60
42. Jahresbericht Deutsches Hydrographisches Institut 1987
war ausgerichtet auf die Untersuchung von nicht flüchtigen Chlorpestiziden und
PCBs, flüchtigen halogenhaltigen Lösungsmitteln, Chlorphenolen, Schwebstoffen
und Sediment. Zur Charakterisierung der Wasserkörper wurde begleitende Hydro
graphie betrieben.
Flüchtige halogenierte Lösungsmittel wurden in signifikanten Mengen nur im
Mündungsbereich der Elbe festgestellt.
Die Ergebnisse für a- und v-HCH westlich der Darsser Schwelle zeigten einen
Rückgang auf die Hälfte der Werte von 1983 und bestätigten entsprechende Ergeb
nisse von 1985.
Im Verbrennungsgebiet für Abfälle wurde auf einer Station im Abstand von 0,5 sm
in Stromlee des gerade operierenden Verbrennungsschiffes im Oberflächenwasser
ein Meßwert von 0,1 ng/1 für Hexachlorbutadien festgestellt. Dieser Stoff ist in den
zu verbrennenden Stoffen häufig enthalten. Bereits in 1,0 sm Abstand war die
Konzentration auf 0,04 ng/1 zurückgegangen, so daß eine weitreichende Kontami
nation durch die Verbrennungsschiffe nicht festgestellt werden konnte.
Auf Anfrage des BMU wurde zur Vorlage bei der Joint Monitoring Group eine
Methodenempfehlung zur Untersuchung von HCH-Isomeren im Wasser der Nord
see vorgelegt. Diese Methodenempfehlung beruht auf Erfahrungen des DHI und
wurde durch Ergebnisse aus den letzten Jahren untermauert.
Erdöl-Kohlenwasserstoffe:
Zur Untersuchung jahreszeitlicher Schwankungen fanden im Januar und im Au
gust Fahrten mit FS „Gauß“ in die Deutsche Bucht statt. Dabei lag die Konzentra
tion an Erdöl-Kohlenwasserstoffen im Januar an vergleichbaren Stationen um
den Faktor 2 bis 3 höher als im August (um 2 u.g/1 in der offenen See, 8 bis 10 gg/1
in Küstennahe, bis zu 28 gg/1 in der Elbemündung bei Cuxhaven). Dies kann auf
die geringeren Verdampfungsraten und den geringeren biologischen Abbau im
Winter zurückgeführt werden.
Das jährliche Überwachungsprogramm in der westlichen Ostsee wurde im August/
September fortgesetzt. Außerdem wurden Anschlußmessungen in der mittleren
Ostsee und westlich und nördlich von Gotland durchgeführt (s. Abb. 22). In der
westlichen Ostsee zeigten sich etwas niedrigere Werte als im Vorjahr (um 2 gg/1).
In den offeneren Gebieten der mittleren Ostsee gab es die bekannte, recht gleich
mäßige Verteilung der Erdöl-Kohlenwasserstoffe mit einem Mittelwert von etwa
1,5 ¡xg/1 (Oberflächennähe) und etwa 1 gg/l (Bodennähe, d.h. unterhalb der hali-
nen Sprungschicht). Diese gleichmäßige Verteüung läßt auf einen hohen Beitrag
durch den atmosphärischen Eintrag schließen.
Auf einer Fahrt mit FS „Meteor“ im November in den nordöstlichen Atlantik
(s. Abb. 23) wurde ausnahmslos eine sehr niedrige Konzentration gemessen (0,1
bis 0,2 Mg/1). Dies bedeutet eine etwa lOmal geringere Belastung als in Nord- und
Ostsee. Auf der Fahrt gelang es, durch den Einsatz eines neu entwickelten 100-1-
Glaskugelschöpfers die Erfassungsgrenze der Meßmethode bis auf 0,05 (xg/1 zu
senken.
1987 wurden insgesamt 318 Proben von Ölverschmutzungen der Deutschen Bucht
(vorwiegend von verölten Seevögeln) untersucht. Damit erhöht sich die Zahl der
seit 1983 für das Forschungsvorhaben „Verschmutzung der Nordsee durch Öl und
Schiffsmüll“ des Umweltbundesamtes untersuchten Proben auf 2786. Zieht man
davon etwa 400 Proben ab, die einem Schiffsunfall im Januar 1986 zuzuordnen
waren, so liegt der Anteil der Verschmutzung, die aus dem „normalen“ Schiffsbe
trieb herrührt, bei etwa 90 %.
Für Strafverfahren wurden in 58 Fällen Proben verglichen und dabei 276 Proben
analysiert. In etwa der Hälfte der Fälle konnte der Verursacher allein anhand der
chemischen Analyse mit großer Wahrscheinlichkeit gefunden werden.