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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 41 (1913)

Schlenzka: Wissenschaftl. Forschungen auf d. Ausreise S. M. S, »Möwe« nach Südwestafrika usw. .9 
meist bewölkte Nachthimmel verzögerte die Durchführung unserer astronomischen 
Beobachtungen außerordentlich. Dreiundzwanzig Nächte haben wir an unserem 
Beobachtungspfeiler jedesmal von Dunkelwerden bis Hellwerden auf die tückischen 
Sterne gewartet, und erst dann bekamen wir, was wir brauchten.  . 
Nachdem mir endlich Anfang August die beabsichtigte Beobachtung ge- 
glückt war, brachte uns die »Möwe«, die nach der Kesselreinigung und Kohlen- 
übernahme in Lagos die befohlene Nachprüfung der Vermessung noch durch- 
geführt hatte, nach Accra an der englischen Goldküste, wo meine Beobachtungen 
an einen telegraphisch über Kapstadt bestimmten Längenpfeiler angeschlossen 
werden mußten. - ; 
Die vier Tage in Accra, wo ich. als Gast. bei dem englischen Gouverneur 
wohnte, waren idyllisch. Der Sitz des Gouverneurs ist ein altes Kastell aus der 
Zeit, da die Dänen hier dies Land noch. als Kolonie hatten. 150 Jahre steht 
diese alte dänische Burg hier schon am Ufer des Ozeans, errichtet in einer Zeit, 
wo der Sklavenhandel noch in üppiger Blüte und das Hauptgeschäft der Koloni- 
satoren war; eine Zwingburg über die Eingeborenen, die damals mit vielen 
Kämpfen sich gegen das dänische Joch wehrten, Hart am Meeresufer steigen 
die weißen Gemäuer mit ihren Brustwehren und Zinnen auf und der alte Turm 
schaut trutzig hinaus auf das weite Meer, und nach der andern Seite reicht der 
Blick tief ins Land und wandert über die weite grüne Steppe. hin bis zu den 
fernen Bergen im Innern, die sich in blauen Linien vom grauen Himmel ab- 
heben. Unten am Fuß der Burg, wo die weißen Schaumköpfe der Brandung 
über die braunen Felsklippen tanzen, liegen wohl 20 alte eiserne Kanonenrohre, 
die man als wertlos vom Wall dort hinunter gestürzt hat. 
Mit der Beobachtung in Accra war der nach dem vielen Schlingern auf 
der »Möwe« für uns recht angenehme vierwöchige Aufenthalt an Land zu Ende, 
und nach einer kurzen Schlußbeobachtung in Lome, die ein trotz der ungünstigen 
Landungsmöglichkeiten an beiden Plätzen noch ganz günstiges Resultat für die 
Längenübertragung brachte, setzte die »Möwe« ihre Reise und die ozeano- 
graphischen Forschungen wieder fort. Zunächst erschien es. wünschenswert, 
einzelne ozeanographische Reihenbeobachtungen noch im ausgesprochenen Guinea- 
strom, und zwar auf senkrecht zur Küste führendem Kurse, zu erhalten und 
danach wurde der Reiseweg gewählt. 
Zur Kesselreinigung und vor allem zu einer gründlichen Bodenreinigung 
lief das Schiff Duala in Kamerun an, wo gedockt wurde. Der Aufenthalt in 
den tropischen Gewässern hatte bereits ein so starkes Bewachsen des Schiffs- 
bodens gezeitigt, daß die Geschwindigkeit schon erheblich herabgesetzt war und 
gerade für die noch bevorstehenden Arbeiten sowohl in ozeanographischer Hinsicht 
wie mit Rücksicht auf die Vermessungsarbeiten an der südwestafrikanischen Küste 
war eine volle Ausnutzung der Schiffsgeschwindigkeit erforderlich. Während 
der zehntägigen Überholungsarbeiten blieb der Besatzung nur wenig Zeit, die 
Kolonie näher kennen zu lernen. -Tagtäglich niedergehender Tropenregen verbot 
außerdem auch jeden größeren Ausflug. Alles war mehr oder weniger in trost- 
loses Grau gehüllt,‘ manchmal war der Regen und feuchte Dunst so stark, 
daß man trotz der Nähe der Ufer nichts weiter sah als eine trübe, graugrüne 
Linie, und das einförmige Geräusch ‚der auf das Deck fallenden Regentropfen 
war dem Ohr bald so gewohnt, daß man verwundert: aufsah, wenn der Regen 
für einen Augenblick einmal aussetzte. “. 
Wir waren deshalb eigentlich alle froh, als wir das Regennest Duala ver- 
ließen und am 1. September die Reise nach Banana am Kongo äntraten, Es 
galt auf diesem Abschnitt eine unserer wichtigsten ozeanographischen Aufgaben, 
nämlich das Ausloten. der unterseeischen Talrinne des Kongo. Schon. in etwa 
260 Sm Entfernung von Land auf Station 34 in der Höhe von Loango zeigte 
sich bei unsern Beobachtungen bezüglich des Salzgehalts und der Sichttiefen . der 
Einfluß dieses gewaltigen Flusses. Der Salzgehalt betrug hier an der Oberfläche 
nur 33%0, während in den unmittelbar darunter liegenden Schichten über 35,6 %/09 
festgestellt wurden. Die. angestellten  Sichtigkeitsmessungen ergaben gegen 28
	        
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