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Full text: Jahresbericht 1988

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43. Jahresbericht Deutsches Hydrographisches Institut 1988 
Auf Fahrten im Februar und im September wurde erstmals ein schleppbares In-si- 
tu-Fluorimeter zur Überwachung des Meerwassers auf Erdöl-Kohlenwasserstoffe 
eingesetzt. Dabei traten die großen Vorzüge kontinuierlicher Fluoreszenzmessun 
gen klar zu Tage: Belastete Gebiete und Belastungsschwerpunkte können wesent 
lich schneller erkannt und klarer eingegrenzt werden. Damit ist eine gezieltere Pro 
benentnahme zur Bestimmung der komplexen Zusammensetzung der Kohlenwas 
serstoff-Gemische und damit deren Herkunft möglich. 
1988 wurden 251 Proben von Ölverschmutzungen der Deutschen Bucht (vorwie 
gend von verölten Seevögeln) untersucht. Das Projekt „Verschmutzung der Nordsee 
durch Öl und Schiffsmüll“ des Umweltbundesamtes ist damit nach nunmehr 5jäh- 
riger Laufzeit abgeschlossen. Aus der Untersuchung von 3099 Ölproben lassen sich 
folgende Erkenntnisse ziehen: 
- Die Ölverschmutzung der Deutschen Bucht wird zu mehr als 90% von Ölrück 
ständen verursacht, die bei der Aufbereitung des Schweröls an Bord von See 
schiffen (Schwerölseparation) anfallen. 
- Die starke Zunahme der Verschmutzungen, die Ende der siebziger Jahre be 
gann, ist auf eine zunehmende Verschlechterung der Bunkerqualitäten durch er 
höhten Einsatz von Konvertierungsprozessen in den Raffinerien zurückzufüh 
ren, die zu einem vermehrten Anfall von Ölrückständen an Bord der Schiffe 
führt. 
- Die mit einer regulären Entsorgung an Land verbundenen hohen Kosten und 
Ausfallzeiten verführen dazu, derartige Rückstände illegal auf See zu entsorgen. 
Als eine Folge dieser Erkenntnisse ist die polizeiliche Überwachung der Deutschen 
Bucht und der westlichen Ostsee mit Flugzeugen, Hubschraubern und Schiffen 
deutlich verstärkt worden. Ein Rückgang der Verschmutzungen scheint sich abzu 
zeichnen: In Abb. 23 ist die Zahl der als Rückstände aus dem normalen Schifisbe 
trieb klassifizierten Proben über die einzelnen Fundmonate seit Beginn des Projek 
tes aufgetragen. In den letzten beiden Wintern zeigen sich nicht mehr die hohen 
Spitzen der vorangegangenen Winter. Auch in den Sommermonaten scheint sich 
die Verschmutzung verringert zu haben. Dies steht im Einklang mit den Ergebnis 
sen der Flugüberwachung, wonach in den letzten Jahren ein deutlicher Rückgang 
der festgestellten Ölverschmutzungen zu verzeichnen war. 
Als weitere Gegenmaßnahme wurde in den Seehäfen der Bundesrepublik Deutsch 
land seit dem Frühjahr 1988 eine kostenfreie Entsorgung von Ölrückständen einge- 
führt. Das DHI wird weiter das Gefieder verölter Seevögel und Strandverölungen 
analysieren, um Erkenntnisse darüber zu erlangen, ob diese Gegenmaßnahme 
greift. 
Für das Projekt „Untersuchungen zum Nachweis über die von Seeschiffen ausge 
hende Belastung der Meeresumwelt durch Einleitung ölhaltiger Gemische nach 
MARPOL 73/78“ wurden in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Hamburg, 
Fachbereich Seeschiffahrt und Schiffstechnik (FSSH), bisher 151 Proben von gelenz 
ten Bilgenabwässem von Seeschiffen auf ihren Ölgehalt hin untersucht. In der 
Mehrzahl der untersuchten Proben war der zulässige Höchstwert z. T. bei weitem 
überschritten. Als eine Ursache dafür muß die Verwendung von sogenannten Kalt- 
reinigem in der Schifisbilge angesehen werden, die in etwa der Hälfte der Proben 
nachgewiesen werden konnten. Weitere mögliche Ursachen, z. B. eine unzureichen 
de Wartung der Entöleranlagen, werden derzeit geprüft. Für Strafverfahren wurden 
1988 in 49 Fällen Ölproben verglichen und dabei 264 Proben untersucht. In etwa 
der Hälfte der Fälle konnte der Verursacher anhand der chemischen Analyse ermit 
telt werden.
	        
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