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Full text: Jahresbericht 1988

Meereskunde 
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Für internationale Expertengremien (CR ESP [OECD/NEA], MARINA [Komm. EG]) 
wirkte das DHI an Pachbeiträgen mit, die sich mit der Ausbreitung der Radioakti 
vität im Meerwasser befassen. 
2.2.12 Operationelle Modelle und Vermischung 
Seit 1984 wird im DHl ein operationeiles Strömungs- und Ausbreitungsmodel! der 
Nordsee und der Deutschen Bucht im Routinebereich eingesetzt. Es wird durch 
Luftdruckanaiysen und -Vorhersagen (12,18, 24, 30, 36 und 48 h) aus dem meteo 
rologischen Vorhersagemodell des Deutschen Wetterdienstes (DWÜ), die zweimal 
täglich übertragen werden, angetrieben. 
Nach Abschluß des durch das Umweltbundesamt (UBA) geförderten Forschungsvor 
habens „Numerische Simulation der Ölausbreitung in der Deutschen Bucht“ 
konnte das operationelle Modell durch Implementierung eines hochauflösenden 
Wattmodells der Deutschen Nordseeküste ergänzt werden. Wögen der erhöhten 
Anforderungen an die Rechenanlage mußten umfangreiche Software-Umstellun 
gen durchgeführt werden. Eine Strömungssimulation ist während der normalen 
Arbeitszeiten nicht mehr möglich, die Rechenanlage CYBER 180-840 des GRZ-DHI 
ist dann mit anderen Anwendungen ausgelastet. Die Produktionsläufe finden nun 
mehr ausschließlich in den Nachtstunden statt, wobei deren Beendigung in der 
Nachtzeit nicht immer gewährleistet ist. Die neue Version des Modells läuft seit 
1. 10. erfolgreich im Routinebetrieb. 
Mit dem neuen Modell stehen nun wesentlich detailliertere Strömungs- und Was 
serstandsdaten für aktuelle Anwendungen zur Verfügung. Die Abb. 5 zeigt die über 
eine Gezeitenperiode gemittelte Strömung in der Qberflächenschicht am 31.12. 
Dieses Bild zeigt eine außergewöhnliche Situation. In den letzten Tagen des Jahres 
hatte sich die mittlere Zirkulation in der Deutschen Bucht durch die vorherrschen 
den Winde aus Norden umgekehrt, ein Fall, der relativ selten eintritt. 
Die aktuell berechneten Strömungs- und Wasserstandsdaten werten auf Magnet 
bändern archiviert. Durch das Magnetbandarchiv konnten wieder zahlreiche For 
schungsvorhaben unterstützt und Anfragen beantwortet werden. 
Modelldaten sind der Biologischen Anstalt Helgoland (BAH), dem Institut für Mee 
reskunde der Universität Hamburg für das Forschungsprojekt „Zirkulation und 
Schadstoffumsatz in der Nordsee“ (ZISCH), dem Institut für Strömungsmechanik 
und elektronisches Rechnen im Bauwesen (Hannover) und DHI-intem zur Verfü 
gung gestellt worden. Der Bedarf an diesen Daten ist im Vergleich zu den Vorjahren 
deutlich angestiegen. 
Die aktuell berechneten Strömungen in der Deutschen Bucht werden für verschie 
dene Ausbreitungsrechnungen (z. B. als Entscheidungshilfe für die Ölbekämpfung 
nach einem Ölunfall) benutzt. 
Wichtig für eine erfolgreiche Ölbekämpfung in der Deutschen Bucht, die durch die 
Sonderstelle des Bundes Ölunfälle See/Küste (ÖSK) Cuxhaven koordiniert wird, ist 
eine Prognose über Driftwege und -zehen, die hinreichend genau nur mit einem 
numerischen Modell berechnet werden kann. Zu Übungszwecken wird das DHI in 
unregelmäßigen Abständen vom ÖSK zu Driftvorausberechnungen fiktiver Ver 
schmutzungen aufgefordert. 1988 geschah dieses für ein von der EG gefördertes 
Seminar über Chemikalienunfallbekämpftmg auf See, das von der niederländi 
schen „organisatie voor toegepast naturwetenschappelijk onderzoek“ (TNO) in 
Amsterdam veranstaltet wurde. Es wurde u. a. eine Driftprognose für über Bort 
gegangene Chemikalien-Fässer benötigt, wobei als Unfallort die Grenzlinie zwi 
schen dem deutschen und niederländischen Festlandsockel im Verkehrstrennungs 
gebiet „Tersehelling - Deutsche Bucht“ vom ÖSK vorgegeben war.
	        
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