70
43. Jahresbericht Deutsches Hydrographisches Institut 1988
Nachdem der Niedersächsische Umweltminister dem DHI mitgeteilt hatte, daß er
ein langjähriges Forschungsvorhaben über die Schwermetallbelastungen von Mies
muscheln künftig als Routineüberwachungsprogramm fortführen werde, wurde
auch dieses Programm der JMG als ein möglicher Beitrag der Bundesrepublik
Deutschland zum gemeinsamen biologischen Monitoring vorgestellt.
Für seine Koordinierungsaufgaben zum biologischen Monitoring nahm das DHI
weiterhin an Arbeitsgruppensitzungen zu dem vom UBA geförderten FuE-Vorhaben
„Fischkrankheiten im Wattenmeer“ teil und hielt Kontakte zu Wattenmeerlor-
schungsprogrammen der Nationalparkverwaltungen Niedersachsens und Schles
wig-Holsteins und zu zugeordneten Forschungsprogrammen des GKSS-Forschungs-
zentrums Geesthacht.
Der erste Bericht zur „EG-Richtlinie über die Einzelheiten der Überwachung und
Kontrolle der durch die Ableitungen aus der Titandioxidproduktion betroffenen
Umweltmedien“ wurde abgeschlossen und dem BMV zur Weiterleitung an die
Kommission der Europäischen Gemeinschaften übergeben.
Die zweite Internationale Nordseeschutz-Konferenz beschloß im November 1987 in
London, die Kommissionen der Übereinkommen von Oslo und Paris (OSPARCOM)
und den Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) aufzufordern, eine Ein
satzgruppe Nordsee (North SeaTask Force, NSTF) einzurichten. Aufgabe der NSTF
sollte sein, den Quality Status Report (QSR) über die Nordsee in fünfjährlichem
Turnus fortzuschreiben und erkannte Wissenslücken durch die Einleitung und
Koordinierung internationaler Forschungs- und Überwachungsvorhaben zu schlie
ßen. OSPARCOM und ICES sind der Aufforderung inzwischen nachgekommen. Das
DHI hat die Sekretariatsaufgaben zur Koordinierung der wissenschaftlichen Bei
träge der Bundesrepublik Deutschland übernommen.
Das massenhafte Auftreten der Mikro-Alge Chrysochromulina polylepis in der Ost
see und im Skagerrak mit den damit verbundenen Schädigungen des Meereslebens
und die durch eine Epidemie verursachte hohe Todesrate der Seehunde führte zu
starker Beunruhigung in der Öffentlichkeit. Das DHI hat daher im Sommer dem
BMU regelmäßig über die Algen- und Seehundesituation berichtet. Die notwendi
gen Informationen hierfür wurden von der Biologischen Anstalt Helgoland, dem
Institut für Meereskunde in Kiel und von Dienststellen des Bundesgrenzschutzes,
der Wasserschutzpolizei und der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung an das DHI
übermittelt.
In der öffentlichen Diskussion wurde mit Nachdruck die Eutrophierung und Ver
schmutzung der See für die Ereignisse verantwortlich gemacht. Insbesondere eine
Schwächung des Immunsystems der Seehunde durch hohe Belastungen mit chlo
rierten Kohlenwasserstoffen habe zu den hohen Todeszahlen geführt. Inzwischen
ist holländischen und sowjetischen Wissenschaftlern der Nachweis gelungen, daß
eine Infektion mit hundestaupeartigen Viren ursächlich für die schweren Verluste
war. Eine Übertragung der isolierten und identifizierten Viren auf gesunde Here
(Robben, Hunde, Nerze) mit intaktem Immunsystem führte bei diesen zu staupear
tigen Erkrankungen mit hoher Letalität. Eine solche Virusepedemie hatte einige
Monate vor den Ereignissen in Nord- und Ostsee schon die Robben des Baikalsees
(einzige Süßwasserrobbenart der Erde) mit verheerenden Folgen heimgesucht.
Das DHI gab mehrere biologisch-fachliche Stellungnahmen zu polizeilichen und
staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahren in Fällen des Verdachts auf Gewässerver
unreinigung durch Schiffe, die Landungsreste oder Waschwässer über Bord gege
ben hatten, ab.