menge
an Chlorkohlenwasserstoffen. Das zweite Arbeitsziel im Vorhaben OPTINOM ist
die Erfassung von Jahresgängen des Schwebstoffgehaltes. Deshalb werden seit
November auf der Position ODAS (ehemals PISA), etwa 17 Seemeilen westlich von
List/Sylt, Strömung und Trübung in den zwei Meßtiefen 10 m Wassertiefe und
bodennah mit einer zeitlichen Auflösung von 5 Minuten durch ausgelegte Meß
geräte registriert. Auf Fahrten mit VWFS „Atair“ werden im monatlichen Abstand
Vergleichsproben genommen und die Meßgeräte ausgetauscht.
Neben den bereits geschilderten Aktivitäten wird auch weiterhin die Auswertung
früherer Forschungsfahrten fortgesetzt; es wird z. B. die Verteilung optischer Para
meter bei Ostwind- mit jener bei Westwindlagen verglichen.
Von Überwachungsfahrten und von Forschungsreisen wurden Seewasserproben
zur Messung der elektrischen Leitfähigkeit und zur Berechnung des Salzgehaltes
des Meerwassers angeliefert. Alle Seewasserproben wurden mit einem Autosal-
Salinometer salinometriert.
Aufgrund der Untersuchungsergebnisse der Patchiness-Expedition 1986 in die
Ostsee, an der 13 Forschungsschiffe der Ostsee-Anliegerstaaten teilnahmen,
wurde vom DHI ein Forschungsauftrag für die Jahre 1989 bis 1993 zur Modellie
rung übergeben.
Für das UBA-Projekt „Eutrophierung der Nord- und Ostsee“ wird ein dreidimensio
nales baroklines Zirkulationsmodell entwickelt. Zur Problematik der Vermischung
in diesem Modell Wurde ein neuer Ansatz für den turbulenten Massen-, Wärme-
und Impulstransfer realisiert und in einem eindimensionalen Modell getestet.