Meereskunde
45
2.2.3 Stoffliche Umweltfragen
2.2.3.1 Chemie des Meerwassers
Chemische Ozeanographie und Überwachung des Nährstoff- und Sauerstoffge
halts;
Während der „Gauß“-Fahrt Nr. 1Ö0 wurde die Sauerstoff- und Nährstoffkonzentra
tion in Abhängigkeit von der Wassermassenverteilung südlich Islands untersucht.
Die Trend Untersuchung der Nährstöffkonzentration (Phosphat, Stickstoffverbin
dungen, Silikat) in der Deutschen Bucht wurde Ende Januar fortgesetzt. Gegen
über den Messungen im Winter der Vorjahre ist weder eine Zunahme noch eine
Abnahme festzustellen.
Das außergewöhnlich regenreiche Frühjahrs- und Sommerwetter führte zu einem
stärkeren Nährstoffeintrag durch die Flüsse. Bei den Überwachungsmessungen
im August war die Konzentration der Stickstoffverbindungen deutlich höher als
im Sommer 1986, insbesondere in Küstennahe. Unverändert war dagegen die
Phosphatkonzentration.
Bedingt durch das anhaltend ungünstige Sommerwetter hatte das erhöhte Nähr
stoffangebot keine Auswirkung auf den Säuerstoffhaushalt der Deutschen Bucht.
Im Juli und August lag die bodennahe Sauerstoffkonzentration je nach Durchmi
schung zwischen 7 5 und 95 % Sättigung.
Im Einbringungsgebiet für Abwässer aus der Titandioxidproduktion ergaben Kon
trollen der Sauerstoffkonzentration und des pH-Wertes im Januar, Juli und August
keine Abweichung von den Normalwerten.
Die Messungen an den national und international vereinbarten Überwachungssta
tionen der westlichen und mittleren Ostsee wurden Ende August/Anfang Septem
ber vorgenommen. Die Nährstoffkonzentration war in der oberen Wasserschicht
so niedrig wie in den Sommermonaten der vergangenen Jahre. Durch biochemi
sche Abbauvorgänge war der Sauerstoff in der dünnen, bodennahen Wasser
schicht nahezu aufgezehrt, insbesondere in den tieferen Bereichen der Förden,
des Fehmarnbelts, der Lübecker Bucht und in den großen Tiefen der mittleren
Ostsee. Sauerstofflose Zonen in Bodennähe und Bildung von Schwefelwasserstoff
wurden im Landsort-Tief, Bornholmtief, im inneren Teil der Flensburger Förde
und in der Eckernförder Bucht gefunden (Abb. 14).
Für die genannten Untersuchungen waren an Bord des FS „Gauß“ und im Labora
torium Sülldorf des DHI nahezu 9000 Nährstoffanalysen, Sauerstoffbestimmungen
und pH-Wert-Messungen notwendig.
Überwachung des Meerwassers auf Schwermetalle:
Die Überwachung des Meerwassers der Deutschen Bucht auf Schwermetalle nach
dem neuen Überwachungskonzept des DHI wurde fortgeführt. Dieses faßt mit
einem einheitlichen Stationsnetz die Verpflichtungen für das Joint Monitoring
Programme (JMP) der Übereinkommen von Oslo und Paris, für das Gemeinsame
Bund/Länder-Meßprogramm für die Küstengewässer der Nordsee (BLMP) und für
die Richtlinien der EG zur Überwachung der Abwässer aus der Titandioxid-Indu-
strie zusammen. Die Daten werden u. a. dem Bundesminister für Umwelt, Natur
schutz und Reaktorsicherheit (BMU), dem Internationalen Rat für Meeresfor
schung (ICES) für die Joint Monitoring Group der beiden Kommissionen von Oslo
und Paris und für das BLMP dem Niedersächsischen Landesamt für Wasserwirt
schaft zur Verfügung gestellt.