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Volltext: Jahresbericht 1987

Meereskunde 
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Ein weiterer Schwerpunkt war die Bestimmung natürlicher Radionuklide (Th 234, 
Be 7, Pb 210) in Schwebstoffen der Nordsee und der westlichen Ostsee. Diese 
Arbeiten liefern Informationen über die Intensität der Resuspension und der 
Biöturbation sowie über die Sedimentakkumulation. 
Es konnten nun auch bereits früher auf Schwermetalle analysierte Kerne datiert 
werden. 
Die Tätigkeiten in den wissenschaftlich-technischen Arbeitsgruppen des Helsinki- 
Obereinkommens wurden fortgesetzt. 
2.2.3.4 Organische Schadstoffe 
Pestizide und Lösungsmittel: 
Bei einem Brand In einem Chemikalienlager der Schweizer Chemie-Firma Sandoz 
War eine größere Menge Agrochemikalien zusammen mit dem Löschwasser in 
den Rhein gelangt und hatte im Oberlauf des Flusses zu einem Fischsterben 
geführt, verursacht durch den Eintrag von Insektiziden aus der Familie organi 
scher Phosphorsäureester. Es galt abzuschätzen, ob aus diesem Vorfall nachteilige 
Auswirkungen auf das Mündungsgebiet des Rheins oder sogar auf die gesamte 
Nordsee zu erwarten wären. 
Als Hauptschadstoffe wurden die Insektizide Thiometon und Disulfoton von den 
Rheinanliegern identifiziert, und ihre Konzentrationen wurden beim Durchgang 
der Schadstoffwelle festgestellt. Aus dem Konzentrationsabfall in der Welle, verur 
sacht durch Vermischung, Verdünnung und biochemischen Abbau, konnte abge 
schätzt werden, daß im Mündungsgebiet des Rheins eine Konzentration von 0,1 
bis 0,5 gg/1 zu erwarten war. Aus den Ergebnissen von Modellrechnungen Zur 
Ausbreitung von Schadstoffen konnte weiter abgeleitet werden, daß eine Schad 
stoffwolke aus dem Rhein zwei Monate braucht, um die Deutsche Bucht zu errei 
chen und daß im Schwerpunkt der Konzentration der Wolke dabei eine Abnahme 
um 2 bis 3 Größenordnungen durch Vermischung eintritt. Damit waren die Rah 
menbedingungen für eine Meßkampagne hinsichtlich des Zeitpunkts und der Lage 
der Meßstationen für Phosphorsäureinsektizide vorgegeben. Das Ergebnis dieser 
Untersuchung ist in Abb. 21 und in der Tabelle wiedergegeben. Danach wurden in 
der Deutschen Bucht keine nachweisbaren Auswirkungen durch die beim Sandoz- 
Rrand freigesetzten Phosphorsäureester beobachtet. Dagegen wurde, eingetragen 
über die Elbe, das Phosphorsäureinsektizid Parathionmethyl festgestellt. 
Im Helsinki-Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Ostseegebietes 
hat sich die Bundesrepublik Deutschland bereit erklärt, ein Interkalibrierexperi- 
ment zur Bestimmung von Organohalogenverbindungen im Wasser der Ostsee 
auszurichten. Da die Meldungen der sich beteiligenden Labors verzögert eingin 
gen, konnte das Experiment erst im Januar mit der Untersuchung eines Gemisches 
von Standardsubstanzen beginnen. Diese Stufe wurde befriedigend abgeschlossen 
ebenso wie die Untersuchung von natürlichen und aufgestockten Seewasser 
extrakten. Bei einem Treffen der beteiligten Labors von Finnland und Dänemark 
in Hamburg im November wurden die bisherigen Ergebnisse diskutiert, die wei 
tere Vorgehensweise wurde festgelegt. 
Im September fand eine Überwachungsfahrt mit FS „Valdivia“ in die westliche 
Ostsee, die Belt-See, das Kattegat, das Skagerrak und in die südliche Nordsee mit 
dem Operationsgebiet für Verbrennungsschiffe und in die Deutsche Bucht statt. 
Die Reise diente der Probenentnahme für das Bund/Länder-Meßprogramm, den 
Verpflichtungen aus dem Helsinki-Übereinkommen und den BG-Richtlinien zur 
Einhaltung von Qualitätszielen in Küstengewässern und Untersuchungen über die 
Auswirkungen der Verbrennung chemischer Abfälle auf See. Die Probenentnahme
	        
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