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Full text: Jahresbericht 1989

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44. Jahresbericht Deutsches Hydrographisches Institut 1989 
marine Umwelt zu untersuchen. Hierzu ist der Meeresboden im DISCOL-Gebiet 
künstlich mit einer Tiefsee-Egge durchfurcht und aufgewühlt worden. Hierdurch 
wird der großräumige industrielle Abbau auf einem begrenzten Gebiet simuliert. 
Es soll nun in 2jährlichen Abständen die natürliche Erneuerung der örtlichen 
Umwelt am Tiefseeboden (Re-Colonization) untersucht werden. Die hierfür mit 
dem IHF vereinbarten Strömungsmessungen des DHI dienen u. a. 
- unmittelbar den ökologischen Untersuchungen des IHF und der 
- Abschätzung über die Abbaufahne, die bei der späteren Manganknollenförde- 
rung durch aufgewirbelte oder hochgehobene Sedimente entstehen könnte. 
2.2.1.2 Operationelle Modelle und Vermischung 
Seit 1984 wird im DHI ein operationeiles Strömungs- und Ausbreitungsmodell der 
Nordsee und der Deutschen Bucht im Routinebetrieb eingesetzt. Es wird u.a. 
durch zweimal täglich übertragene Luftdruckanalysen und -Vorhersagen (12, 18, 
24, 30, 36 und 48 h) aus dem meteorologischen Vorhersagemodell des Deutschen 
Wetterdienstes (DWD) angetrieben. 
Die aktuelle Version des Modellsystems, die 1989-durchgehend betrieben wurde, 
arbeitet seit Oktober 1988. Dieses System besteht aus drei interaktiv gekoppelten 
hydrodynamisch-numerischen Modellen unterschiedlichen Gitterabstandes. Die 
höchste räumliche Auflösung mit 1 Seemeile horizontal und 8 m vertikal wird im 
Küstenbereich der Deutschen Bucht erreicht. 
Mit dem Modell stehen kontinuierlich detaillierte Strömungs- und Wasserstands 
daten für aktuelle Anwendungen und für nachträgliche Analysen zur Verfügung. 
Alle Daten im zeitlichen Abstand von 15 Minuten werden auf Magnetbändern 
gespeichert und 1,5 Jahre äüfbewahrt. Bedingt durch die hohen Anforderungen 
an die Rechenanlage sind Strömungssimulationen während der normalen Arbeits 
zeiten am Tage nicht möglich, die Rechenanlage des GRZ-DHI ist dann mit anderen 
Anwendungen ausgelastet. Die Produktionsläufe werden daher ausschließlich in 
den Nachtstunden durchgezogen. Betrachtet man das Jahr 1989, so hat das Modell 
in 98% der Fälle Strömungen und Wasserstände simuliert. 2% der Simulations 
läufe fielen durch Betriebsstörungen der Rechenanlage aus. In 9% der Fälle 
mußten aus dem gleichen Grund Programmläufe später nachgerechnet werden. 
Weiterhin waren aus unterschiedlichen Gründen 15% der vom DWD übermittelten 
Datensätze nicht verwendbar. Je nach Art des Defekts wird die Simulation mit 
einem korrigierten Windfeld oder ohne Wind durchgeführt, was im Extremfall 
dazu führt, daß nur die gezeitenbedingte Strömung berechnet wird. 
Die Modellergebnisse werden entweder bereits aufbereitet als Strömungskarten 
an Interessenten weitergegeben oder - wie neuerdings häufiger - auf Disketten 
oder Magnetbändern. Die Ergebnisse werden einem weiteren Interessentenkreis 
zugänglich gemacht. (Der Nutzerkreis hat sich in den vergangenen Jahren ständig 
erweitert.) Nachfolgend werden einige Beispiele genannt: 
Nach einem Ölunfall in der Deutschen Bucht wird die Ölbekämpfung durch die 
Sonderstelle des Bundes Ölunfälle See/Küste (SBÖ) Cuxhaven koordiniert. Eine 
Prognose über Driftwege und -zelten kann nur mit einem numerischen Modell 
hinreichend genau berechnet werden. Ein leistungsfähiges Ölausbreitungsmodell 
ist im DHI entwickelt worden und hat sich bereits im Einsatz bewährt: 
- Am 22, Juni sind mehr als 10 cbm Schweröl an einer Tankerlöschbrücke in die 
Jade geflossen. Die Bekämpfungsmaßnahmen auf See und an den Küsten konn 
ten mit Vorausberechnungen der Driftwege unterstützt werden. Die Prognosen 
wurden durch die dann tatsächlich beobachteten Driftwege in wesentlichen 
Teilen bestätigt.
	        
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