Meereskunde
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Ein weiterer Schwerpunkt war die Bestimmung natürlicher Radionuklide (Th 234,
Be 7, Pb 210) in Schwebstoffen der Nordsee und der westlichen Ostsee. Diese
Arbeiten liefern Informationen über die Intensität der Resuspension und der
Biöturbation sowie über die Sedimentakkumulation.
Es konnten nun auch bereits früher auf Schwermetalle analysierte Kerne datiert
werden.
Die Tätigkeiten in den wissenschaftlich-technischen Arbeitsgruppen des Helsinki-
Obereinkommens wurden fortgesetzt.
2.2.3.4 Organische Schadstoffe
Pestizide und Lösungsmittel:
Bei einem Brand In einem Chemikalienlager der Schweizer Chemie-Firma Sandoz
War eine größere Menge Agrochemikalien zusammen mit dem Löschwasser in
den Rhein gelangt und hatte im Oberlauf des Flusses zu einem Fischsterben
geführt, verursacht durch den Eintrag von Insektiziden aus der Familie organi
scher Phosphorsäureester. Es galt abzuschätzen, ob aus diesem Vorfall nachteilige
Auswirkungen auf das Mündungsgebiet des Rheins oder sogar auf die gesamte
Nordsee zu erwarten wären.
Als Hauptschadstoffe wurden die Insektizide Thiometon und Disulfoton von den
Rheinanliegern identifiziert, und ihre Konzentrationen wurden beim Durchgang
der Schadstoffwelle festgestellt. Aus dem Konzentrationsabfall in der Welle, verur
sacht durch Vermischung, Verdünnung und biochemischen Abbau, konnte abge
schätzt werden, daß im Mündungsgebiet des Rheins eine Konzentration von 0,1
bis 0,5 gg/1 zu erwarten war. Aus den Ergebnissen von Modellrechnungen Zur
Ausbreitung von Schadstoffen konnte weiter abgeleitet werden, daß eine Schad
stoffwolke aus dem Rhein zwei Monate braucht, um die Deutsche Bucht zu errei
chen und daß im Schwerpunkt der Konzentration der Wolke dabei eine Abnahme
um 2 bis 3 Größenordnungen durch Vermischung eintritt. Damit waren die Rah
menbedingungen für eine Meßkampagne hinsichtlich des Zeitpunkts und der Lage
der Meßstationen für Phosphorsäureinsektizide vorgegeben. Das Ergebnis dieser
Untersuchung ist in Abb. 21 und in der Tabelle wiedergegeben. Danach wurden in
der Deutschen Bucht keine nachweisbaren Auswirkungen durch die beim Sandoz-
Rrand freigesetzten Phosphorsäureester beobachtet. Dagegen wurde, eingetragen
über die Elbe, das Phosphorsäureinsektizid Parathionmethyl festgestellt.
Im Helsinki-Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Ostseegebietes
hat sich die Bundesrepublik Deutschland bereit erklärt, ein Interkalibrierexperi-
ment zur Bestimmung von Organohalogenverbindungen im Wasser der Ostsee
auszurichten. Da die Meldungen der sich beteiligenden Labors verzögert eingin
gen, konnte das Experiment erst im Januar mit der Untersuchung eines Gemisches
von Standardsubstanzen beginnen. Diese Stufe wurde befriedigend abgeschlossen
ebenso wie die Untersuchung von natürlichen und aufgestockten Seewasser
extrakten. Bei einem Treffen der beteiligten Labors von Finnland und Dänemark
in Hamburg im November wurden die bisherigen Ergebnisse diskutiert, die wei
tere Vorgehensweise wurde festgelegt.
Im September fand eine Überwachungsfahrt mit FS „Valdivia“ in die westliche
Ostsee, die Belt-See, das Kattegat, das Skagerrak und in die südliche Nordsee mit
dem Operationsgebiet für Verbrennungsschiffe und in die Deutsche Bucht statt.
Die Reise diente der Probenentnahme für das Bund/Länder-Meßprogramm, den
Verpflichtungen aus dem Helsinki-Übereinkommen und den BG-Richtlinien zur
Einhaltung von Qualitätszielen in Küstengewässern und Untersuchungen über die
Auswirkungen der Verbrennung chemischer Abfälle auf See. Die Probenentnahme